- Bildquelle: Christiane Pausch SAT.1 © Christiane Pausch SAT.1

Die Brückers reagieren erst total positiv und neugierig auf die chinesischen Nachbarn. Dann kommt es zum Kultur-Clash. Warum?
Christoph M. Ohrt: Es fällt mir schwer, das zu beantworten. Wir versuchen ja in dem Film, Antworten zu geben ...Vielleicht reagieren die Brückers so, weil man irgendwann in alte Denk- und Verhaltensmuster zurückfällt, weil man nicht mehr weiter weiß. Oder man überfordert ist und so gerne alles richtig machen möchte. Und so GANZ aufgeschlossen dem andern gegenüber sein will…

In einer Szene glauben Sie, Ihren geliebten Hund Butch bei den Wangs zu verspeisen. Essen Sie gern chinesisch?
Das kommt darauf an, aus welcher chinesischen Region das Essen kommt. Denn das, was wir hier in Deutschland als chinesisch bezeichnen, hat ja nur wenig mit dem „wirklichen" Essen zu tun. Und da gibt es schon einiges, was ich lieber nicht in den Mund nehmen würde. Von den scharfen Gewürzen mal ganz abgesehen. Aber ich liebe die Szechuan-Küche!

In einer Szene säbeln Sie vor Wut den Bambus der Wangs ab. Hatten Sie selbst schon nervige Nachbarn?
Oh ja. Als wir vor den Toren Berlins lebten, gab es ein älteres Ehepaar, das waren die „Nachbarn aus der Hölle". Hochgebildete Leute, aber leider mit einem totalen Knall. Da half irgendwann nur noch ignorieren und die Sichtschutzblende aus Bambus (mit leider genormter Höhe ...) am Zaun befestigen!

Was halten Sie davon, wenn chinesische Kinder fast den ganzen Tag nur lernen müssen?
Wenn dem wirklich so ist, das sie nur lernen müssen, finde ich es schade und traurig. Das Kindsein besteht ja nicht nur aus Schule, sondern auch aus Spielen, Freunden, Partys etc. Und Kinder sollen in diesen wunderbaren, jungen Jahren auf das Leben vorbereitet werden. Und das sollte, bei allem was man dann irgendwann tut, auch Spaß machen.

Im Film wie im wahren Leben sind Sie Vater von zwei Teenagern. Was ist Ihnen bei der Kindererziehung wichtig?
Dass meine Kinder Verantwortung für ihr Tun übernehmen. und sich der Folgen ihres Tuns bewusst sind. Es ist ein langer, eigentlich nie endender Prozess und ich versuche, so wenig Druck wie möglich auszuüben.

Welche Regeln gelten bei Ihnen?
Ach, so viele Regeln gibt es nicht! Ich reagiere meistens „aus dem Bauch” heraus, wenn ich das Gefühl habe, dass etwas aus dem Ruder läuft ... Bisher fahren wir ganz gut damit.

Finden Sie, dass unsere Kinder in der Schule überfordert sind und wie lässt sich Wissen Ihrer Meinung nach am besten vermitteln?
Das kommt ganz auf die Schule an. Wir haben meine Tochter gerade aus ihrer bisherigen Schule herausgenommen, weil wir – und natürlich auch sie – der Meinung waren, dass es nicht nur ums Pauken geht. Sie hatte kaum Freizeit, auch am Wochenende nicht, und da haben wir dann einen Schlussstrich gezogen. Wissen lässt sich, wenn überhaupt, nur begrenzt durch Strenge vermitteln.

Wang Hua ist nicht nur Ihr Nachbar, sondern auch Ihr größter Konkurrent. Sind die Chinesen wirklich bessere Manager als die Deutschen?
Keine Ahnung, ob sie bessere Manager sind. Oder bessere Musiker. Oder besser auf allen anderen Gebieten. Sie gehen wohl anders an das Leben heran, aber da wird man auch wieder Opfer der eigenen Vorurteile. Und als „China-Experten” kann ich mich wirklich nicht bezeichnen.

Glauben Sie, dass die Chinesen uns á la longue in der Wirtschaft überholen?
Haben sie das nicht schon längst?

Was halten Sie von den alten chinesischen Traditionen wie TCM oder Tai Chi?
Ich halte viel von alten Traditionen, in jeder Kultur ... Tai Chi werde ich demnächst vielleicht mal ausprobieren, im Park um die Ecke...

Story und Bilder zu Nachbarn süß-sauer”, der Sat.1-Komödie mit Bettina Zimmermann und Christoph M. Ohrt