Armin Laschet - Der natürliche Nachfolger von Angela Merkel

Er gilt als unscheinbar und liberal – und wird gemeinhin unterschätzt. Für Armin Laschet war der Kampf um die Kanzlerkandidatur der Union gegen Markus Söder schwierig, aber er hat erneut bewiesen, wie durchsetzungsstark er sein kann. Doch im Wahlkampf warten große Herausforderungen auf den Ministerpräsidenten aus Nordrhein-Westfalen.

In der Corona-Pandemie vermittelten manche Pressekonferenzen führender Politiker den Eindruck, es gehe nicht um den Kampf der Politik gegen das Virus, sondern vor allem um ein Duell: Armin Laschet gegen Markus Söder. Bei der Frage nach dem Kanzlerkandidaten der Union hat sich letztlich der CDU-Vorsitzende Laschet durchgesetzt – sein nächstes Ziel ist das Kanzleramt in Berlin.

Dabei hatte sich in der Corona-Pandemie die Ausgangslage für den liberalen Laschet eigentlich eher verschlechtert. Der 60-Jährige aus Aachen führte sein Bundesland Nordrhein-Westfalen eher schlingernd als zielgerichtet durch die Krise. Schon im ersten Lockdown im Frühjahr 2020 forderte er sehr früh wieder Öffnungen – und setzte diese bei Gartencentern auch durch. Das brachte ihm Kritik vom "Team Vorsicht" ein, also von seinem bayerischen Kontrahenten Markus Söder, aber auch von Bundeskanzlerin Angela Merkel.

Zwar machte auch Söder Fehler rund um die Maßnahmen zur Bekämpfung des Virus – seine Umfragewerte allerdings stiegen deutschlandweit. Während Söder mit seinen forschen, von Selbstsicherheit teilweise schon in Arroganz umschlagenden Auftritten zumindest den Eindruck erweckte, die Lage im Griff zu haben, wirkte Laschet des Öfteren nervös und unsicher. Der CDU-Politiker wurde unterschätzt – nicht zum ersten Mal in seiner politischen Karriere.

Zwar ist Laschet schon seit 1989 in der Politik aktiv, für die großen Ämter schien er aber zunächst nicht in Frage zu kommen. In den 1990er Jahren saß er mit dem Direktmandat seiner Heimatstadt Aachen für eine Legislaturperiode im Bundestag. 2005 wurde er in der NRW-Landesregierung von Jürgen Rüttgers der erste Integrationsminister des Landes. Nach fünf Jahren musste er sein Amt wieder abgeben – die SPD hatte die Landtagswahl gewonnen.

Von Nordrhein-Westfalen aus nach Berlin?

Laschet, der mit seiner 1985 geheirateten Frau Susanne in der gemeinsamen Heimatstadt Aachen lebt, machte erst 2017 den ersten großen Schritt für seine Kanzlerkandidatur der Union. Nach sieben Jahren SPD-Regierung unter Hannelore Kraft gewann Laschet die Landtagswahlen in Nordrhein-Westfalen und führt das bevölkerungsstärkste Bundesland in einer Koalition mit der FDP.

Als Bundeskanzlerin Merkel im Oktober 2018 ankündigte, bei der Bundestagswahl 2021 nicht mehr anzutreten, galten in der CDU zunächst vor allem Jens Spahn, Friedrich Merz und Annegret Kramp-Karrenbauer als mögliche Nachfolge-Kandidaten. Erst als im Laufe der Zeit seine Konkurrenz schwächelte, konnte Laschet den nächsten wichtigen Schritt Richtung Kanzleramt gehen: den CDU-Vorsitz übernehmen.

Im Januar 2021 wurde in einem wegen der Corona-Pandemie zunächst verschobenen Parteitag über den neuen CDU-Vorsitzenden entschieden. Zur Wahl standen Friedrich Merz, Norbert Röttgen und eben Laschet. Der Aachener galt nicht als Favorit – und setzte sich am Ende doch durch.

Laschet und die Corona-Deals einiger Unions-Politiker

Nicht nur als CDU-Vorsitzender, auch im Kanzleramt will Laschet nun Angela Merkel nachfolgen. Dabei sind die Ähnlichkeiten im politischen Auftreten nicht von der Hand zu weisen. Laschet tritt in der Regel moderierend auf, hört zu, wirkt eher unscheinbar. Auch Merkel gilt als moderierend und musste im Laufe ihrer Zeit als Bundeskanzlerin unter anderem auch in der Außendarstellung erst in ihr Amt hineinwachsen.

Bis es allerdings so weit sein könnte, steht Laschet noch ein herausfordernder Wahlkampf bevor. Seine Beliebtheit hat unter seiner Corona-Politik stark gelitten – und dann sind da auch noch die Skandale einigen Unions-Politiker. In der Corona-Pandemie haben sich einige CDU- und CSU-Vertreter bei Masken- und Schutzkleidungsdeals selbst bereichert.

Auch gegen Laschet wurde Vorwürfe erhoben: Sein Sohn Johannes, Beruf Modeinfluencer, hatte einen Kontakt zwischen einen Modeunternehmen, für das er Werbung machte, und seinem Vater hergestellt. Da das Unternehmen anschließend einen millionenschweren Auftrag zur Produktion von Schutzkleidung vom Land NRW bekam, warf die Opposition Laschet Vetternwirtschaft vor. Laschet und sein Sohn betonten, keinerlei Provision bekommen zu haben, es habe sich lediglich um Hilfe gehandelt.

Bei der Wahl zum CDU-Vorsitzenden wurde ihm die Geschichte nicht zum Nachteil. Im Bundestagswahlkampf werden aber vor allem die weiteren Ergebnisse der Corona-Politik die Umfragewerte von Laschet beeinflussen.

Alle Infos zu den weiteren Bundeskanzlerkandidat:innen:

Annalena BaerbockOlaf Scholz

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