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Kindersitze: Billig = gefährlich

ADAC und Stiftung Warentest haben Autokindersitze unter 70 Euro getestet - mit erschreckendem Ergebnis. Über die Hälfte der getesteten Kindersitze waren mangelhaft.

23.10.2014 10:00 | 2:08 Min |

Kindersitze: Billig = gefährlich

Bei einem Unfall sollen sie die Kleinen schützen, aber was sind gute Kindersitze? Ist billig gleichzeitig auch gefährlich? Stiftung Warentest gibt die Antwort und liefert ein erschreckendes Ergebnis, denn oft leisten die Kindersitze nicht das, was sie sollen.

Wie lange braucht der Nachwuchs Kindersitze?

Bevor sich die Frage stellt, ob Kindersitze billig oder teuer sein müssen, klärt der Sat.1-Ratgeber darüber auf, wie lange Ihr Kind überhaupt in einem sitzen muss. Denn das ist klar in der Straßenverkehrsordnung geregelt. § 21 StVO schreibt vor: "Kinder bis zum vollendeten 12. Lebensjahr, die kleiner als 150 cm sind, dürfen in Kraftfahrzeugen auf Sitzen, für die Sicherheitsgurte vorgeschrieben sind, nur mitgenommen werden, wenn Rückhalteeinrichtungen für Kinder benutzt werden, die für das Kind geeignet sind (geeignet sind nur Systeme, die den Kriterien der ECE 44-03 oder ECE 44-04 entsprechen)."

Kindersitze: Billig = gefährlich
Bei einem Unfall sollte der Kindersitz Schutz bieten, auch an den Seiten. © png

So gefährlich können billige Kindersitze sein

Damit die Kleinen im Fall der Fälle wirklich gut geschützt sind, hat Stiftung Warentest sich angeschaut, was Kindersitze, die billig und deshalb sehr beliebt sind, an Schutzleistung bieten. Das Ergebnis der Crashtests ist teilweise erschreckend, denn statt Verletzungen zu verhindern, werden einige sogar durch die Kindersitze begünstigt. Getestet wurden Modelle, die im Handel für unter 70 Euro zu haben sind. Dabei fielen von zehn getesteten Kindersitzen sechs ganz klar durch. Im Sat1-Ratgeber-Clip sehen Sie die erschreckenden Aufnahmen der Crashtests bei 64 km/h.

Dabei fiel vor allem dieses Modell Stiftung Warentest extrem negativ auf: Nania Safety Paris SP. Diesen Kindersitz hat es beim Aufprall förmlich zerrissen. Dabei flogen lose Teile durch das Fahrzeug. Der Gurt konnte den Sitz nicht mehr richtig halten. Dadurch schlug der Dummy nach vorn. Das Urteil der Experten: Ein echtes Kind wäre mit Sicherheit gegen den Vordersitz geschleudert worden und hätte sich schwere Verletzungen zugezogen.

Bei anderen Varianten der Kindersitze, die billig zu kaufen sind, knickte die Kopfstütze durch den Aufprall ab, wie zum Beispiel beim Tiggo Bebehut. Modelle, die für größere Kinder gedacht sind, fielen durch ihren mangelnden Seitenschutz auf. Die Kindersitze rutschten nicht nur hin und her, sondern ließen den Dummy auch mit der Seitenpartie gegen die Fahrzeugtür prallen. Auch der Kopf wurde in Mitleidenschaft gezogen, da hier ebenfalls zu wenig Schutz geboten wurde und er so gegen Tür oder Fenster stieß. Ein erhebliches Risiko schon bei geringem Tempo.

Kindersitze: Billig = gefährlich
Bei teuren und billigen Modellen kommt es auch darauf an, dass das Kind richtig im Kindersitz sitzt. © png

Stiftung Warentest: Die schlechtesten Testergebnisse für Kindersitze

Damit Sie wissen, welche Billig-Kindersitze von Stiftung Warentest als mangelhaft eingestuft wurden, bietet der Sat.1-Ratgeber Ihnen eine Übersicht:

  • Der Nania Safety Paris SP für 44 Euro bekam die Gesamtnote 5,5. Er gilt als das gefährlichste Modell, da bei einem Aufprall wichtige Teile aus der Rückenlehne herausbrechen können.
  • Ein ähnlich schlechtes Ergebnis – ebenfalls mit der Note 5,5 – lieferte der Tiggo Bebehut für 36,50 Euro ab. Zwar sieht er gut gepolstert und robust aus, Stiftung Warentest fand allerdings heraus, dass es beim Tiggo erhebliche Mängel gibt.
  • Auch eine 5,5 erhielt United-Kids Alpha Deluxe für 28,50 Euro. Dieses Modell sollte eigentlich die Seiten- und Kopfpartie schützen, tut dies aber nur ungenügend.
  • Der United-Kids Kid Comfort ist mit seinen 48 Euro zwar eines der teureren Modelle unter den billigen Kindersitzen, wird aber ebenfalls als mangelhaft eingestuft.
  • United-Kids Kidstar für 38 Euro macht da keine bessere Figur und erhält als fünftes Modell die Note 5,5 von Stiftung Warentest.
  • Mit 4,7 schneidet der Nania Starter SP zwar in puncto Sicherheit etwas besser ab als seine Kollegen, doch für 42 Euro holen Sie sich hier einen mit Schadstoffen belasteten Kindersitz.

Sat.1-Ratgeber: Das sollten Kindersitze bieten

Wer auf Nummer sicher gehen will, der sollte sich laut Stiftung Warentest lieber in einem höheren Preissegment umschauen, und auf Kindersitze, die billig sind, besser verzichten. Sichere Modelle gibt es bereits ab 200 Euro. Aber was genau macht einen Kindersitz überhaupt sicher? Zum einen wäre da die Stabilität, damit nichts bricht, sollte es zu einem Unfall kommen. Zum anderen sollte der Sitz richtig vom Gurt und vom Eigengewicht des Kindes an Ort und Stelle gehalten werden. Rutscht er zu sehr zur Seite oder nach vorn, birgt das ein erhebliches Verletzungsrisiko. Beim Kauf sollten Sie daher auch auf die passende Gewichtsgruppe achten:

  • Gruppe 0: von Geburt bis max. 10 Kilo
  • Gruppe 0 plus: von Geburt bis max. 13 Kilo
  • Gruppe 1: von 9-18 Kilo
  • Gruppe 2: von 15 bis 25 Kilo
  • Gruppe 3: von 22 bis 36 Kilo

Die Gewichtsgruppen sind überschneidend. Der Umstieg zum nächstgrößeren Kindersitz sollte so spät wie möglich erfolgen.

Fazit: Kindersitze, ob billig oder teuer, sollten vor allem eines tun: Ihr Kind bei einem Unfall vor Verletzungen schützen. Stiftung Warentest fand heraus, dass Modelle unter 70 Euro dieser Aufgabe nicht gewachsen sind. Hier können bei einem Aufprall mit 64 km/h Teile herausbrechen oder aber der Sitz rutscht zu sehr. Wichtig ist, dass Sie beim Kauf darauf achten, dass der Kindersitz für das Gewicht ihres Kindes geeignet ist. Sichere Modelle gibt es ab 200 Euro. Mehr Infos bekommen Sie im Sat.1-Ratgeber-Clip.

Den ausführlichen Test gibt es hier: hier

Weitere Tests von Stiftung Warentest finden Sie auf:  www.test.de

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