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"Von mir blieb eigentlich nicht mehr übrig als meine Augen..."

Yvonne Catterfeld im Interview

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Beinahe jeden Drehtag mussten Sie sich für "Plötzlich 70!" von der jungen Yvonne in die alte Melanie verwandeln. Wie ging dieser Prozess von statten?

Yvonne Catterfeld: "Ich saß jeden Tag vier Stunden in der Maske und durfte nebenbei nichts anderes tun. Ich musste die ganze Zeit stillhalten, um wie eine Porzellanpuppe bemalt und beklebt zu werden. Ich hatte drei unheimlich nette und lustige Maskenbildner, die permanent und gleichzeitig mit meinem Gesicht beschäftigt waren. Es wurde vorher festgelegt, wann ich was essen durfte – jedoch immer nur etwas Flüssiges mit Strohhalm. Wir hatten zwar viel Spaß, aber manchmal war ich allein von der Maskenzeit schon müde, bevor ich überhaupt angefangen habe zu drehen.Nach Drehschluss brauchten wir noch mindestens eine Stunde, um die Maske, meist schmerzhaft, zu lösen. Die Maske saß jeden Tag anders, es gab fast immer eine kleine Problemstelle und es war sehr spannend, kleine tägliche Unterschiede wahrzunehmen."  

Wie ist die "alte Yvonne" überhaupt entstanden?

Yvonne Catterfeld: "Von mir als Yvonne blieb eigentlich nicht viel  mehr übrig als meine Augen und meine Unterlippe, selbst die Augenbrauen gab es 30mal. Sie wurden jeden Tag neu aufgeklebt, ihre richtige Form und die Position im Gesicht war sehr wichtig, da allein ein solches Detail darüber entscheidet, ob die Maske funktioniert oder nicht, ob man mich noch erkennt oder es eine fremde Frau ist, die einem da entgegen blickt. Das war faszinierend! Es gab mehrere Designer, die zunächst anhand eines Fotos von mir völlig unterschiedliche Vorschläge gemacht haben, wie ich im Alter aussehen könnte. Aus diesen Möglichkeiten habe ich mich dann für eine entschieden."

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Was für ein Gefühl ist es, in den Spiegel zu schauen und sein um mehrere Jahrzehnte gealtertes Ebenbild zu sehen?

Yvonne Catterfeld: "Da ich weiß, dass ich nicht unbedingt so aussehen werde wie im Film, konnte ich mein Spiegelbild sehr gut annehmen und musste mich im Kokettieren und Spielen damit echt bremsen. Sich aber überhaupt als alte Frau zu sehen, bewirkt natürlich etwas in sich selbst. Wir haben drei Tage lang die Maske getestet, sie jeden Tag zusammen weiterentwickelt, bis ich mich selbst darin wiedererkannt habe und mir nicht mehr verkleidet vorkam. Ich musste mir selbst glauben können, das war unglaublich wichtig für mich. Tatsächlich hatte ich mich schnell an mein Spiegelbild gewöhnt. Wenn ich irgendwann auch so eine coole, niedliche Omi werde, könnte ich gut mit dieser Altersvariante leben. Es gab aber auch Momente, in denen ich kurz erschrocken war, wenn mein Blick zufällig einen Spiegel traf."

Haben Sie mal getestet, wie andere Menschen auf Sie reagiert haben?

Yvonne Catterfeld: "Natürlich reagieren Menschen, die mich privat kennen weniger fasziniert von der Maske. Wie im Film sah ich um Jahrzehnte älter aus als meine eigene Mutter, das ist für sie natürlich merkwürdig und befremdlich. Einmal war ich als 'alte Yvonne' kurz abseits des Sets unterwegs. Natürlich sah ich in meinem braunen Sportwagen skurril aus und ich bekam – dank meines jugendlichen Fahrstils – ein verschmitztes Lächeln von einem jungen Mann, der neben mir fuhr. Am Set gab es nur Wenige, die es als frappierend und irritierend beschrieben, mich den einen Tag in jung und den anderen in alt zu sehen. Ich glaube, man hat manchmal die Schauspielerin darunter nicht mehr gesehen, da ich in meinen alten Körper reinkroch, sobald ich in der Maske war." 

Was halten Sie persönlich vom Jugendwahn mancher KollegInnen?

Yvonne Catterfeld: "Alter ist eine Frage der Geschwindigkeit des Blicks. Ich bin ein Freund des Natürlichen und empfinde das Älterwerden im Moment noch als Bereicherung, als Möglichkeit, das Leben und sich selbst besser kennenzulernen. Da ich aber in einem sehr oberflächlichen Business arbeite, kann ich das vermehrte Auseinandersetzen anderer Kollegen damit verstehen. Fragen Sie mich nochmal, wenn ich der 'alten Melanie' ähnlicher werde."

Zum Film: Plötzlich 70!

Zum Starporträt: Yvonne Catterfeld

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