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Vier Jahre lang gab es kein neues Album von Michael Patrick Kelly – einem der Erfolgreichsten, der Kelly-Family. Sein letztes Album „iD“, holte damals Platin und war über 94 Wochen in den Charts.

Vier Jahre lang gab es kein neues Album von Michael Patrick Kelly – einem der Erfolgreichsten, der Kelly-Family. Sein letztes Album „iD“, holte damals Platin und war über 94 Wochen in den Charts.

500.000 Menschen sahen seine Tour zum Album, und Kelly wirkte zwischen all dem, auch noch bei “The Voice of Germany” und drei Staffeln „Sing Meinen Song“ mit. Aber das Warten auf neue Musik hat sich gelohnt. Schon die Vorabsingles aus „B•O•A•T•S“ – „Throwback“ und „Beautiful Madness“ – waren großes Popkino. Im Kern sind das gut erzählte Singer-Songwriter-Stücke, aber Kelly setzt auf eine poppige, international klingende Produktion, die seinen Songs und Texten ausgesprochen gut steht. Leicht und zugleich emotional klingt das – ein seltsamer Spagat, den man erst einmal hinbekommen muss.

Dabei ist „B•O•A•T•S“ im Kern ein Konzeptalbum. Die Abkürzung steht für „Based On A True Story“. Und tatsächlich singt Kelly ausschließlichen von wahren Begebenheiten und Schicksalen. Im Interview mit der Nachrichtenagentur „spot on news“ erklärte Kelly kürzlich, dass dieser Zugang auch eine Art Reaktion auf das seit seiner Kindheit unverhältnismäßig hohe Interesse an seiner Person sei: „Ich teile sehr wenig von meinem Privatleben mit der Öffentlichkeit, aber das Schöne an Musik ist, dass man über die Sprache der Kunst seine tiefsten Gefühlslagen mit fremden Menschen teilen kann, als wären es die engsten Freunde. Alle Songs basieren auf wahren Geschichten, die ich entweder selbst erlebt habe, oder von anderen Menschen, deren Geschichten mich inspiriert haben. Man sagt, dass ein guter Song aus drei Akkorden und der Wahrheit besteht. Und ja, es hat bei manchen Songs Überwindung gekostet, die ungeschminkte Wahrheit zu schreiben und das dann noch im Tonstudio einzusingen.“ Wie sehr ihm das Album am Herzen liegt, sieht man auch an seiner Entstehungsgeschichte: Kelly erzählt, er habe 60 Songs geschrieben, um am Ende die 15 besten herauszuarbeiten. Inspiration holte er sich an vielen verschiedenen Orten. Er habe eine halbe Weltreise unternommen, war in Afrika, USA, Grönland, auf den Färöer-Inseln, in Italien, Spanien und Irland. Wäre Corona nicht über die Welt hergefallen, hätte er noch einige Orte mehr besucht.

Die 15 Lieder von „B•O•A•T•S“ funktionieren allesamt ausgesprochen gut, eben weil Kelly inzwischen ein feines Gespür für seinen Pop-Entwurf hat. Spannend wird es, wenn Kelly dabei durchaus politische Ansichten und Kritik transportiert. Zum Beispiel in „Fake Messiah“, ein instrumental gesehen geradezu beschwingter Song, der einem unter dem Deckmantel der Eingängigkeit harte Wahrheiten an den Kopf haut. Kelly erklärte „spot on news“, es gehe im Lied um „den Missbrauch religiösen Glaubens zur Rechtfertigung für politische Gräueltaten. Ich habe zwei Beispiele in der Geschichte gewählt: die gewaltvolle Umerziehung der Native Americans durch staatliche und kirchliche Programme in Nordamerika und Kanada und die Apartheid in Südafrika. Es gibt immer noch Menschen, die unter den Konsequenzen dieser Art von Pervertierung und Ideologie leiden, daher sind die Probleme nicht endgültig gelöst. Auch wenn sie es nicht mehr unter die Top News schaffen und nur wenige darüber reden. Ich glaube, Aufklärung allein reicht nicht aus, es geht immer auch um Herzensbildung.“ Ein schönes Wort – und eines, das sehr gut zu diesem gelungenen Album passt.

Das offizielle Video