Richterin Barbara Salesch

Im Gespräch mit der Marler Gruppe am 1.7.2002 äußerte sich Barbara Salesch zu Gerichtsshows

Barbara Salesch im Interview - Teil 2

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© SAT.1/Stefan Menne

Sind die behandelten Fälle real oder fiktiv?

Im Schiedsgericht Richterin Barbara Salesch habe ich echte zivilrechtliche Fälle entschieden. Seit der Umstellung des Formats auf Verhandlungen in Strafsachen werden die Fälle von Autoren oder unserer Redaktion in Zusammenarbeit mit Juristen geschrieben. Die Grundlagen für die Fälle werden zumeist der Tagespresse oder Fachzeitungen entnommen und diese Fälle werden dann so abgeändert und aufbereitet, daß sie in der zur Verfügung stehenden Zeit verhandelt werden können.

Gibt es Vorlieben für bestimmte Fallinhalte?

Entscheidend ist die Abwechslung. Es ist ein tägliches Format. Ich habe vor 2 Wochen die 800ste Strafsache verhandelt. Wir zeigen Fälle, die die Menschen berühren und interessieren, es sind z.B. spannende, traurige oder dann wieder komische Fälle, Fälle die schwere Kriminalität zeigen, oder nur einfaches Fehlverhalten oder Unfälle und sie zeigen, welche Hintergründe und Motive die Personen hatten oder wie zufällig alles zusammen gekommen ist. Die Fälle sind so bunt wie das Leben.

Bei den öffentlich-rechtlichen und privaten Sendern gibt es Gericht-Shows. Machart und Sendeplatz ähneln sich. Welche Elemente nutzen Sie, damit Ihre Gerichts-Show unverwechselbar wird?

Ich verhandele auf meine persönliche Art und Weise, wie ich es in meinen 20 Jahren als Richterin in Hamburg getan habe. Es ist keine Schauspielerei. Ich versuche immer, unsere juristische Fachbegriffe in eine allgemeinverständliche Sprache zu übersetzen. Die Fälle werden – trotz aller fernsehnotwendigen Vereinfachung so realistisch wie möglich dargestellt. Ich lasse allen Beteiligten einen großen Spielraum, damit vieles und viele zu Wort kommen, manchmal alle gleichzeitig, aber gebe dabei nie die Verhandlungsführung auf.

Sind die Richter, Anwälte und Verteidiger Profis?

Alle juristischen Rollen werden von Volljuristen übernommen, die hauptberuflich als Rechtsanwälte tätig sind. Ich selbst bin Vorsitzende Richterin am Landgericht in Hamburg und für die Dauer der Sendung beurlaubt.

Wählen Sie die Anwälte und Verteidiger gezielt für einen Fall aus oder melden sich die Anwälte und Verteidiger bei Ihnen?

Unser Juristen-Team besteht aus zwei Rechtsanwälten in der Rolle des Staatsanwaltes und fünf weiteren Rechtsanwälten in der Rolle der Verteidiger(in). Die Einsatztermine werden weit im voraus besprochen und individuell zugeteilt, je nach den beruflichem Verpflichtungen der Anwälte und unabhängig von den Fällen. Es ist inzwischen ein gut eingespieltes Team.

Es bewerben sich aber auch immer wieder weitere Juristen.Sind die Angeklagten und Zeugen Schauspieler oder Laien?

Angeklagte und Zeugen werden in aller Regel von Komparsen, also von Laiendarstellern gespielt. Jeder der eine Rolle in unserer Sendung übernehmen möchte, kann sich bei uns bewerben. Wir haben eine eigene Casting-Abteilung.

Nach welchen Kriterien wählen Sie aus?

Der Darsteller muss zu seiner Rolle passen.

Improvisieren die Darstellern die Fälle, oder gibt es sehr eng gefasste Monologe an Hand eines Drehbuchs?

Zu jedem Fall gibt es ein Dossier. Alle Protagonisten bereiten sich auf ihre Rollen vor, aber niemand lernt einen Text auswendig. Jeder spricht seine eigene Sprache, zu der Rolle passend. Das gelingt den Komparsen in einer mich immer wieder faszinierenden Art und Weise, die viel dazu beiträgt, die Fälle autentisch erscheinen zu lassen. Es wird auch viel improvisiert. Und das macht das ganze auch für uns immer wieder so spannend. Die Urteile fälle ich erst am Ende der Verhandlung, angepasst an die Beweisaufnahme, wie sie eben stattgefunden hat und in der Höhe, wie ich sie auch bei einem vergleichbaren Fall “in echt” ausgesprochen hätte.

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