Niedrig und Kuhnt

Die TV-Kommissarin über den Erfolg der Serie, Partner Bernie und realitätsnahe Fälle

Cornelia Niedrig im Interview - 2

© Sat1

Wie realistisch sind die Fälle Ihrer TV-Kollegen bei "Tatort" etc.?
"Man merkt diesen Formaten durchaus an, dass sie polizeilich beraten werden. Allerdings sind der Dramaturgie immer wieder auch Dinge geschuldet, die ein tatsächlicher Kommissar nicht tun würde. So habe ich vor einiger Zeit einen Krimi gesehen, bei dem die Kommissarin, selbst Mutter eines kleinen Kindes, eine Obdachlose bei sich zu Hause aufgenommen hat. Das würde kein Kollege tun. Und auch wilde Schießereien sind in der Wirklichkeit zum Glück die absolute Ausnahme."

Als TV-Kommissar sind Sie auch ein Promi: Wie gehen Sie mit Ihrer öffentlichen Bekanntheit um?
"In der Tat wird man mittlerweile häufig erkannt. Aber das sind immer sehr freundliche, respektvolle Begegnungen, und ich stelle fest, dass offensichtlich nur die Menschen uns ansprechen, die unsere Sendung auch mögen. Im Übrigen: In dem Moment, wo ich mich entschieden habe, über das Fernsehen in die Öffentlichkeit zu gehen, da habe ich mich auch dafür entschieden, erkannt und angesprochen zu werden. Denn diese Menschen, bei denen wir gleichsam jeden Tag im Wohnzimmer sind, sind dafür verantwortlich, dass unsere Sendung noch immer läuft. Das ist der Deal!"

Ist TV-Kommissar ein Traumjob?
"Auf jeden Fall ist das eine ganz tolle Geschichte, weil ich nach 20 Jahren bei der Polizei die Chance bekommen habe, einmal über den Tellerrand zu schauen und etwas ganz anderes zu machen. Was mir anscheinend auch ganz gut gelingt. Aber man muss diesen Job auch Ernst nehmen. Denn ich habe auch eine Verantwortung dem Team gegenüber. Ich muss meine Texte können, und kann morgens nicht verpennt ankommen und zur Maskenbildnerin sagen 'Schau zu, wie Du mich restaurierst!'. Es ist also auch ein Knochenjob, aber einer, der einen Riesenspaß macht."

Vermissen Sie manchmal die handfeste Realität Ihres alten Jobs?
"Auf gewisse Weise schon, weil ich dort etwas ganz Anderes geleistet habe. Ich habe bei der Kripo Sexualstraftaten bearbeitet, und das bedeutet ein Stück weit auch Sozialarbeit. Denn es geht um Menschen, denen etwas widerfahren ist, das ihr ganzes weiteres Leben beeinflussen wird. Aber genau das wollte ich auch immer machen, Menschen helfen. Denn ich glaube, dass ich das auch gut kann. Das fehlt mir tatsächlich ein wenig."

Wollen Sie irgendwann zurück?
"Wenn die Sendung einmal nicht mehr funktionieren sollte, dann würde ich sicherlich zur Polizei zurückgehen. Schließlich kann ich ja nichts anderes," (lacht). 

Hundesitterin wäre noch eine Alternative, schließlich sollen Sie bereits elf Hunde haben; sind das alles Diensthunde?
"Nein. Aber alle elf leben in unserem Haus. Das ist ohne Frage ein bisschen bekloppt (lacht), war aber so nie geplant. Eigentlich sollte schon beim vierten Hund Schluss sein. Aber acht Tage nachdem wir den bekommen hatten, sind wir auf einen Notfall aufmerksam gemacht worden; und da konnte ich einfach nicht 'nein' sagen. Irgendwie ist das Ganze dann zu einem Selbstläufer geworden. Aber jetzt ist endgültig Schluss, mehr Arbeit ist nicht zu verkraften. Wenn ich mich abends hinlege, bin ich sofort bewusstlos," (lacht)! 

(August 2011)

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