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Die Liste der Vorwürfe ist lang, und die Vorwürfe wiegen schwer: Ein 57-Jähriger soll in Ostfriesland sieben Jungen von 1999 bis 2014 massiv sexuell missbraucht haben. Die Opfer, darunter auch zwei seiner Neffen, lebten meist als Pflegekinder bei ihm und seiner Frau. Die meisten Anschuldigungen wies der Angeklagte zurück.

Die Vorwürfe seien so massiv, dass er nicht auf jeden einzelnen eingehen könne, sagte der Deutsche am Donnerstag zu Beginn des Prozesses gegen ihn. "Ich muss zugeben, dass es ein oder zwei Fälle gegeben hat, wo ich voll meine Taten zugebe", räumte der in Krefeld geborene Mann aber auch ein.

Schwer erträgliche Details

Der Staatsanwalt ging in der Anklageverlesung auf jeden einzelnen Fall ein. Die Beschreibungen gingen ins Detail und waren für Zuhörer und vor allem für die anwesenden Betroffenen schwer zu ertragen. Der 57-Jährige habe seine Macht und Überlegenheit und die psychische und materielle Abhängigkeit seiner Schutzbefohlenen als Mittel genutzt, um diese gefügig zu machen. Er habe die Opfer auch mit Gewalt gezwungen. Zu den Übergriffen kam es laut Anklage bei unterschiedlichsten Gelegenheiten und an unterschiedlichen Wohnorten.

Das Paar wohnte in Aurich und in zwei weiteren Orten in Ostfriesland. Laut Staatsanwalt verging sich der Angeklagte an den Jungen in den Zimmern der Kinder, unter der Dusche, im Schwimmbad oder in einem Wohnwagen oder auch im gemeinsamen Griechenlandurlaub. Die Kinder waren zur Tatzeit unterschiedlich alt - mal fünf, mal neun oder zehn Jahre oder auch im Jugendlichen-Alter.

Vehemente Zurückweisung

Der Mann ist seit 1984 verheiratet, war lange bei der Bundeswehr und zeitweise am Standort Wilhelmshaven stationiert, wurde dann nach Köln versetzt, kam aber letztlich wieder mit seiner Frau zurück nach Ostfriesland. In Neuss (Nordrhein-Westfalen) nahm das Paar das erste Pflegekind auf, das aus Hilden kam, wie sich der Angeklagte erinnerte. "Das hat relativ gut geklappt und gute Erfolge gehabt, so dass wir fünf bis sechs Pflegekinder zur gleichen Zeit gehabt haben", sagte er. Mit seiner Frau betrieb er zwischenzeitlich eine Kneipe, später studierte er Sozialpädagogik, brach aber nach fünf Semestern ab.

Dass er sich an den Kinder in einer laut Staatsanwalt "nicht mehr feststellbaren Vielzahl" vergangen, ihnen gar Gewalt angetan habe, wies er vehement zurück: "Ich bin nicht aggressiv und werde auch nicht übergriffig oder sonst irgendwas." Zu den Fällen, die er einräumte, sagte er im Nachhinein: "Ich weiß nicht, was mich dazu getrieben hat." Er entschuldigte sich bei denen, die den Eindruck gehabt hätte, er hätte "irgendwelche sexuelle Bedürfnisse" befriedigt. "Das war in keiner Weise mein Wille."

Weiterer Prozess

Neben dem am Landgericht Detmold laufenden Prozess zum Kindesmissbrauch auf einem Campingplatz in Lügde in Nordrhein-Westfalen stehen nun auch bei der Verhandlung am Landgericht Aurich schwere sexuelle Vergehen gegen Kinder im Mittelpunkt. Im Gerichtssaal waren die mutmaßlichen Opfer des 57-Jährigen von damals teils als Nebenkläger vertreten und anwesend. Zwei von ihnen verließen während der Aussage des Angeklagten den Gerichtssaal. Eines seiner damaligen Pflegekinder, ein heute 29-Jähriger, wurde als erster Zeuge vernommen – unter Ausschluss der Öffentlichkeit. Der Prozess geht am 15. Juli weiter.