Schaben, Schimmel, Maden, Mäuse: Auch in den Jahren nach dem Müller-Brot-Skandal von 2012 haben Kontrolleure in bayerischen Bäckereien Hygienemängel entdeckt. Doch die Verbraucher erfuhren davon nichts, wie die Verbraucherschutzorganisation Foodwatch am Mittwoch bei der Vorstellung ihres neuen Reports kritisierte.

Die Organisation hatte über das Verbraucherinformationsgesetz Auskunft zu Kontrollen und Mängeln in acht bayerischen Großbäckereien erwirkt. Demnach ergaben 69 Kontrollen zwischen 2013 und 2016, dass es bei allen Betrieben Beanstandungen gab.

Drei Unternehmen schnitten besonders schlecht ab. Im "Feinen Weihnachtsgebäck" einer Großbäckerei entdeckten Kontrolleure Nagerkot, Haare und Fraßspuren. An anderer Stelle tropfte Kondenswasser auf Kuchen, in einem Raum schimmelte es. In einer anderen Bäckerei krochen Käfer durchs Mehl und hinterließen dabei ihre Spuren, ein Kotklümpchen eines Nagers war in ein Weizenbrötchen eingebacken. Im dritten Betrieb hausten in einer Krapfenanlage Schaben und Käfer.

Zwei der drei besonders betroffenen Bäckereien erklärten inzwischen, dass sie die Mängel umgehend beseitigt hätten. Man habe alle Beanstandungen der Kontrollbehörden unverzüglich abgestellt, teilte die schwäbische Bäckerei Ihle aus Friedberg bei Augsburg mit. "Wir möchten uns bei unseren Kunden für die Verunsicherung durch die Fälle in der Vergangenheit entschuldigen." Die Erlanger Bäckerei "Der Beck" mit rund 150 Filialen in der Region betonte, es sei nie verschimmeltes Brot an Filialen geliefert worden. Die Bäckerei Bachmeier aus dem niederbayerischen Eggenfelden kündigte für den Nachmittag eine Stellungnahme an.

Die Zustände seien sicher kein Einzelfall oder ein spezifisch bayerisches Problem, erläuterte Foodwatch. Ähnlich ekelerregende Missstände fanden die Kontrolleure immer wieder auch in anderen Bäckereien. "Bei amtlichen Lebensmittelkontrollen wird in Deutschland Jahr für Jahr etwa jeder vierte Betrieb beanstandet, vor allem aufgrund von Hygienemängeln", schreibt Foodwatch. Bekannt werden die Mängel in der Regel nicht.

"Lebensmittelkontrollen werden aus Steuergeldern finanziert, der Steuerzahler erfährt aber nicht, was dabei herauskommt", sagte Foodwatch-Experte Johannes Heeg dazu der "Süddeutschen Zeitung". Der Verbraucher habe aber ein Recht auf die Ergebnisse, "damit er dann selbst entscheiden kann, ob er in einem Betrieb weiter einkaufen will oder eben nicht".

Das nach dem Müller-Brot-Skandal reformierte Lebensmittelgesetz schreibt laut Foodwatch vor, dass größere Hygiene-Beanstandungen veröffentlicht werden müssen. Doch es sehe Ausnahmen vor und sei ungenau formuliert. Bei Veröffentlichungen drohten wiederum Klagen der betroffenen Unternehmen. Die Öffentlichkeit werde somit vielfach nur informiert, wenn eine Gesundheitsgefahr besteht.

Verantwortlich für den Inhalt:
Privatfernsehen in Bayern GmbH & Co. KG, Hollerithstraße 3, D-81829 München
vertreten durch die geschäftsführende Gesellschafterin:
Privatfernsehen in bayern Verwaltungs GmbH (persönlich haftend)
Handelsregister: Amtsgericht München, HRB 157767, USt.-IdNr.: DE 814453232
Kontakt: Tel. 089/204 007 0, E-Mail: info@sat1bayern.de
Datenschutzbeauftragte: Dagmar Krauß datenschutz@sat1bayern.de
Es gelten die Datenschutzbestimmungen von SAT1.de
Programmaufsicht: Bayerische Landeszentrale für neue Medien
Verantwortlich für den Inhalt: Alexander Stöckl, Chefredaktion: Alexander Stöckl, Harry Klein