Richterin Barbara Salesch

Im Gespräch mit der Marler Gruppe am 1.7.2002 äußerte sich Barbara Salesch zu Gerichtsshows

Barbara Salesch im Interview

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© SAT.1/Stefan Menne

Die Marler Gruppe ist eine Arbeitsgemeinschaft der Marler Volkshochschule, die im Rahmen des Adolf-Grimme-Fernseh-Preises die Laien-Jury stellt und mich gebeten hat, ihre Fragen zu Gerichtsshows zu beantworten:

Welche Zielgruppe wollen Sie ansprechen? Hat die zeitliche Platzierung der Sendung auch etwas mit der Zielgruppe zu tun?

Mit unserer Sendung sprechen wir alle Zuschauer an, egal welches Alter. Natürlich werden um 15 Uhr andere Fälle verhandelt als zum Beispiel um 20.15 Uhr mit den beiden Spezialsendungen, die Verhandlungen vor dem Schwurgericht gezeigt haben. Meine Sendung ist von Anfang an ausgeprochen ausgeglichen gewesen, was die Zuschaueranteile betrifft. Die Quoten z.B. von gestern (27.6.2002) waren 28,4 % Marktanteil der Zuschauer ab 3 Jahren und 30,4 0er Zielgruppe 14-49 Jahre. Darauf lege ich auch großen Wert und versuche, die Fälle so abwechslungsreich wie möglich zu gestalten, damit für alle Interessantes dabei ist.

Wollen Sie mit diesem Format aufklären und unser Rechtssystem den Zuschauern etwas näher bringen?

Auch. Ich versuche, den Zuschauern auf eine informative, leicht zu verstehende und unterhaltsame Art Recht und Justiz näher zu bringen. Der Präsident des Bundesgerichtshofs hat in einer Fachzeitschrift auf die Frage, ob Sendungen wie z.B. Richterin Barbara Salesch oder Streit um drei der Justiz etwas bringen geantwortet: „Ich finde, das bringt etwas. Ich finde, das ist eine gute Idee, dass die Justiz auf diese Art nicht nur transparent wird, sondern auch die eigenen Mechanismen erläutert. Viele Leute waren nie in einem Gerichtssaal. Wenn man das erste Mal als Zeuge zu Gericht geht, ist dies eine ganz schwierige Angelegenheit, da müssen Hemmschwellen überwunden werden. Mit solchen Sendungen wird die Justiz den Bürgern näher gebracht, sie verstehen dann besser, mit welchen Schwierigkeiten die Richter, etwa bei unklarer Beweislage, fertig werden müssen.“

Warum Gerichts-Shows ? Gab es im Vorfeld der Formatentwicklung Recherchen, die ein Zuschauerinteresse für Gerichts-Shows erkennen ließen?

Warum nicht? Gerichtssendungen interessieren die Zuschauer, genau wie Krimis. Das zeigt ein Blick in die Programmzeitschriften von Beginn des Fernsehens an. Gisela Marx, filmpool, Film- und Fernsehproduktion GmbH Köln, die Produzentin der Sendung, hat die Idee, echte zivilrechtliche Fälle zu zeigen, aus Amerika mitgebracht. Von September 1999 bis September 2ooo habe ich als Schiedsgericht Richterin Barbara Salesch als erste und einzige Gerichtssendung im deutschen Fernsehen echte zivilrechtliche Fälle mit den echten Verfahrensbeteiligten verhandelt. Mein Schiedsgericht war ein unabhängiges Gericht, dessen Verhandlungen von filmpool aufgezeichnet und auf 30 Minuten verkürzt auf SAT 1 von 18. bis 18.30 Uhr gezeigt wurden. Die Urteile waren rechtskräftig. Das „Fernseh-Verhalten“ ist in Deutschland aber nicht mit dem in Amerika zu vergleichen. Das zivilrechtliche Schiedsgericht hat sich auf Dauer nicht durchsetzen können. Daraufhin wurde das Format geändert. Seit Oktober 2000 zeigen wir Verhandlungen in Strafsachen. Strafrecht interessiert den Zuschauer auf Dauer einfach mehr als Zivilrecht, übrigens genau wie z. B. Zeitungsleser. Da es (m.E. aus guten Gründen) gesetzlich verboten ist, echte Strafverfahren aufzuzeichnen werden seitdem die Fälle geschrieben.

Ist unsere Vermutung falsch, dass die Gericht-Shows das nachlassende Interesse an Talk-Shows auffangen sollten?

Uns wurde damals als neue Sendezeit für ein Strafgericht von SAT 1 nur 15-16 Uhr angeboten, denn um 18 Uhr hatten wir nur 30 Minuten und das war zu kurz. An anderer Stelle war keine Stunde frei. Wir haben daraufhin für diese Stunde ein eigenständiges und neues Format konzipiert, das einen ungeahnten Erfolg hat. Dass dann ein sehr erfolgreiches Format ausgebaut und auch von anderen Produktionen übernommen wird, ist nicht neu, nehmen Sie die Vielzahl von Krimis oder Quiz-Shows.

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