Lenßen

Interview: Ingo Lenßen über seine neue Ermittlerserie

"Ich fühle mich zum Verteidiger berufen"

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© SAT.1

Aus "Lenßen & Partner“ wird "Lenßen“. Ein weiterer Aufstieg für den Anwalt mit dem spektakulären Schnäuzer. Im Interview mit sat1.de spricht Ingo Lenßen über seine neue Ermittlerserie – und lüftet das Geheimnis seines Schnurrbarts. 

Herr Lenßen, erst Verteidiger bei "Richter Alexander Hold", dann "Lenßen & Partner" und nun "Lenßen", das nennt man wohl gesellschaftlichen Aufstieg?

Ingo Lenßen: "Das weiß ich nicht (lacht). Ich habe mir über gesellschaftlichen Aufstieg noch nie Gedanken gemacht. Letztlich habe ich immer das gemacht, wovon ich auch geträumt habe. Zugegeben: Vom Fernsehen habe ich allerdings nie geträumt, das war bar meiner Vorstellungskraft. Wie auch immer: Mit dem Arbeitsalltag, den ich heute erleben darf, bin ich hochzufrieden."

Der Nachname als TV-Trademark, das gelingt nur den ganz Großen von "Gottschalk" bis zu "Magnum"...

Ingo Lenßen: "Jetzt wollen wir aber mal den Ball flach halten (lacht)! Wobei ich zugeben muss, dass einem das schon schmeichelt. Fakt ist aber auch, dass die Titelwahl eine reine Senderentscheidung war, mit der ich nichts zu tun hatte." 

Denken Sie darüber nach, Ihre Kanzlei zugunsten der Fernseh-Karriere ganz aufzugeben?

Ingo Lenßen: "Nein. Zwar kommt man angesichts des tatsächlichen Arbeitsalltags schon manchmal ins Grübeln. Aber ich mag auch meine Unabhängigkeit und finde es wichtig, dass ich mich zwischen Fernsehen und eigener Kanzlei frei bewegen kann. Mir würden die Mandantengespräche in meiner realen Kanzlei wohl auch sehr fehlen."

Statt "Lenßen & Partner" nun also nur noch "Lenßen", was wird anders?

Ingo Lenßen: "Die wesentliche Änderung ist die Location. Vom eher beschaulichen München sind wir nun in den "Kohlenpott“ gezogen. Beheimatet sind wir in Essen. So haben wir die Möglichkeit, im ganzen Ruhrgebiet zu drehen, ob nun in Gelsenkirchen, Bocholt, Duisburg oder Oberhausen. Das bedeutet für uns ein größeres Maß an Authentizität, und auf die sehr direkte Art der Menschen freue ich mich sehr."

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© SAT.1

Das Ruhrgebiet ist für Sie persönlich aber kein völliges Neuland?

Ingo Lenßen: "Nein. Ich bin in Krefeld geboren, das sind gerade einmal 20 Kilometer zum "Pott“. In meiner Jugend hat es mich oft nach Duisburg, Oberhausen etc. gezogen. Übrigens: Viele, die in anderen Teilen Deutschlands wohnen, unterscheiden gar nicht zwischen Ruhrgebiet und z. B. Krefeld – auch wenn das für den Krefelder, der sich als Niederrheiner versteht, ein himmelweiter Unterschied ist."

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Ingo Lenßen: "Rio war für mich immer ein Lebenstraum..."

Wie aber kommt man als Anwalt auf Rio statt Paris, London oder New York?

Ingo Lenßen: "Natürlich wäre eine internationale Kanzlei, etwa in New York, eigentlich der nächste Karrierebaustein gewesen. Aber eine internationale Kanzlei habe ich mir ja ausgesucht, dazu aber auch noch ein bisschen brasilianisches Lebensgefühl (lacht). Dieses Gefühl wurde dann so intensiv, dass ich nach einem halben Jahr dachte: "In Deutschland möchtest du eigentlich gar nicht mehr leben.“ Irgendwann habe ich aber doch gespürt, dass ich nicht nur Europäer, sondern in erster Linie vor allem auch Deutscher bin. Und heute lebe ich am Bodensee."

Neu sind auch Ihre Ermittler, gab es keine Überlegung die alten zu übernehmen?

Ingo Lenßen: "Natürlich gab es diese Überlegung. Letztlich aber hat man sich entschieden, Ermittler zu nehmen, die allesamt aus dem Ruhrpott stammen, um auch hier größtmögliche Authentizität zu gewährleisten."

Gibt es Themen, die Sie ausklammern?

Ingo Lenßen: "Nein, ich sehe keine Beschränkung. Gerade aktuelle Themen sind für uns sehr interessant, und diese Themen wollen wir gerne auch aufgreifen."

Was war der spektakulärste Fall in Ihrer Laufbahn als Anwalt?

Ingo Lenßen: "Es ist schwer, einen Einzelfall herauszugreifen. Meist sind es die letzten Fällen, die einem noch präsent sind. Sehr bewegt hat mich ein Fall, bei dem ich eher als Opferanwalt im zivilrechtlichen Sinne aufgetreten bin. Acht Messdiener waren von einem katholischen Priester missbraucht worden, und dieser Fall hat mich besonders mitgenommen, weil sich die Opfer mir gegenüber geöffnet haben. Das war ein Ding, das man abends nicht wie ein Sakko auf den Kleiderbügel hängen kann, wenn man nach Hause kommt."

Hat es Sie nie gereizt, Staatsanwalt zu werden?

Ingo Lenßen: "Nein. Der Ankläger zu sein, das wäre mir fremd. Tatsächlich fühle ich mich zum Verteidiger berufen."

Zum Schluss auf großen Zuschauerwunsch die Frage, was es mit Ihrem spektakulären Bart auf sich hat?

Ingo Lenßen: "Das ist eigentlich recht unspektakulär. Diesen Bart habe ich seit etwa 30 Jahren. Damals war ich ein großer Freund der Literatur Balzacs und habe auch ein Balzac-Museum besucht. Und Balzac hatte einen ähnlichen Bart. Im Übrigen habe ich eine kleine Affinität zu Mantel- und Degenfilmen wie "Die drei Musketiere“. Den D’Artagnan könnte ich zwar heute kaum noch spielen, aber vielleicht bietet man mir ja mal die Rolle des Vaters von D’Artagnan an. Die würde ich sehr gerne annehmen" (lacht). 

© sat1.de / Andreas Kötter

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