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Missbrauchsbeauftragter fordert Entschuldigung

Der entmachtete Kardinal

Es läuft derzeit nicht gut für Kardinal Gerhard Ludwig Müller, lange einer der wichtigsten deutschen Kirchenmänner. Erst entmachtet ihn Papst Franziskus im Vatikan. Dann kommt aus Deutschland Ungemach.

Im Missbrauchsskandal bei den Domspatzenhat der Missbrauchsbeauftragte der Bundesregierung eine Entschuldigung des früheren Regensburger Bischofs Gerhard Ludwig Müller gefordert.

"Es wäre den Betroffenen zu wünschen, dass er sich wenigstens jetzt für die verschleppte Aufarbeitung entschuldigen würde", sagte Johannes-Wilhelm Rörig, Unabhängiger Beauftragter für Fragen des sexuellen Kindesmissbrauchs am Mittwoch. "Unter dem damaligen Bischof Müller wurde eine umfassende, proaktive Aufarbeitung unter Einbeziehung von Betroffenen leider versäumt", sagte Rörig der Zeitung weiter.

Dem heutigen Kardinal Müller wurde bereits von Betroffenen vorgeworfen, die Aufklärung zu behindern. Müller hatte diesen Vorwurf zurückgewiesen. Auch der Abschlussbericht zur Aufklärung des Missbrauchskandals bei den Regensburger Domspatzen kommt zu dem Ergebnis, dass die Aufarbeitung mit erheblichen Schwächen behaftet gewesen sei. Dem Bericht zufolge wurden mindestens 547 Chorknaben Opfer von körperlicher oder sexueller Gewalt.

Der deutsche Kardinal Gerhard Ludwig Müller hingegen sieht die katholische Kirche im Fall von Kindesmissbrauch zu Unrecht so scharf kritisiert.

"Es ist offensichtlich, dass die katholische Kirche bei dem Thema härter angegangen wird, dass Priester a priori verdächtigt werden", sagte der 69-Jährige der Deutschen Presse-Agentur in Rom. "Es gibt Geistliche - Gott sei es geklagt - die solche Verbrechen begangen haben. Aber deshalb kann man nicht die anderen, nur weil sie auch Priester sind, kollektiv verdächtigen. Prozentual gesehen ist das mit Blick auf die Gesamtzahl der Geistlichen in der Welt sogar weniger als bei vergleichbaren pädagogischen Berufsgruppen - was die Straftat natürlich in keinster Weise entschuldigt und das Leiden der Opfer mindert", sagte er.

Müller stand fünf Jahre der Glaubenskongregation im Vatikan vor, die auch für die Aufklärung von Missbrauchsfällen zuständig ist. Papst Franziskus hatte Müllers Amt Anfang Juli überraschend nicht verlängert. Der ehemalige Regensburger Bischof wehrte sich gegen den Vorwurf, dass er bei der Glaubenskongregation die Aufarbeitung von Missbrauchsfällen behindert hätte.

"Die Kongregation hat trotz mancher Einmischungsversuche immer die Nulltoleranz-Linie vertreten."

Gegenüber katholischen Geistlichen gebe es wegen des Zölibats große Vorurteile, so Müller.

"Da wird gedacht, wenn jemand freiwillig enthaltsam lebt, muss er irgendwo seine Gefühle loswerden. Selbst wenn das stimmen würde, würde ein normaler Mensch die Beziehung zu einer Frau suchen und nicht zu einem Kind."

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