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Kinderambulanz bearbeitete bisher 2.000 Fälle

Kinderambulanz

Ein Kind mit einem großem Bluterguss und die Frage: Ist das Kind wirklich gestürzt oder war es Missbrauch?

15.11.2017 13:16 Uhr
Missbrauch_Junge
Symbolbild

Seit ihrer Gründung vor sechs Jahren hat die bayerische Kinderschutzambulanz rund 2.000 Verdachtsfälle von Kindesmissbrauch bearbeitet. Ärzte und Jugendämter aus ganz Bayern könnten sich bei Verdacht auf Misshandlung und Missbrauch von Kindern und Jugendlichen telefonisch, online oder auch persönlich an die Ambulanz wenden, erklärte Leiterin Elisabeth Mützel am Mittwoch in München.

Experten begutachten die Verletzungen

Anhand von Fotos beurteilen Experten Verletzungen, erstellen Gutachten und untersuchen die jungen Patienten. "Wir haben pro Jahr über 60 Fälle an körperlichen Untersuchungen", bilanzierte Mützel. Die Einrichtung ist am Rechtsmedizinischen Institut der Ludwig-Maximilians-Universität in München angesiedelt. Bayerns Familienministerin Emilia Müller erklärte, dass die Ambulanz in der Form einmalig in Deutschland sei, und zeigte sich sehr zufrieden mit der Arbeit. "Wir werden auch die nächsten vier Jahre die Kinderschutzambulanz mit 1,7 Millionen Euro unterstützen", sagte Müller. 

Hilfetelefon

Über das Hilfetelefon ist für Betroffene von sexueller Gewalt, Angehörige oder für andere Personen aus ihrem sozialen Umfeld. Der Anruf ist kostenfrei und selbstverständlich anonym. Hilfetelefon: 0800-22 55 530

Wie arbeitet die Kinderschutzambulanz?

Anhand von Fotos beurteilt das Ambulanzteam Verletzungen, erstellt Gutachten und untersucht die jungen Patienten gegebenenfalls auch. "Wir haben pro Jahr über 60 Fälle an körperlichen Untersuchungen", erklärt Mützel. Die Dokumentation der Verletzungen erfolge standardisiert - in Wort und Bild. "Quasi gerichtsverwertbar, weil wir nicht wissen, wie es hinterher weitergeht." Entweder gehe es zum Familien- oder zum Strafgericht. Was am Ende aus den Fällen werde, könne aus datenschutzrechtlichen Gründen nicht weiterverfolgt werden.

Was für Fälle werden bearbeitet?

Pro Tag kümmern sich die Medizinier vom Ambulanzteam durchschnittlich um einen Fall. Sie beurteilen zum Beispiel, ob Babys heftig geohrfeigt wurden oder nur heftig gegen die Badewanne gestoßen sind - oder wie Verletzungen in Intimbereich zustande gekommen sind. "Wir sind nicht da, um irgendjemanden in die Pfanne zu hauen. Sondern wir wollen objektiv und neutral beurteilen, weil nur das dem Kind weiter hilft", sagt Mützel. (dpa)

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