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Hunderttausende Besucher tummeln sich in den engen Gassen der Altstadt, Lichter spiegeln sich im Wasser der Regnitz, es duftet nach gegrilltem Fisch und Zuckerwatte. Die Sandkerwa in Bamberg gehört zu den bekanntesten Volksfesten in Bayern. Entsprechend groß war die Aufregung, als die Ausrichter das Fest für dieses Jahr abgesagt haben - wegen finanzieller Risiken und wegen der immer höheren Anforderungen im Sicherheitsbereich. Die Stadt indes will das Fest unbedingt retten. Denn die Sandkerwa zieht auch zahlreiche Touristen und Tagesausflügler an.

Dazu muss man wissen: Die Sandkerwa wird organisiert von einem Bürgerverein, der dazu zwar eine GmbH gegründet hat. Doch die Verantwortung tragen Ehrenamtliche. Bei anderen großen Volksfesten im Freistaat ist das anders. In Erlangen etwa veranstaltet die Stadt die Bergkirchweih. Und auch das Münchner Oktoberfest liegt in der Hand der Kommune.

Dass die Stadt Ende August als Veranstalter einspringt, scheidet in Bamberg wohl aus. Die Namensrechte der Sandkerwa liegen beim Bürgerverein, das Verhältnis zwischen Verein und Rathaus gilt dem Vernehmen nach als nicht gerade eng - auch wenn Oberbürgermeister Andreas Starke (SPD) betont hat, man müsse nun die Meinungsverschiedenheiten der Vergangenheit beiseite schieben. Zudem herrscht im Stadtrat längst keine Eintracht in Sachen Sandkerwa.

Die Zeitung "Fränkischer Tag" zitiert CSU-Fraktionschef Harald Müller mit einem schonungslosen Urteil: "Die Sandkerwa ist eine Belustigung für das Prekariat. Niedere Schichten kommen zusammen, um sich zu besaufen." Weil diese Meinung vor allem in den sozialen Netzwerken zu großer Empörung führte, beeilte sich die Bamberger CSU zu versichern: "Für uns ist die Sandkerwa eine wichtige Kirchweih."

Am vergangenen Dienstag hatte sich OB Starke mit den Veranstaltern getroffen, man kam jedoch zu keinem Ergebnis. Am Montag will man weiterreden, bis dahin ist Zurückhaltung aller Beteiligten vereinbart worden.

Aber noch steht die offizielle Aussage des Bürgervereins - und die lautet: Absage. Der Bamberger Sandkerwa ist damit wohl ihr eigener Erfolg zum Verhängnis geworden. Gemütlichkeit und Idylle lassen sich eben nur schwer wahren, wenn an den Kerwatagen immer mehr Gäste in die historische Altstadt drängen und es an den Vormittagen nach den Kirchweihnächten übel nach Urin riecht. Gerade die Einheimischen beklagten in den vergangenen Jahren den immer größer werdenden Trubel und die Kommerzialisierung der Kerwa.

Zugleich sorgten die erhöhte Terrorgefahr in Deutschland und Ängste vor einer Massenpanik wie etwa bei der Duisburger Loveparade 2010 immer wieder für Diskussionen um neue Sicherheitsvorkehrungen: Einen Zaun ums Festgelände? Kaum machbar in den engen Gassen, denn schließlich gibt es im Sandgebiet auch ganz normale Geschäfts- und Wohnhäuser.

Man habe sich gezwungen gesehen, "hier eine Reißleine zu ziehen", sagte unlängst Gisela Bosch, Vorsitzende des Bürgervereins. "Wir als Veranstalter tragen die Haftung für die Veranstaltung."

In den vergangenen Jahren sei viel in die Sicherheit investiert worden, betonte Bosch. Die Einnahmen hätten dies nicht kompensieren können. Man wollte heuer nicht wieder ins Minus rutschen.

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