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"Blindsein würde mir komplett den Boden unter den Füßen wegziehen."

Marie Zielcke im Interview

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Sie spielen in "Verfolgt" die blinde selbstbewusste Ester. Was hat sie an der Rolle gereizt?

Marie Zielcke: "Ich fand es toll, wie selbstbewusst Ester trotz ihrer Behinderung geblieben ist. Natürlich ist sie verletzlich und traurig und wütend - und muss sich an ihre neue Situation erst gewöhnen. Trotzdem versinkt sie nicht in Selbstmitleid, sondern erkämpft sich ihren Platz im Leben zurück."

Wie schwierig war es, sich in das Leben einer Blinden einzufühlen?

Marie Zielcke: "Es ging leichter, als ich befürchtet hatte. Ich habe mich mit dem Team vom 'Dialog im Dunkeln' ein paar Mal getroffen und 'geübt' … Das hat mir wahnsinnig geholfen."

Ester ist trotz ihrer Krankheit extrem tough. Wie würden Sie mit einem solchen Schicksal umgehen?

Marie Zielcke: "Ich glaube, es würde mir komplett den Boden unter den Füßen wegziehen und mir erst mal sehr viel Angst machen."

Wie schwer war es, Esters Angst zu spielen?

Marie Zielcke: "Genauso schwierig wie alle anderen Szenen. Blind zu spielen, mit offenen Augen, wenn man immer alles sieht, aber nicht reagieren darf, das war einfach schwer. Egal, ob Freude oder Angst - viele Bewegungen in meinem Gesichtsfeld haben es besonders schwer gemacht."

In einer Szene flüchten Ester und Tao mit dem Auto - sie bedient Gas und Bremse, Tao muss lenken. Wie war es, die Szene zu spielen?

Marie Zielcke: "Es war lustig. Also zum Teil, weil wir durch ein ganz hohes Feld gebrettert sind. Und es war total eng mit Kevin auf meinem Schoß, und natürlich schwierig, blind zu spielen und gleichzeitig ein Auto zu lenken. Aber es war auch irre kalt und am Ende eines sehr langen Tages - da denkt man zum Glück nicht mehr viel nach."

Ester will keine Hilfe annehmen und stößt dadurch sogar Menschen zurück, die sie lieben. Können Sie dieses Verhalten nachvollziehen?

Marie Zielcke: "Das kann ich schon. Sie will keine Zuneigung aus Mitleid. Das ist doch verständlich. Sie hat sich selbst noch nicht mit ihrer Situation arrangiert und das Gefühl, auf ihre Blindheit reduziert zu werden. Die ablehnende Haltung ist ihr Schutzschild. Obwohl sich Ester nicht mit Tao verständigen kann, fühlt sie, dass er ihre Hilfe braucht."

Glauben sie an eine Verständigung ohne Worte?

Marie Zielcke: "Absolut. Obwohl sie nicht in derselben Sprache sprechen, hören beide ja den Klang der Stimme des Anderen - Laute, Emotionen, Melodie."

Ester beweist sehr viel Mut, als sie Tao vor den Mördern seiner Familie beschützt. Wie mutig sind Sie?

Marie Zielcke: "Ich mag keine Ungerechtigkeit. Wenn ich mitbekomme, dass jemand schlecht behandelt wird, kann ich sehr mutig werden."

Der Film: Verfolgt - Der kleine Zeuge

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