#SoIstDepression

Sven Hannawald

Burnout und Depressionen: Wenn Leistungssport zu viel wird.

Sven Hannawald ist ehemaliger Skispringer und hat alles erreicht, was sein Sport an Titeln zu bieten hat. Er wurde Olympiasieger und Weltmeister. 2002 gewann er als bislang einziger Sportler alle vier Wettkämpfe der Vierschanzentournee und wurde so zur Sportlegende.

Der 42-Jährige hatte allen Grund, der zufriedenste Mensch der Welt zu sein. Doch nicht immer ist es so einfach. Denn der Leistungsdruck eines Spitzensportlers, das ständige Streben nach noch mehr Erfolgen und Perfektion wurden ihm zu viel. Selbst der größte Erfolg fühlte sich für ihn irgendwann nach gar nichts an, wie er sagt. Seine Energie war erloschen, er fühlte nur noch innere Leere!

2005 beendete Sven Hannawald seine Karriere aufgrund eines Burnout-Syndroms. Zusätzlich musste er gegen Depressionen ankämpfen. In einem Interview beschrieb er die Krankheit als ein Alarmsignal seines Körpers. Welche Gründe zum Ausbruch der Krankheit führten, kann er nicht genau sagen.

Vor Beginn der Behandlung wachte er nachts schweißgebadet auf und bekam Weinanfälle. Immer wieder spürte er eine total Unruhe, die er sich nicht erklären konnte. Den Alltag mit all seinen Problemen konnte er nicht mehr bewältigen - schließlich begab er sich in eine Klink. Nach dem neunwöchigen Aufenthalt litt Sven Hannawald immer noch unter Schlafstörungen. Erst eine fünfjährige Therapie führte ihn zurück in ein normales Leben.

Der Unterschied zwischen Burnout und einer Depression ist fließend - und vielen nicht wirklich bekannt. Betroffene mit dem Burnout-Syndrom fühlen sich leer, ausgebrannt, haben keinen Antrieb und spüren eine tiefe Erschöpfung. Daher beschreibt Burnout auch häufig "nur" einen Erschöpfungszustand wegen Überarbeitung. Allgemein akzeptierte Kriterien bei der Diagnose Burnout gibt es nicht - die Symptome können auch auf eine Depression hinweisen. Um als solche diagnostiziert zu werden, müssen Hauptsymptome und weitere depressive Symptome allerdings für mindestens zwei Wochen lang fortwährend vorhanden sein.

Burnout wird überwiegend berufsbedingt ausgelöst. Hingegen können bei Depressionen die Ursachen kontextfrei sein und aus allen Bereichen des alltäglichen Lebens kommen - und sich auch auf alle auswirken. Zusätzlich wird die Krankheit als ein Dauerzustand beschrieben. Ein Burnout kann das Risiko erhöhen, verschiedene Erkrankungen zu entwickeln, darunter Bluthochdruck, Tinnitus, chronische Kopfschmerzen, Schlafstörungen, Angstzustände und auch Depressionen. Auch Depressionen können andere gesundheitliche Langzeitfolgen haben.

Sven Hannawald machte seine Krankheit und seinen Weg zurück ins Leben öffentlich: Im September 2013 erschien seine Biografie „Mein Höhenflug, mein Absturz, meine Landung im Leben“. Mit diesem Buch gibt er nicht nur Einblicke hinter die Kulissen des Lebens von Leistungssportlern, sondern will auch Menschen Mut machen, die an Depressionen oder Burnout erkrankt sind. Er kennt die Vorurteile, mit denen Betroffene oft konfrontiert sind und hofft, dass die Öffentlichkeit die Krankheiten künftig anders wahrnimmt.

Heute arbeitet Sven Hannawald als TV-Experte für Sportsendungen und ist Unternehmensberater mit den Schwerpunkten Betriebliche Gesundheit und Sportsponsoring. Anfang 2017 wurde er zum zweiten Mal Vater.

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Depression ist eine ernstzunehmende Erkrankung, die aber mit professioneller Hilfe gut behandelbar ist.

Leiden Sie unter Depressionen?

Bitte wenden Sie sich unbedingt an Ihren Hausarzt.

Hilfe gibt’s auch hier:

Stiftung Deutsche Depressionshilfe www.deutsche-depressionshilfe.de

Telefonseelsorge 0800 111 0 111 oder 0800 111 0 222

Seelefon (des Bundesverbandes der Angehörigen psychisch Kranker e.V.) Tel. 0800 / 11 10 333

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