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Angesichts der unbefriedigenden Quote von Jugendlichen ohne Schulabschluss sehen die Bundesländer hohen Handlungsbedarf. "Die Kultusminister haben erkannt, dass diese Schülerinnen und Schüler, die meist aus schwierigen Familien stammen, besondere Begleitung und Unterstützung brauchen. Und sie setzen das auch um", sagte die Vorsitzende der Kultusministerkonferenz (KMK), Brunhild Kurth (CDU), der Deutschen Presse-Agentur in Berlin.

"Diagnosefähigkeit" des Lehrers

Auch bei diesem Thema vernetzten sich die Bildungsressorts und lernten voneinander. Alle Länder hätten sich auf den Weg gemacht, die Anzahl der Schulabbrecher zu verringern, etwa mit Praxisberatern oder Berufseinstiegsbegleitern an Schulen und dem Einbau von Praktika in schulische Laufbahnen. "So wollen wir bei diesen jungen Menschen überhaupt erst wieder die Motivation zum Lernen wecken", sagte Kurth. "Aber wir müssen da sehr viel Geduld haben." Wichtig sei zudem die "Diagnosefähigkeit" des Lehrers - denn der müsse frühzeitig erkennen, wo es Defizite gibt, und dann fachkundige Hilfe heranziehen.

Zu viele Jugendliche ohne Schulabschluss

In Deutschland beendet etwa jeder 20. Jugendliche (5,6 Prozent) seine Schullaufbahn ohne Abschluss, wie die Caritas diese Woche auf Basis des derzeit aktuellsten Zahlenmaterials für 2013 mitteilte. Damit droht Deutschland die beim "Bildungsgipfel" von 2008 angepeilte Halbierung der Quote von 8 auf 4 Prozent bis 2015 zu verfehlen. Zuletzt war eine Stagnation zu verzeichnen. Von Land zu Land waren die Zahlen 2013 sehr unterschiedlich - zwischen gut 4 Prozent (Bayern, Hamburg) und fast 10 Prozent (Mecklenburg-Vorpommern).

Ein besonderes Problem ergibt sich im Osten

Die Situation vor Ort wird laut Caritas durch strukturelle Unterschiede in den Ländern geprägt. Ein besonderes Problem ergibt sich im Osten mit dem immer noch hohen Anteil an Förder- oder Sonderschulen, der die Quote der Jugendlichen ohne Schulabschluss hochtreibt (Thüringen 6,9 Prozent, Brandenburg und Berlin je 7,7 Prozent, Sachsen 8,8 Prozent, Sachsen-Anhalt 9,1 Prozent, Mecklenburg-Vorpommern 9,6 Prozent). Kurth sagte der dpa: "Es geht darum, die Anzahl der Förderschulen zu senken und diese Schüler dort zu integrieren, wo es Sinn macht. Dann erhöhen wir auch die Zahl der Schüler mit einem Abschluss."

Großer sonderpädagogischer Förderbedarf

Für rund 500.000 Schüler besteht in Deutschland sonderpädagogischer Förderbedarf. Nach Schätzungen haben etwa drei Viertel davon am Ende ihrer Schulzeit keinen Hauptschulabschluss und finden daher nur schwer einen Ausbildungs- oder Arbeitsplatz. Als sächsische Bildungsministerin findet Kurth zwar im Grundsatz, dass Sonderschulen als «geschützter Raum» für manche Kinder weiterhin notwendig seien. Aber: "Wieviel Förderschule brauchen wir noch? Und wie werden dort Hauptschulabschlüsse erreicht - ohne Qualitätsabfall?"

Bildungsgerechtigkeit endlich umsetzen

Für Kurth geht es auch hier um die seit Jahren beschworene Bildungsgerechtigkeit. Und sie sieht den Bund ebenfalls mit im Boot, obwohl das Thema nicht in dessen unmittelbare Zuständigkeit fällt: "Der Bildungsföderalismus steht. Aber es gibt trotzdem hervorragende Möglichkeiten für die Bundesregierung, Programme aufzulegen. In punkto Berufs- und Studienorientierung haben wir auch Erwartungen an den Bund, in finanzieller oder struktureller Hinsicht."