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Warum ist es wichtig, dass Filme wie "Lautlose Tropfen" gedreht werden?
Stefanie Stappenbeck: "Es gibt viele Menschen – Frauen, Männer, Kinder – denen Gewalt angetan wird und die nicht gehört werden. Sie finden keine Worte dafür, fühlen sich schuldig oder es wird ihnen schlicht nicht geglaubt. Wir wollen mit unserem Film aufmerksam machen, ermutigen, wachrütteln. Es ist mir sehr wichtig, ein Teil davon zu sein und ein solches Schicksal sichtbar zu machen."

Wie haben Sie sich auf die sicherlich intensiven Dreharbeiten vorbereitet?
Stefanie Stappenbeck: "Ich habe mich natürlich über das Thema informiert: Dokumentationen gesehen und mich in Fachpublikationen und Erfahrungsberichte eingelesen. Die offiziellen Statistiken zu Vergewaltigung und sexueller Nötigung in Deutschland sind erschreckend. Besonders betroffen hat mich die steigende Zahl solcher erfassten Straftaten in den vergangenen Jahren. Und auch die heimliche Verabreichung von K.-o.-Tropfen ist kein Einzelfall. Ich denke, es ist für jeden wichtig, sich dessen bewusst zu sein."

Was war für Sie die größte Herausforderung beim Dreh?
Stefanie Stappenbeck: "Das waren die Vergewaltigungs-Szenen, aber auch die Szenen absoluter Ohnmacht und Hilflosigkeit. Ich verstehe nicht, wie Menschen einander so etwas antun können. Natürlich habe ich mich mental darauf vorbereitet. Trotzdem durchlebt man mit seiner Figur diese schrecklichen Momente, muss sich somit selbst hilflos und verzweifelt fühlen. Das war trotz aller Vorbereitung sehr intensiv und aufwühlend. Diese Gefühle kann man nach dem Dreh auch nicht einfach abstellen."

Was sollte der Zuschauer aus dem Film mitnehmen?
Stefanie Stappenbeck: "Viele Betroffene wissen nicht was zu tun ist, schämen sich oder fühlen sich schuldig. Wenn dieser Film zur Aufklärung beiträgt, auch nur eine Straftat verhindern kann oder einer betroffenen Person hilft, mit ihrer Situation besser zurechtzukommen, sich nicht zu schämen und rechtzeitig Hilfe zu holen, haben wir schon wahnsinnig viel erreicht. Vergewaltigung und K.-o.-Tropfen sind heute kein Tabu-Thema mehr, aber Vielen trotzdem nicht präsent. Die meisten denken gar nicht über die Möglichkeit nach, unfreiwillig mit K.-o.-Tropfen in Berührung zu kommen. Der Film soll auch Betroffenen Mut machen. Man ist nicht allein."

Gibt es in Ihrem Freundes- oder Bekanntenkreis Opfer von K.-o.-Tropfen? 
Stefanie Stappenbeck: "Ja, eine meiner besten Freundinnen und auch ein befreundetes Ehepaar haben mir ihre Geschichten mit K.-o.-Tropfen erzählt. Meine Freundin ist nur deshalb einigermaßen heil aus der Situation gekommen, weil sie sofort nach dem Auftreten der ersten Symptome ihren Freundinnen Bescheid gesagt hat und diese sie aus dem Club rausgebracht haben. Das Ehepaar hat nur noch bruchstückhafte Erinnerungen an die Heimfahrt im Taxi, nachdem sie eilig eine Bar verlassen hatten, in der der Rotwein merkwürdig schmeckte und zwei Unbekannte sich merkwürdig aufdringlich verhielten. Da waren wohl auch K.-o.-Tropfen im Spiel ...

Nachdem Sie sich nun in der Rolle und in der Vorbereitung mit der Thematik beschäftigt haben: Was würden sie Menschen raten, die den Verdacht haben, mit K.-o.-Tropfen betäubt worden zu sein?
Stefanie Stappenbeck: "Sobald man das Gefühl hat, dass etwas nicht stimmt, sollte man sich sofort an eine vertrauenswürdige Person wenden. Wenn keine Freunde oder Bekannten dabei sind, dann an das Personal. Sie können helfen, den Ort zu verlassen und gegebenenfalls in ein Krankenhaus zu gelangen. Generell gilt: Trau deinem Gefühl! Du kennst deinen Körper am besten und weißt, wenn etwas nicht stimmt. Es gibt keinen Grund, sich zu schämen oder schuldig zu fühlen. Und je schneller man sich Hilfe holt und im Zweifel in ein Krankenhaus geht, desto höher ist die Wahrscheinlichkeit, dass einem nichts Schlimmeres geschieht und dass die K.-o.-Tropfen noch nachgewiesen werden können. Auch am Morgen danach. So besteht die Chance, den oder die Täter zu finden."