- Bildquelle: SAT.1 / Christian Lüdeke © SAT.1 / Christian Lüdeke

Nach ihrem erfolgreichen Debüt als Profilerin Julia Durant in "Jung, blond, tot" jagt Sandra Borgmann in "Kaltes Blut" einen gefährlichen Serienkiller. Dass Borgmann weiterhin als Julia Durant Serienkiller jagen darf, freut die Hauptdarstellerin immens. Denn sie findet ihren Charakter "smart, charmant, verletzbar und ein bisschen crazy - also so, wie eine gute Rolle sein muss". Neben Borgmann stehen auch Eric Stehfest und Guido Broscheit als Ermittler vor der Kamera. Im Interview erklären sie, worauf sich Zuschauer freuen dürfen. 

Frau Borgmann, was ist das Besondere an Julia Durant und was geht in ihr vor?

Borgmann: "Sie war als Kind schon mal für ein paar Minuten tot, war also schon mal auf der anderen Seite. Der Weg zwischen Leben und Tod ist für sie deshalb nicht mehr so lang und unvorstellbar wie vielleicht für andere. Ich habe sogar das Gefühl, dass sie sich genau auf diesem Weg am Wohlsten fühlt. Als wäre das der Ort, wo ihr am Wenigsten passieren kann."

Wie entwickelt sich ihre Figur im Vergleich zum ersten Teil der Reihe?

Borgmann: "Es werden sehr verletzbare Seiten sichtbar. In einem der Teile eher sanft, im anderen sehr brutal."

Welche Eigenschaften von Julia Durant hätten Sie selbst gerne?

Borgmann: "Die meiste Zeit betrachtet sie die Welt um sich herum als eine Welt der Phänomene. Und die schaut sie sich dann im Fall des Falles genauer an. Das gefällt mir."

In den Filmen gibt es auch viele düstere und beängstigende Szenen. Inwieweit beschäftigen Sie diese noch nach Drehschluss?

Borgmann: "Kommt drauf an. Es gibt Düsteres, wo man beim Drehen viel lacht. Grundsätzlich fühlt es sich beim Machen anders an als beim Gucken. Es wird sehr achtsam mit all' dem umgegangen. Die Brutalität entsteht woanders."

Herr Stehfest, Sie haben in Ihrer Jugend einige negative Erfahrungen mit der Polizei gemacht. Was ist es für ein Gefühl, jetzt selbst einen Polizisten zu verkörpern?

Stehfest: "Früher habe ich viel Energie dafür verschwendet, Probleme und Erlebtes zu verdrängen. Dies ging so weit, dass ich tiefe Traumata wirklich vergessen habe. Dieses Unterdrücken von Emotionen ist eine Grundhaltung, die Kriminelle über Jahre oder sogar Jahrzehnte mit sich herumtragen. Ich habe mich für einen anderen Weg entschieden und meine Blockaden aufgedeckt."

Inwieweit haben Ihre persönlichen Erfahrungen mit der Polizei Ihre Vorbereitung auf Ihre Rolle als Felix Dombrowski beeinflusst?

Stehfest: "Ich weiß, wie sich Polizisten bewegen, wie sie gucken kurz vor einem Einsatz und wie unterschiedlich jeder einzelne von ihnen ist. Ein sehr guter Freund von mir arbeitet bei der Polizei. Ich durfte ihn studieren. Außerdem war ich früher oft auf der Schießanlage, somit weiß ich, wie man eine Waffe hält und wie intensiv ein Rückstoß sein kann. Viel wichtiger ist aber, dass ich mir exakt vorstellen kann, wie es im Kopf von Serienkillern aussieht."

Es wurde viel über Ihre veränderte, deutlich muskulösere Statur gerätselt. Was hat es damit auf sich?

Stehfest: "Ich nehme mich als Schauspieler ernst und bereite mich gezielt auf Rollen vor. Dies wird von meinem Personal Trainer begleitet. Körper und Geist können, bzw. müssen für jede Rolle transformiert werden. Das Rollenprofil von Felix Dombrowski hatte einige Lücken, die ich eigenständig ausfüllen durfte. Deshalb entschied ich mich für diese körperliche Veränderung." 

Herr Broscheit, was gefällt Ihnen an der Rolle?

Broscheit: "Mir gefällt Schulz' Aufrichtigkeit und wie er für das Gute kämpft. Er gibt im Job immer 100 Prozent. Dabei verliert er allerdings auch den Blick auf alles andere, sodass sein Familienleben sehr darunter leidet. Und da man Berufliches und Privates nicht so ohne Weiteres trennen kann wie er denkt, wirkt sich diese Schieflage ohne Zweifel eben doch auf seinen Job aus."

Haben Sie auch selbst schon einmal die Erfahrung gemacht, dass Sie Ihr Privatleben für den Job vernachlässigt haben?

Broscheit: "Ich gebe auch immer 100 Prozent und stürze mich, wenn mir etwas wichtig ist, mit Haut und Haaren rein – egal ob im Beruf oder im Privaten. Da bleiben manch' andere Themen auch schon einmal auf der Strecke. Das war zum Beispiel der Fall, als ich vor Jahren meine Tätigkeit als Anwalt beendet habe und in die Filmbranche gewechselt bin."

Die haben Sie sich auf den Dreh vorbereitet?

Broscheit: "Zur Vorbereitung hatte ich viel Kontakt zu Polizisten, um einen Einblick in deren Alltag zu bekommen. Für mich war zum Beispiel spannend, wie sie mit Waffen umgehen und vor allem, was passiert, wenn ein Polizist im Dienst jemanden an- oder erschießt. Das will keiner erleben."