15 Dinge

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15 Dinge

Wie ist das Leben mit Sexsucht?

Folge 3 Staffel 1

Kerstin ist süchtig nach Sex - und spricht ganz offen darüber.

04.01.2017 22:30 | 6:35 Min | © Sat.1

Was versteht man unter Sexsucht?

Dabei fällt es selbst Medizinern nicht leicht, Sexsucht als solche zu diagnostizieren. Wer viel und gern Sex hat, ist nämlich natürlich nicht automatisch sexsüchtig. Und doch gibt es diese Krankheit tatsächlich. Inzwischen wird Sexsucht, auch als Hypersexualität bezeichnet, von Fachleuten dann diagnostiziert, wenn die Sexualität des Betroffenen den Alltag dominiert und vieles andere dahinter zurückbleibt. Familie, Freundschaften, Beruf – wie bei jedem Abhängigen rücken auch bei Sexsüchtigen diese wichtigen sozialen Faktoren in den Hintergrund und ihre Sucht bestimmt ihr Leben.

Sexsucht wird schon seit vielen Jahren erforscht, bereits im ersten Drittel des 19. Jahrhunderts benannten französische Forscher dieses Phänomen als Erotomanie; umgangssprachlich wird die Hypersexualität bei Männer auch als Satyriasis und bei Frauen als Nymphomanie bezeichnet – abgeleitet von Satyr und Nymphe aus der griechischen Mythologie.

Sexsucht legt sich nicht auf spezielle sexuelle Handlungen fest, doch in der Regel geht es um den Versuch, so oft wie möglich Befriedigung Mensch zu Mensch.

Sexsucht – Therapie und Umgang mit der Krankheit

Gern und häufig Sex zu haben, ist gesund. Wissenschaftler konnten belegen, dass regelmäßige Orgasmen den Körper vitalisieren, trainieren und die Psyche stimulieren. Als After Glow wird der Zeitraum nach dem Orgasmus bezeichnet, in dem Körper und Psyche noch von der Befriedigung zerren. Bis zu zwei Tage kann er andauern und sich äußerst positiv auf die Befriedigten auswirken.

Bei Sexsüchtigen läuft das anders ab: Entweder wird der Punkt der Befriedigung gar nicht erst erreicht oder er hält nach Meinung des Süchtigen viel zu kurz an. Ständiges Begehren ist die Folge und alle Gedanken kreisen permanent um die Droge Sex. Ob bei der Arbeit, im Unterricht oder beim Smalltalk mit dem Nachbarn – Sex beherrscht alles Denken und Fühlen und hindert die Betroffenen daran, ungehemmt mit anderen Personen umzugehen. Es gibt keine körperlichen Entzugserscheinungen und trotzdem herrschen diese Gedanken stets vor. Mediziner sprechen daher eher von einem Zwangsverhalten oder einer Impulskontrollstörung als von einer Sucht, bestätigen jedoch. Professionelle Hilfe ist dennoch notwendig.

Wer glaubt, betroffen zu sein, kann Hilfe finden. Jeder Arzt ist an die Schweigepflicht gebunden und so kann bereits der Hausarzt zu Rate gezogen werden. Eine Überweisung zu einem Therapeuten wird in Regel die Antwort sein und je nach Ausrichtung der Sexsucht, kann mit unterschiedlichen Verhaltenstherapien diese Störung gelindert, geheilt oder umgelenkt werden. Heilung bedeutet in diesem Fall allerdings nicht Sexentzug oder gar vollständige Enthaltsamkeit, vielmehr soll ein kontrollierter Umgang mit der eigenen Sexualität erlernt werden.

Leben mit Hypersexualität – die Sexsucht dominiert

Wie im Video gezeigt, kann man sich mit der Sexsucht arrangieren. Doch nicht jedem gelingt es so gut wie Kerstin aus der Reportage, die Sucht zu befriedigen und dabei ein relativ normales Leben zu führen. Wer ausschließlich an Sex und sexuelle Befriedigung denkt, klassifiziert seine Mitmenschen primär nach potentiellen oder auszuschließenden Sexualpartnern. Denkt man Tag für Tag darüber nach, mit dem Kollegen, dem Chef oder dem Kunden zu schlafen, so ist ein normales Miteinander schwer aufrecht zu erhalten.

Auch monogame Beziehungen zu führen, fällt Sexsüchtigen häufig schwer. Sexsüchtige Männer finden ihre Befriedigung häufig bei ständiger Masturbation sowie beim Ansehen pornografischer Bilder oder Videos. Aber natürlich ist die Versuchung auf ein schnelles Vergnügen außerhalb einer möglichen festen Beziehung groß. Sex als Belohnung, Sex als Angstlöser, Sex als Antwort auf alle im Alltag auftretenden Probleme. Damit stagniert die Entwicklung der Persönlichkeit; Konfrontationen und Lösungsstrategien werden weder gesucht noch entwickelt.

In der Regel leidet bei Sexsüchtigen über kurz oder lang das Leben unter der Sucht. Arbeitsplätze werden verloren oder selbst gekündigt, Beziehungen zerbrechen aufgrund des ständigen Fremdgehens und Freunde und Familie ziehen sich zurück, da sie die Reaktionen, Gefühle und Gedanken des Süchtigen weder verstehen noch nachvollziehen können. Besonders Frauen wird dieses Verhalten in unserer Gesellschaft übelgenommen, sie werden als Nymphomanin oder promiskuitiv bezeichnet – und das im negativen Sinne der Worte.

Es gibt unterschiedliche Gründe, warum Menschen übermäßigen Sex haben. Im besten Falle sind sie einfach nur verliebt. Sollte jedoch dieses Verlangen langfristig den Alltag vollständig dominieren, ist der Weg zum Arzt angeraten.