Wer eine Straftat beobachtet hat, sollte sich unbedingt der Polizei als Zeuge zur Verfügung stellen. Wenn die Tat dann vor dem Richter verhandelt werden soll, kann es sein, dass man als Zeuge geladen wird. Aber welche Rechte und Pflichten hat ein vom Gericht geladener Zeuge? Wer als Zeuge vor Gericht aussagen soll, ist gesetzlich verpflichtet zu erscheinen. Auch wenn schon vor der Polizei oder der Staatsanwaltschaft eine Aussage gemacht wurde, besteht diese Pflicht, denn der Richter muss sich ein eigenes Bild vom Tathergang machen können. Nur wer triftige Gründe für sein Nichterscheinen vorlegen kann, kann sich für die Verhandlung entschuldigen, dies muss man als Zeuge dem Gericht aber rechtzeitig mitteilen. Bei der Aussage ist der Zeuge zur Wahrheit verpflichtet. Er kann auch vereidigt werden. Die Aussage kann nur verweigert werden, wenn der Zeuge mit dem Täter verwandt, verlobt, verheiratet oder verschwägert ist oder sich selbst oder einen Angehörigen durch die Aussage belastet. Zeuge kann jeder werden, der etwas wahrgenommen hat, was in dem gerichtlichen Verfahren von Bedeutung sein könnte. Auch Kinder und Geisteskranke können als Zeugen berufen werden. Auslagen wie Verdienstausfall, Fahrkosten und andere nötige Mehraufwendungen werden dem Zeugen erstattet.

Hättest du es gewusst? Im sogenannten NSU-Prozess, der seit Mai 2013 in München verhandelt wird, hat die Bundesanwaltschaft vor Prozessbeginn 606 Zeugen und 22 Sachverständige benannt.