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Welche Auswirkungen haben Pornos auf Kinder & Jugendliche?

Pornos können verschiedene Auswirkungen haben. Entscheidend ist nicht nur die Art der Pornographie, sondern auch die Häufigkeit, das Alter und dass der Konsum freiwillig ist. Die sich wiederholenden Verhaltensmuster der Stimulation, der Umgang im Miteinander oder auch genormte Körpervorstellungen bleiben bei häufigem Konsum von Mainstream-Pornos im Kopf: Die Art wie man stimuliert und penetriert ist bei Mainstream-Pornos beispielsweise oft mechanisch und zeigen keinen guten Sex. Das hilft uns dann nicht wirklich, eine erfüllte Sexualität zu entwickeln. Auch Stereotypen werden gerne bedient und die Erregung - also das, was im Idealfall vor der Stimulation passiert - wird kaum thematisiert. Dabei ist genau der Aufbau und die Gestaltung von Liebesbeziehung das, was Jugendliche viel mehr interessiert: Wie spreche ich jemanden an? Bin ich in meiner Sexualität und mit meinen Genitalien normal? Wie kommt man sich näher? Das alles lernt man nicht durch Pornos - und genau das ist es aber, was zwischenmenschliche Liebesbeziehungen so spannend machen. 

Inzwischen gibt es zahlreiche weibliche oder alternative Pornoproduzenten wie beispielsweise Erika Lust. Auch Paarsexualität oder die Anwesenheit von Emotionen beginnen in Pornos eine größere Rolle zu spielen und werden auch von Erwachsenen gerne angeklickt. Ja, auch die Pornoszene ist im Wandel und entwickelt sich. Sie aus der Schmuddelecke rauszuholen kann ein Weg sein, mehr Veränderung zu bewirken. Negative Auswirkungen von Pornos spielen meist eher eine Rolle, wenn der Jugendliche wenig soziale Kontakte hat, kein adäquater Ansprechpartner vorhanden ist und er sich daher sexuelle Informationen mehrheitlich aus Filmen holt. Ein schlechter Einfluss von Pornos braucht also einen entsprechenden Nährboden, der viel früher bereitet wird.

Wie können Jugendliche & Kinder einen gesunden Umgang mit Pornos erlernen?

Um einen gesunden Umgang mit Pornos zu lernen, sind Basiskompetenzen wichtig. Beispielsweise, um Pornos richtig einschätzen zu können. Unsere sexuelle Kompetenz entwickelt sich nicht nur in einem direkten Zusammenhang mit Sexualität oder erst beim Kontakt mit Pornographie, sondern viel früher und insbesondere in Bereichen, die man erst einmal weniger mit Sexualität verbindet: Einem positiven Erleben von zwischenmenschlichen Beziehungen, dem Stillen von Grundbedürfnissen wie Nahrung und Geborgenheit oder auch durch Berührung und positive Erfahrung mit sich selbst. Wenn man sich beispielsweise anfängt zu berühren - und das passiert schon sehr früh - kann schon einen Grundstein gelegt werden, dass das ok ist. Dass man sagt: ‚Hey, das ist etwas ganz Besonderes und das macht auch ganz doll Spaß. Das ist etwas, dass du mit dir machst und was du auch irgendwann einmal - wenn du möchtest - mit einem Menschen teilen kannst, den du sehr, sehr lieb hast.‘
Ein offener Umgang ist wichtig. Wenn ich als Kind gelernt habe, dass andere Menschen für mich da sind und mir Rückhalt geben, dann vertraue ich ihnen und kann auf sie zugehen. Dann habe ich eine eigene Kompetenz, dass ich mich um meine eigenen Probleme kümmern oder um Hilfe bitten kann.
Schlussendlich auch durch die Erfahrung, über den eigenen Körper lustvoll bestimmen zu dürfen und der Gewissheit, dass Grenzen respektiert werden. In einer großen Studie zur Jugendsexualität aus 2015 konnte man feststellen, dass nicht nur Liebesbeziehungen wichtig sind, sondern auch das Einverständnis des anderen beim ersten Mal sowie Verhütung eine wichtige Rolle spielen. Das ist ein sehr gutes Zeichen und zeigt, dass man nicht überängstlich mit dem Thema Jugendsexualität umgehen muss.

Wie können Eltern mit Kindern über Pornos sprechen?

Entscheidender als der Konsum von Pornos ist die Möglichkeit einer offenen Kommunikation und der gelernte Umgang mit Werten, mit denen Kinder und Jugendliche aufwachsen. Beispielsweise, ob Zuhause überhaupt entspannt über Sexualität gesprochen werden kann. Das heißt: Wenn das Kind etwas anspricht, auf dass die Eltern irritiert oder negativ reagieren, dann erschrickt das Kind möglicherweise selbst und denkt: ‚Das behalte ich lieber für mich‘.
Dabei ist es nicht nur entscheidend, dass Kinder und Jugendliche das Gefühl haben, Fragen stellen zu dürfen. Auch ist es vollkommen ok, wenn ein Elternteil das eigene Kind darauf anspricht, weil man schließlich weiß, was dem Heranwachsenden begegnen wird und was ihm vielleicht hilft, solche Dinge besser einzuschätzen. Wenn man also als Elternteil mitbekommt, dass sich das eigene Kind für das andere oder gleiche Geschlecht interessiert oder es um die Frage des Übernachtens geht, dann kann man als Erwachsener zum Beispiel sagen: ‚Ich würde dir ganz gerne etwas erzählen, weil ich glaube das wird dir im Leben begegnen und ich finde es wichtig, dass du das weißt‘.
Das sind auch nur Angebote, die man machen kann. Was der Heranwachsende mit den Informationen macht, ist seine Entscheidung und da kann es wichtig sein, dass der Elternteil dem Kind Vertrauen entgegenbringt. Wichtig ist, dass das Kind das Gefühl hat, dass es nachfragen kann. Wenn das Kind oder der Jugendliche gelernt hat, auf sich und seine Bedürfnisse zu hören und sich zutraut, diese auch zu äußern und sich von anderen abzugrenzen, ist das eine tolle Basis.

Kann man vermeiden, dass sich Kinder & Jugendliche Pornos ansehen?

Nein, verhindern kann man das nicht und es ist auch häufig eher kontraproduktiv, das zu versuchen. Da muss man durch. Rund die Hälfte des Online-Konsums kommt ungewollt zustande, hat eine Studie aus Münster ergeben. Jungs sehen sich mehr Pornos an als Mädchen, weil Mainstream-Pornos für ein männliches Publikum konzipiert sind. Es ist ja auch spannend, Details zu erfahren, die man anderswo oder durch die Eltern nicht bekommt. Entscheidend ist, dass Pornos richtig eingeschätzt werden können. Zum Glück können Jugendliche meist gut zwischen Filmwelt und Realität unterscheiden.

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