Der Augenblick - Verzeihen ohne Worte

Der Augenblick

Die Expertin

Was steckt hinter den Konflikten der Teilnehmer? Von welchen bewussten und unbewussten Emotionen werden sie gesteuert? Warum funktioniert der intensive Blickkontakt in manchen Fällen - und in anderen nicht? Psychotherapeutin Dr. Sandra Köldorfer (35), bekannt aus dem SAT.1-TV-Experiment „Hochzeit auf den ersten Blick“, ordnet psychologisch ein, was sich vor und hinter der Kamera abspielt. Im Interview erklärt sie das Prinzip hinter „Der Augenblick“ und gibt Tipps, wie man im Alltag vermeidet, dass Konflikte eskalieren.

Frau Dr. Köhldorfer, wie kann intensiver Blickkontakt Menschen helfen, sich zu versöhnen?

Bei dem zehnminütigen Blickkontakt entsteht im Idealfall die nötige Offenheit, um den anderen widerzuspiegeln. Durch die dabei aktivierten Spiegelneuronen kommt es dann zu einer „Gefühlsansteckung“. Dabei wird das Bindungssystem aktiviert und die Gefühle ändern sich. Man geht davon aus, dass Bereiche im Gehirn aktiv sind und sich synchronisieren, die für Mitgefühl und Verbundenheit sorgen. So kann sanft und wirkungsvoll eine „Versöhnung ohne Worte“ entstehen.

Was genau passiert dabei zwischen den beiden Personen?

Durch den sicheren, geschützten Raum und der geteilten Aufmerksamkeit kommt es zu einer größtmöglichen gegenseitigen Selbstöffnung.Ohne sich mit Worten erklären zu müssen stellen sich viele Fragen wie: Was bedeutet mir der andere? Wer hatte welchen Anteil an der Situation? Habe ich schon genügend vergeben und der andere mir? Was bedeute ich dem anderen noch? Sind die Gefühle die wir haben auch echt? Durch diesen „Blick in die Seele“ können sehr unerwartete, tiefe Gefühle zum Vorschein kommen. Das können lang verdrängte Emotionen von Schmerz, Schuld, Scham, Trauer, aber auch tiefe Liebe und Zuneigung sein. Diese ist notwendig, damit die aktivierten Spiegelneuronen wirken können. Im besten Fall kommt die einmal da gewesene Nähe und Vertrautheit wieder hervor. So schafft „Der Augenblick“ eine bestmögliche Basis zur Aussprache und einer Versöhnung, auch mit Worten.

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In den Fällen, die bei „Der Augenblick“ gezeigt werden, sind Konflikte stark eskaliert. Wie kann ich im Alltag vermeiden, dass es überhaupt soweit kommt?

1. Nicht kritisieren oder urteilen.

2. Streit vermeiden.

3. Bei Kränkung und Missverständnissen:

- Negative Gefühle erst einmal für sich verarbeiten und nicht am anderen auslassen. Dabei hilft z.B. tief durchatmen, ein Time-Out für zehn Minuten, die Gefühle aufschreiben oder Gespräche mit anderen vertrauten Personen führen. Auch sich abzulenken kann helfen.

- Auslöser und Beziehung klären: Was hat mich warum gekränkt? War es wirklich böswillig oder nur unachtsam? Welche Erwartungen habe ich an den anderen?
- Gute Anteile im „Bösen“ suchen. Den anderen mit positiven und negativen Seiten, Stärken und Schwächen sehen. Hierbei hilft auch ein geistiges Rollentauschspiel.
- Für Schutz und Selbstsicherheit sorgen. Nur wenn man sich genügend geschützt fühlt, kann man auch vergeben.
- Das klärende Gespräch suchen. Hierbei ist es besonders wichtig, sensibel und überlegt zu kommunizieren. Ein hilfreicher Klassiker: Anstelle von „Du hast...“ „Ich habe es so erlebt...“ formulieren.
- Vorwürfe sollten in Wünsche umgewandelt und formuliert werden. Denn oft stecken hinter Kränkung und Wut eigene Bedürfnisse, die der andere nicht kennt.
- Ist keine Einigung möglich, empfiehlt es sich, eine Dritte, möglichst neutrale Person hinzuziehen. 
- So banal es klingt: Häufig hilft es den anderen als anderen zu akzeptieren und die Einsicht zuzulassen, dass jeder im Leben Fehler macht. Denn der andere ist auch nur ein Mensch.

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