Der Grat zwischen Selbstjustiz und Notwehr ist schmal. Als Selbstjustiz bezeichnet man das gesetzlich nicht befugte Vorgehen gegen eine Straftat oder eine andere ungerecht empfundene Handlung. Dadurch wird das Gewaltmonopol des Staates missachtet und ist somit strafbar. Notwehr ist dagegen dann gegeben, wenn ein gegenwärtiger Angriff gegen das eigene Leben, die Freiheit, die Ehre oder das Eigentum stattfindet. Der Angriff ist gegenwärtig, wenn die Bedrohung unmittelbar bevorsteht. Die Notwehr darf sich nur gegen den Angreifer richten. Notwehr ist kein strafbares Unrecht. Ist die Tat geplant, werden also Vorkehrungen gegen einen vermuteten Übergriff getroffen, tritt der Tatbestand der Selbstjustiz in Kraft.

Hättest du es gewusst? Notwehr ist der häufigste Grund für deutsche Polizisten von ihrer Schusswaffe Gebrauch zu machen. Polizisten in Deutschland haben im vergangenen Jahr acht Menschen mit ihrer Dienstwaffe erschossen und 20 durch Kugeln verletzt. Seit 1998 wurden in Deutschland 109 Menschen von Polizisten erschossen.