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Burnout im Sport: mit Druck umgehen

Um Stress abzubauen und sich zu regenerieren, ist Sport bei Burnout beliebt. Doch gerade leistungsorientierte Sportler müssen sich vor Burnout schützen und dafür oft den Leistungsdruck verringern.

05.05.2012 12:57 | 3:34 Min | © mysporty

Sport gegen Burnout: Kein Allheilmittel

Wer der täglichen Belastung im Job entkommen möchte, sollte sich einen Ausgleich suchen. Häufig fällt die Wahl dabei auf Sport. Bei Burnout suchen Betroffene gerne die aktive, körperliche Betätigung und scheuen dabei keineswegs die Extreme: So geben Patienten bei der Burnout-Behandlung nicht selten an, erst nach einem 20 Kilometer langen Waldlauf zu spüren, wie die Anspannung langsam von ihnen abfällt. Allerdings ist es wichtig, die eigene Erholung nicht bloß im Sport zu suchen. So wichtig und effektiv körperliche Aktivität als Ausgleich von den Strapazen des Arbeitsalltags auch ist: Für den Stressabbau bei Burnout sollte Sport niemals als alleinige Lösung gewählt werden. Viele Beispiele aus dem Sport zeigen sogar, dass auch in diesem Bereich ein potentiell gefährlicher Leistungsdruck lauert.

Burnout durch Sport: Wer ist gefährdet?

Wer sich beim Sport immer bloß mit Höchstleistungen zufrieden gibt, durchläuft beim Ausbleiben des gewohnten Tempos eine schwierige Zeit. Das Burnout-Risiko erhöht sich. Im Leistungssport verhält es sich deshalb auch nicht anders als in jedem anderen Beruf. Insofern sind Sportler deshalb auch keineswegs häufiger von Burnout betroffen als andere Menschen, die ständig Höchstleistung zeigen wollen.

Viele Sportler sind an Burnout erkrankt

Von Sven Hannawald über Trainer Ralf Rangnick oder Torhüter Markus Miller: Persönlichkeiten aus der Welt des Sport stehen inzwischen immer öfter zu ihrer Burnout-Erkrankung. Das Medienecho ist enorm. Allerdings stimmt es nicht, dass Spitzensportler häufiger an Burnout leiden. Sie stehen ganz einfach im Fokus einer interessierten Öffentlichkeit. Falls sie sich wegen Burnout-Symptomen behandeln lassen, werden ihre Namen schneller publik.

In schlechtem Arbeitsklima steigt der Leistungsdruck

Je größer der Leistungsdruck, desto größer die Gefahr, an Burnout zu erkranken. Das ist nicht nur im Berufsleben der Fall, sondern auch im Profi-Sport. Anders als in anderen Berufen sind Profi-Sportler aber nicht bloß dem eigenen und dem Leistungsdruck ihres Chefs ausgesetzt. Die ehrgeizigen Ambitionen des Trainers, der Sponsoren oder des Verbandes kommen noch dazu und erschweren eine Prävention gegen Burnout. Im Hochleistungssport ist der Druck daher immens hoch. Viel Geld ist im Spiel, damit steigt auch die Erwartungshaltung. Spitzensportler üben ihre Leidenschaft längst nicht mehr unabhängig von fremden Ansprüchen aus, deshalb erkranken viele im Sport an Burnout.

Das Umfeld ist deshalb sehr wichtig: Meint es der Trainer gut mit mir? Kann er mich motivieren, ohne dass ich die Grenzen der Belastbarkeit dauerhaft übersteigen muss? Immer wieder berichten Spitzensportler davon, dass mit einem Wechsel des Trainers oder Managers auch der psychische Leistungsdruck abgefallen ist.

Erwartungen der Fans erhöhen das Burnout-Risiko

Die Medien und die eigene Fangemeinde steigern den Leistungsdruck und das Burnout-Risiko zusätzlich. Verschießt ein Nationalfußballer einen Elfmeter, leiden mit ihm Millionen von Fans. Der Leistungsdruck, der dadurch entsteht, ist für Außenstehende kaum nachvollziehbar. Fans wollen ihre Idole siegen sehen. Die Enttäuschung ist dementsprechend groß, wenn der Erfolg ausbleibt. Spitzensportler stehen heute in einem unglaublichen medialen Fokus. Die Boulevard-Presse schürt Erwartungen und schlachtet Misserfolge gnadenlos aus. Die Konsequenz: Der Leistungsdruck steigt ins Unermessliche und erhöht das Risiko, dass ein Burnout-Test ernste Probleme aufdeckt.

Leistungsdruck ist auch im Teamsport gefährlich

Einzelsportler kämpfen für sich allein. Sind Geldgeber und Verbände im Spiel, sind sie damit auch allein dem Leistungsdruck ausgesetzt. Doch auch im Teamsport ist der Leistungsdruck hoch, weil man seine Mitspieler nicht hängen lassen will. Oft wird eine Verletzung verschleppt und die eigene Gesundheit gefährdet. Je größer der Fokus, in dem ein Spitzensportler steht, desto größer auch die Gefahr, an Burnout zu erkranken.

Hochleistungssportler treiben ihren Körper bis zur Grenze der Belastbarkeit und oft auch darüber hinaus. Mit dem Anspruch, ständig Top-Ergebnisse zu bringen, steigt auch der eigene Leistungsdruck. Bleiben die angepeilten Resultate dann aus, kommt es schnell zu einem Burnout, der in Depressionen enden kann.

Leistungsdruck, Niederlagen und Burnout im Sport

Spitzensportler haben einen großen Vorteil: Sie achten meist trotz Leistungsdruck auf sich und ihren Körper und beugen Burnout dadurch vor. Sie können in der Regel leichter negative Signale wahrnehmen, die sonst übersehen werden. Droht etwa eine Erkältung, schonen Hochleistungssportler sich frühzeitig, während "Unsereins" sich weiter ins Büro quält und dann mit einer Grippe langfristig ausfällt. Der eigene Körper ist schließlich das Kapital jedes Spitzensportlers.

Gerade Spitzensportler kennen ihren Körper und wissen, zu welchen Topleistungen sie imstande sind. Wenn aber der Körper nicht mehr mitmacht und die eigene Leistungsfähigkeit nachlässt, wird der Sport zur Belastung: Das Burnout-Risiko steigt. Um den Leistungsdruck anzupassen, sollte jeder Sportler deshalb Position beziehen und für seine Rechte einstehen. Dabei ist es ratsam, selbst einzuschätzen, welche Ziele realistisch sind. Ganz wichtig: Mit Niederlagen umgehen lernen. Das heißt, sich nach Misserfolgen nicht abzuschotten, den bewussten Kontakt mit Vertrauten zu suchen und als Team zusammenzuhalten. All das stärkt das eigene Ich und das drohende Burnout wird bereits im Keim erstickt.

Geringere Leistungsfähigkeit im Sport - erhöhtes Burnout Risiko

Sinkt die Leistungsfähigkeit beim Sport, befinden sich Profis in einer schwierigen Situation: Hört man auf die Signale seines Körpers, fährt zurück und verändert seinen Trainingsplan? Oder setzt man den Sport und damit die Trainingsbelastung wie gewohnt fort? Bei den ersten Warnsignalen sollten Sportler unbedingt das Training herunterfahren, um so dem Burnout vorzubeugen.

Freizeitsport bietet mehr Alternativen

Wer den Sport nur in der Freizeit ausübt, hat es da deutlich leichter. Hobby-Sportlern kann es schon helfen, sich einen alternativen Sport zu suchen. Wenn ich als leidenschaftlicher Tennis-Spieler aufgrund einer Verletzung an der Hand nicht mehr länger spielen kann, muss das noch nicht das Ende der sportlichen Laufbahn bedeuten. Alternative Bewegungsmöglichkeiten und Sportarten, die auch zur Regeneration im Rahmen einer Burnout-Behandlung beitragen können, gibt es schließlich genug.

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