Haftstrafe für U-Bahn-Treter

Fast drei Jahre nach einer brutalen Attacke gegen einen Touristen auf einem U-Bahnhof in Berlin-Kreuzberg ist ein 27-Jähriger zu einer Gefängnisstrafe von zwei Jahren und drei Monaten verurteilt worden. Er habe auf das bereits am Boden liegende Opfer eingetreten und sich der gefährlichen Körperverletzung schuldig gemacht, begründete das Amtsgericht Tiergarten am Mittwoch. Ein gleichaltriger Mitangeklagter erhielt zehn Monate Haft auf Bewährung. Er hatte dem 26 Jahre alten Italiener einen Faustschlag ins Gesicht versetzt. Die Verteidiger kündigten Rechtsmittel an. Zu der Tat war es im Mai 2015 auf dem U-Bahnhof Schlesisches Tor gekommen.

"Ein unschuldiges Opfer wurde schwer verletzt", sagte die Richterin. Eine Notwehrsituation habe für die Angeklagten nicht vorgelegen. Einer habe grundlos dem jungen Italiener einen Faustschlag ins Gesicht versetzt. Als der Geschädigte auf dem Boden lag, habe der Mittäter den Mann getreten  - "mit dem Schuh ins Gesicht". Der Verletzte musste zwei Wochen im Krankenhaus behandelt werden und leide bis heute unter Folgen des Angriffs.

Es waren Drogen im Spiel

Die deutschen Angeklagten hatten die Gewalt zugegeben und bedauert. Er habe den Geschädigten einer Gruppe zugeordnet, von der er und sein Freund kurz zuvor angegriffen worden seien, hatte einer der 27-Jährigen zu Beginn des Prozesses vor zwei Monaten erklärt. Für den zweiten Angeklagten, der damals unter Bewährung stand, sagte der Verteidiger, sein Mandant sei "nicht bei sich" gewesen und habe sich nicht steuern können. Die Freunde hätten zuvor reichlich Alkohol und Drogen konsumiert.

Nach einer Öffentlichkeitsfahndung im Herbst 2016 mit Bildern aus Überwachungskameras hatten sich die Angeklagten gestellt. Als sie das Video bei der Polizei sahen, seien sie entsetzt über ihre Gewalt gewesen, erklärten sie im Prozess. "Ich hatte es ganz anders in Erinnerung", so einer der Freunde.

Überwachungskameras brachten den Erfolg

Das Gericht folgte einem Gutachten und ging von einer verminderten Schuldfähigkeit der Angeklagten aus. Im Falle desjenigen, der zugeschlagen hatte, erging ein Schuldspruch wegen Körperverletzung. Der Staatsanwalt hatte auf Strafen von drei Jahren und drei Monaten Gefängnis beziehungsweise zwei Jahren Haft auf Bewährung plädiert.

In Berlin hatten Trittattacken in U-Bahnhöfen wiederholt Entsetzen ausgelöst. Immer wieder konnten die Täter mit Hilfe der Bilder aus Überwachungskameras ermittelt werden.