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"Ich halte noch ein wenig an Freiheit und Rock'n'Roll fest."

Katharina Wackernagel im Interview

Noch immer tut sich unsere Gesellschaft mit behinderten Menschen schwer. Wie ein unverkrampfter Umgang aussehen könnte, zeigt die Sat.1-Komödie "Die Mongolettes – Wir wollen rocken“. Im Interview spricht Hauptdarstellerin Katharina Wackernagel über die Dreharbeiten mit Down-Syndrom-Kindern, über die Zusammenarbeit mit ihrer Partnerin Anna Lange und auch übers Älterwerden.

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Frau Wackernagel, waren Sie vor den Dreharbeiten zu "Die Mongolettes - Wir wollen rocken“ nervöser als vor anderen Drehs?

Katharina Wackernagel: Nein. Ich hatte meine Filmtochter Anna Lange zuvor bei Probeaufnahmen schon kennengelernt und hatte nie die Befürchtung, dass die Zusammenarbeit schwierig werden konnte.

Natürlich habe ich hin und wieder auch mit Anna-Katharina Andrees Rücksprache gehalten, ihrem Coach, z.B. wenn es darum ging, wie ich die Szenen spielen soll, in denen ich körperliche Nähe zu Anna habe. Grundsätzlich war die Begegnung mit allen vier Jugendlichen mit Down-Syndrom überaus herzlich und sehr bereichernd.

Hat Ihnen die Erfahrung von "Contergan“ geholfen, den Sie 2007 gedreht haben?

Körperbehinderte Kinder sind natürlich anders als geistig behinderte Kinder. Aber der Umgang bringt sicherlich in jedem Fall eine gewisse Sensibilität mit sich. Zudem war mein Vater als Sonderschulpädagoge Lehrer an einer Förderschule, so dass ich von klein auf mit dieser Thematik konfrontiert worden bin.

Etwa, wenn er seine Klasse mit nach Hause gebracht hat, und wir z. B. zusammen im Garten gespielt haben. Schon damals habe ich also Kinder mit dem Down-Syndrom kennengelernt.

Wie gestaltete sich im Einzelnen die Zusammenarbeit mit Anna Lange?

Das Schöne war, dass Anna mich sehr schnell als Spielpartnerin akzeptiert hat. Immer wenn wir gemeinsame Szenen hatten, haben wir anschließend auch die Drehpausen gemeinsam verbracht und sehr viel Spaß miteinander gehabt. Anna ist eine sehr aufgeweckte junge Frau, die an allem sehr interessiert ist und die viele Fragen stellt.

Werden Sie in Kontakt bleiben?

Aus der Begegnung mit Anna und Anna-Katharina Andrees ist bereits etwas sehr Schönes entstanden. Die "Mongolettes“-Darsteller mit Down-Syndrom stammen aus dem "Circus Sonnenstich“ - einem Zirkus-Projekt in Berlin, das von Anna-Katharina und ihrem Ehemann geleitet wird. 

Kurz nach Drehschluss habe ich dort eine Vorstellung besucht und war begeistert. Und als man mich gefragt hat, ob ich Interesse hätte, die Schirmherrschaft zu übernehmen, habe ich sofort ja gesagt. Seitdem stehen wir ohnehin in engem Kontakt. Und ich hoffe, dass dieser Film dem Zirkus weitere Aufmerksamkeit bescheren kann.

Haben Sie trotz Ihrer positiven Erfahrung Verständnis für Berührungsängste, die aus einer gewissen Hilflosigkeit heraus resultieren?

Ich glaube, dass es das gerade bei Menschen mit Down-Syndrom gar nicht gibt oder zumindest nicht geben muss, weil diese Menschen eine sehr offene, sehr direkte Art haben. Dass es trotzdem aber auch Momente der Hilflosigkeit geben kann, das steht außer Frage.

Wie groß sehen Sie grundsätzlich die Gefahr, dass ein Unterhaltungsfilm zu diesem Thema seine Protagonisten vorführt?

Diese Gefahr ist grundsätzlich vorhanden. Ich glaube aber, dass wir das sehr gut vermieden haben. Viel schwieriger fand ich in unserem Fall, dass man den vier Jugendlichen mit Down-Syndrom vier weitere Jugendliche zur Seite gestellt hat, die ihre Behinderung nur spielen. Das wäre grundsätzlich kein Problem, wenn deren Behinderung nicht zu unklar und zu unspezifisch bleiben würde. Das finde ich etwas schade. 

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Ist die Form der Komödie dem Thema angemessen?

Auf jeden Fall. Denn ich denke, dass dem Zuschauer der Zugang zu diesem Thema so leichter gemacht wird, als das etwa ein Drama vermögen würde. Und ich hoffe wirklich für unseren Film, dass dem Zuschauer das Thema "Menschen mit Behinderung in unserer Gesellschaft“ auf eine eindrückliche Weise noch einmal vor Augen geführt wird – ohne dass er das Gefühl haben muss, dass die Unterhaltung dabei zu kurz kommt.

Der Film streift noch ein weiteres Thema, das Älterwerden und den Verlust des Rock’n’Roll-Feelings der frühen Jahre; wie ist das bei Ihnen?

Ich fühle mich noch nicht in Richtung Reihenhaus und Familie getrieben und halte lieber noch ein wenig an Freiheit und Rock’n’Roll fest (lacht). Trotzdem ändern sich Dinge mit den Jahren. Heute ist es mir nicht mehr egal, ob ich nur auf einer Matratze auf dem Boden oder doch in einem Bett schlafe.

Das war vor zehn Jahren noch anders, da hatte ich aber auch noch keine Rückenbeschwerden (lacht). Aber ich denke, dass das ein ganz normaler Entwicklungsprozess ist.

Apropos Rock’n’Roll-Feeling; vielleicht nennen Sie uns noch Ihre Lieblingsmusik?

In meiner Pubertät habe ich in alten Zeiten festgehangen und habe Bands wie The Doors oder Jethro Tull gehört, während meine Freunde mehr Spaß an Ace of Base oder Tic Tac Toe hatten. Meine Brüder haben mir dann auch noch die Freude am Ska vermittelt, so dass Bands wie The Busters oder The Aggrolites heute absolute Favoriten von mir sind. Und mit The Busters habe ich sogar schon einmal einige Songs aufgenommen.

© sat1.de / Andreas Kötter

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