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Jetzt ist der FC Bayern auch in der Champions League vom Erfolgskurs abgekommen. Der deutsche Rekordmeister verpasste beim dürftigen 1:1 (1:1) im Heimspiel gegen Ajax Amsterdam nicht nur den Sprung an die Tabellenspitze der Gruppe E, sondern zeigte auf der europäischen Fußball-Bühne dieselbe aktuelle Verwundbarkeit wie in der Bundesliga. Es war das dritte sieglose Pflichtspiel am Stück.

In der Nachspielzeit vergab Ajax mit einem krachenden Freistoß von Lasse Schöne, den Manuel Neuer an die Latte lenkte, den möglichen Siegtreffer. Nach einem Blitzstart mit dem Kopfballtor von Mats Hummels in der 4. Minute verlor das erfahrene Team von Trainer Niko Kovac die Linie. Die junge, vom ehemaligen Bayern-Amateure-Trainer Erik ten Hag betreute Ajax-Elf bestach am Dienstag mit feinem Tempofußball und glich vor den 70.000 Zuschauern in der ausverkauften Münchner Arena durch den Marokkaner Noussair Mazraoui aus (22.).

Amsterdam bleibt Tabellenführer

Ajax behauptete die Führung in der Tabelle mit vier Zählern vor den punktgleichen Bayern. Zu allem Überfluss musste Hummels in der Nachspielzeit auch noch nach einem Zusammenprall benommen vom Platz.

Nach dem Liga-Frust mit einem 1:1 gegen Augsburg und dem 0:2 in Berlin setzte Kovac gegen Ajax auf geballte Erfahrung in der Startelf - und Arjen Robben & Co. waren vom Anpfiff weg auf Wiedergutmachung aus. Vor allem der Niederländer war hochmotiviert. Während des furiosen Auftakts der Münchner setzte der Mittelfeld-Routinier zahlreiche Akzente. Ob Dribbling und Flanke auf Franck Ribéry (2.) oder typischer Schuss aus 25 Metern (3.) - Robben war an allen gefährlichen Situationen in der Anfangsphase beteiligt.

Hummels musste Rummenigge gehört haben 

So auch beim verdienten Führungstor, als Hummels nach einer präzisen Flanke des 34 Jahre alten Holländers völlig frei zum Kopfball kam und sein zweites Champions-League-Tor für die Bayern erzielte. "Es ist wichtig, dass wir sofort eine Reaktion zeigen und wieder in die Erfolgsspur zurückfinden", hatte Bayerns Vorstandschef Karl-Heinz Rummenigge kurz vor der Partie noch bei DAZN gefordert.

Doch dem perfekten Start folgte bald die Ernüchterung. Schon vor dem Gegentor ließen die Bayern die gleichen defensiven Schwächen erkennen, die sie sich auch in der Bundesliga zuletzt leisteten. In der Abwehr sorgte die eine oder andere Nachlässigkeit für Unruhe.

Respektlos und gekonnt zum Ausgleich

Dusan Tadic schoss über das Tor (17.), Hakim Ziyech prüfte erstmals Nationaltorwart Manuel Neuer (20.). Der niederländische Vizemeister schien nun den Respekt abgelegt zu haben und beeindruckte mit kreativem und technisch anspruchsvollem Fußball. Zum Ausgleich führte eine recht einfache Kombination. Mit einem Doppelpass narrten Tadic und Mazraoui die Münchner Abwehr und schlossen zum 1:1 ab.

Plötzlich war die Anfangssouveränität des deutschen Meisters geschwunden. Das Gegentor zeigte Wirkung, der FC Bayern präsentierte sich in dieser Phase nicht auf der Höhe seiner Schaffenskraft. Von Thiago und Thomas Müller gingen kaum Impulse aus, im Strafraum fehlten Zielstrebigkeit und Mut zum Abschluss. Kurz vor der Pause hätte Ajax sogar in Führung gehen können. Der starke Ziyech probierte es aus der Distanz, scheiterte aber am gut reagierenden Neuer (44.).

Die Gäste verschonen die Bayern

Trotz der dürftigen Darbietung wechselte Kovac zu Beginn der zweiten Hälfte nicht. Das Bild auf dem Rasen veränderte sich aber auch nicht. Ajax setzte nach, spielte mutiger und zeigte ein ganz anderes Tempo als die Bayern. Die Münchner hatten bei Chancen von Tadic (47.) und Nicolas Tagliafico (50.) Glück, nicht in Rückstand zu geraten.

Nach einer guten Stunde reagierte Kovac und brachte James Rodriguez für Robben. Das Angriffsspiel blieb aber erst einmal ungewöhnlich unstrukturiert, während die Gäste durchdachter nach vorne spielten. Donny van de Beek scheiterte nach Zuspiel von Tadic an Neuer (73.). Wenig später hatten dann auch die Bayern endlich wieder eine Chance. Der eingewechselte Serge Gnabry spielte James Rodriguez frei, doch Ajax-Keeper André Onana parierte reaktionsschnell (77.).