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"Onlinebanking ist mir nicht wirklich geheuer."

Interview: Annette Frier

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Medien und Internet präsentieren intimste Details aus dem Leben von Prominenten und Normalbürgern. Wie hoch schätzen Sie diese Gefahr ein?

Annette Frier: "Erst einmal ist das Internet ja eine große Spielwiese, auf der man herumtollen kann. Das Internet als solches ist neutral, ein Mittel zum Zweck: Information, Kommunikation, Spiel etc. In dem Moment, wo kriminelle Energie ins 'Spiel' kommt, ist das Internet natürlich auch eine mächtige, nicht zu kontrollierende Waffe, deren Gefahr man nicht unterschätzen sollte."

Sie haben selbst Kinder. Was würden Sie tun, um die Gefahren für ihre Kinder aus dem Netz zu reduzieren?

Annette Frier: "Noch sind meine Kinder zu klein, deshalb ist die Frage noch theoretisch. Ich weiß aber aus meinem Bekanntenkreis, dass Aufklärung und auch Kontrolle wichtige Faktoren sind, um seine Kinder zu schützen."

Zerstört das Internet unsere Privatsphäre?

Annette Frier: "Natürlich ist das Netz ein weltweites Forum, das die Möglichkeit bietet, Privates, auch sehr Privates öffentlich zu machen. Aber jeder hat die Möglichkeit die Privatsphäre zu schützen, indem er ein Bewusstsein dafür entwickelt, was er ins Netz stellt und was nicht. Was ist heute eigentlich privat? Und doch verliere ich automatisch die Kontrolle, wenn mich z.B. jemand heimlich mit meinen Kindern fotografiert und das hochlädt. Auch hier gilt: Wenn jemand das Netz missbraucht, kann er unglaublichen Schaden anrichten. Einmal im Netz, immer im Netz."

Glauben Sie, dass die Politik mit Gesetzen für mehr Sicherheit sorgen kann?

Annette Frier: "Mein Eindruck ist, dass die Politik immer noch relativ orientierungslos ist. Das Problem ist, dass immer nur reagiert und nicht agiert wird, weil sie die Tragweite des Themas erst spät für sich entdeckt hat. Womit sich für mich auch der Erfolg der Piratenpartei erklärt. Politik und Gesellschaft sind sehr träge Apparate, Veränderungen und entsprechende (sinnvolle) Gesetze brauchen viel mehr Zeit, als man hofft."

online - Meine Tochter in Gefahr: Story und Bilder zum Film

Wie oft sind Sie selbst im Netz? Welche Geschäfte erledigen Sie online?

Annette Frier: "Mittlerweile bin ich täglich im Netz, weil ohne E-Mails Kommunikation ja gar nicht mehr denkbar ist. Es ist ja auch irrsinnig praktisch. Flüge und andere Shoppingtouren finden teilweise ebenfalls im Netz statt. Durch die Dreharbeiten zu unserem Film bin ich in dieser Beziehung aber auch wieder zurückgerudert. Onlinebanking ist mir nicht wirklich geheuer, ehrlich gesagt."

Muss man als Prominenter noch vorsichtiger sein?

Annette Frier: "Wahrscheinlich. Ich bin generell ein bisschen vorsichtiger. Vor allem aber muss man von dem Gedanken loskommen, Informationen über sich selbst in irgendeiner Form wirklich kontrollieren zu können. Man muss auch eine gewisse Gelassenheit entwickeln, gegenüber gefakten Nacktfotos, glatten Lügen oder angeblichen Twitter-Gesprächen, die Menschen mit zu viel Zeit vor ihren Computern in meinem Namen führen."

Sind sie privat in sozialen Netzwerken unterwegs?

Annette Frier: "Nein, überhaupt nicht. Aus meinem Leben wird ohnehin so viel veröffentlicht, dass ich keinen Bedarf habe, weitere Informationen zu posten. Für jemand anderen kann Facebook natürlich ein tolles Forum sein, um 'Was-auch-immer' zu kommunizieren und mit 'aller Welt' zu teilen. Ich möchte das weder bewerten noch verurteilen. Warum auch? Aber: Ich treffe meine Freunde lieber zum Kaffee, als virtuell!

Mit Smartphones kann heute jeder Fotos schießen und ins Netz stellen. Wie sind da ihre Erfahrungen?

Annette Frier: "Bis jetzt habe ich keine schlechten Erfahrungen gemacht. Im Gegenteil. Wenn ich die Leute, die von mir Fotos geschossen haben, ausdrücklich darum gebeten habe, das eine oder andere Foto nicht ins Netz zu stellen, dann haben sie sich immer daran gehalten. Glaube ich jedenfalls ... Tja, und wenn mal nicht, dann müsste ich das vermutlich unter der Rubrik Berufsrisiko verbuchen. Aber, dass heutzutage alles und immer fotografiert werden muss, weil das Handy stets griffbereit ist, kann mitunter ganz schön nervig sein."

Ist das Internet Feind oder Freund von "echten" Beziehungen?

Annette Frier: "Plötzlich ist sie wieder da, die Sommerbekanntschaft von vor 20 Jahren, oder der Typ, der damals neben mir im Englischkurs gesessen hat, oder auch die Tante aus dem Praktikum. Wahnsinn! Alles möglich dank des Internets – toll! Andererseits: Will ich denn – außer einem fröhlichen Winken und einem herzlichen Gruß aus der Ferne – regelmäßigen Kontakt zu so vielen Menschen? Geht das überhaupt? Meine Erfahrung ist: 'Echter' Kontakt dauert länger, ist aufwändiger, beinhaltet (nicht immer) aber meistens auch mehr Substanz. Trotzdem freue ich mich natürlich, die ersten Schritte meines Patenkindes per Video geschickt zu bekommen. Alles sehr komplex ..."

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