Annalena Baerbock - Die Frau, die Angela Merkel beerben will

Mit 40 Jahren ist Annalena Baerbock die bisher mit Abstand jüngste Kandidatin fürs Kanzleramt. Die Kanzlerkandidatin der Grünen bezieht auch bei schwierigen Themen klar Stellung.

Seit 2018 herrscht an der Spitze der Grünen Harmonie: Annalena Baerbock und Robert Habeck bilden als Bundesvorsitzende ein Duo, unter dem die Grünen bei Landtagswahlen und in Umfragen immer weiter zulegen konnten. Jetzt ist sogar die Kanzlerschaft im Blickfeld – und erste Kanzlerin der Grünen soll Baerbock werden. Die 40-Jährige einigte sich mit Habeck, wer die Partei in den Bundestagswahlkampf führen soll.

Auch hier wieder: Harmonisch – ganz im Gegensatz zu der Konkurrenz bei der Union, wo Armin Laschet und Markus Söder durch ihren Streit für massive parteiinterne Unstimmigkeiten sorgten. Dabei ist gerade die Union der Gegner, den die Grünen übertrumpfen und erstmals stärkste Kraft in Deutschland werden wollen.

Zwar gilt bei den Grünen das weibliche Erstzugriffsrecht: Wenn ein Mann und eine Frau um einen Posten konkurrieren, darf die Frau sich als Erste entscheiden und sich so den Posten sichern. Allerdings verwiesen Baerbock und Habeck gleichermaßen darauf, dass das Geschlecht nicht das einzige Entscheidungskriterium sei.

Steile Karriere in der Politik

Und so ist die Entscheidung, Baerbock als mögliche Nachfolgerin von Bundeskanzlerin Angela Merkel zu nominieren, ein starker Kontrast zu der Konkurrenz bei Union und SPD. Im Gegensatz zu Olaf Scholz und Armin Laschet/Markus Söder ist Baerbock deutlich jünger und auch noch nicht so lange in der Politik.

Im Alter von 25 Jahren tritt Baerbock 2005 den Grünen bei, nach vier Jahren ist sie bereits Landesvorsitzende in Brandenburg. 2013 schaffte sie den Sprung in den Bundestag und engagiert sich als klimapolitische Fraktionssprecherin. So fordert sie schnelles Handeln in der Klimakrise, möchte erneuerbare Energien ausbauen und mehr saubere Autos auf die Straßen bringen.

In der Corona-Pandemie legte die Mutter von zwei Mädchen immer wieder den Fokus auf Familien- und Bildungspolitik. Baerbock plädierte für Konzepte zum Schulunterricht und eine bessere Kita-Betreuung.

Ohne Regierungserfahrung ins Kanzleramt?

Vor allem aber scheut sie sich nicht, auch zu Sicherheitspolitik Stellung zu beziehen – ein schwieriges Themengebiet für die Grünen. Das musste schon Joschka Fischer erfahren, als er als Außenminister einen Einsatz der Bundeswehr in Afghanistan befürwortete. Baerbock spricht sich dafür aus, mehr Geld in die Ausrüstung der Bundeswehr zu investieren und die Ausgaben vor allem effizienter zu machen. Zudem ist sie bereit, mit Frankreichs Präsident Emmanuel Macron über dessen Forderung zu sprechen, die europäische Verteidigungspolitik auszubauen und auch europäische Militäreinsätze im Ausland zu ermöglichen.

Mit Joschka Fischer waren die Grünen das bisher einzige Mal in der Bundesregierung – damals als Koalitionspartner der SPD. Jetzt möchten die Grünen selbst die Kanzlerin stellen. Baerbock wäre dabei eine Premiere – denn noch nie zog eine Politikerin und ein Politiker ohne jede Regierungserfahrung ins Kanzleramt ein. Die studierte Politologin und Juristin verwies im Interview mit "Bild am Sonntag" im Dezember allerdings darauf, dass das Amt für jeden Kandidaten Neuland sei: "Niemand ist als Kanzler vom Himmel gefallen."

Alle Infos zu den weiteren Bundeskanzlerkandidat:innen:

Armin, LaschetOlaf Scholz

Teste dein Wissen: Wie gut kennst du Annalena Baerbock?