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+++ In diesem Interview geht es u.a. um Essstörungen und Depressionen +++ 

Welche körperlichen und psychischen Gründe sind die häufigsten für eine Gewichtszunahme?

"Es gibt eine Reihe externer Faktoren, die sich sowohl auf das Gewicht als auch auf die Psyche auswirken können. Ungesunde und unausgewogene Ernährung sowie zu wenig körperliche Bewegung sind die häufigsten Ursachen für Übergewicht. Psychische Faktoren wie Einsamkeit, Überforderung, Frust, Stress oder Ärger können ungesunde Ernährungsgewohnheiten begünstigen. Es entsteht eine Abwärtsspirale, aus der die Betroffenen häufig nicht herauskommen."

Im Clip: Psycho-Therapeutin Hassina stellt sich vor

Können Über- oder Untergewicht genetische Ursachen haben – also: Ist es naheliegend, dass ein Kind übergewichtig sein wird, wenn Mutter oder Vater es selbst sind?

"Ja, wissenschaftliche Studien zeigen, dass es eine genetische Disposition für Übergewicht gibt und Betroffene es häufig sehr schwer haben abzunehmen. Aber: Gene allein machen nicht dick. Es muss eine ungesunde, unausgewogene Ernährungsweise sowie mangelnde Bewegung hinzukommen, um tatsächlich übergewichtig zu werden. Kinder von übergewichtigen Eltern sind häufig wegen der ungünstigen Ernährungsweise und Gewohnheiten ihrer Eltern mit betroffen und haben es, in einem selbstbestimmten Alter, schwerer wieder abzunehmen."

Wie könnten übergewichtige Mütter oder Väter dem vorbeugen?

"Es muss insgesamt eine bessere Aufklärung stattfinden. Spätestens in der Schwangerschaft müssten übergewichtige Eltern über die Folgen einer weiteren unausgewogenen Ernährung informiert werden. Vor allem im Hinblick auf die Entwicklung ihres Kindes. Möglicherweise müssen sie auch Unterstützung erhalten, um sich besser zu fühlen.  

Es ist auch wichtig, die Funktionalität der ungesunden Ernährungsweise (psychischen Faktoren) zu erkunden (z.B. bei Langeweile oder Stress oder Erschöpfung), um alternative Verhaltensstrategien zu entwickeln."

Wie hängt das Thema Gewicht grundsätzlich mit der menschlichen Psyche zusammen? (Viele Menschen nehmen zu oder ab, wenn sie traurig oder gestresst sind)

"Körper und Geist bilden eine unzertrennliche Einheit. Geht es der Seele schlecht, reagiert der Körper, indem er z.B. Stresshormone (Cortisol) ausschüttet und damit das Auffüllen der Fettdepots begünstigt."

Warum nehmen wir manchmal selbst an Gewicht zu, wenn ein geliebter Mensch zunimmt? (Beispiel "Co-Schwangerschaft" des Vaters)

"Es fällt häufig schwer sich diszipliniert und gesund zu ernähren, wenn ein nahestehender Mensch (z.B. eine Frau) wegen bestimmten Umständen (z.B. Schwangerschaft) gerade nicht diszipliniert sein muss. Nicht die Verbindung macht dick, sondern der Wille."

Wie wirkt sich das Gewichtsproblem einer Person psychologisch auf das Zusammenleben mit der eigenen Familie / der Partnerin oder dem Partner aus?

"Gewichtsprobleme können Depressionsbeschleuniger sein. Es kann sich eine Abwärtsspirale aus Antriebslosigkeit, Frust, körperlichen Schmerzen und folglich auch Konflikten in der Partnerschaft oder Familie einstellen, wenn der Partner sich z.B. mehr Aktivität wünscht. Es kann aber auch dazu führen, dass die gesamte Familie ein Gewichtsproblem entwickelt, weil es den anderen Familienmitgliedern schwer fällt dauerhaft Stand zu halten, wenn einer sich gehen lässt."

Welche psychischen Belastungen können daraus entstehen? (sowohl für die Betroffenen als auch für die Familienmitglieder)

"Diverse: Depressionen, Angst (z.B. vor Mobbing) psychosomatische Schmerzen usw."

Wie können Familienangehörige bzw. Partner:innen bei der Regulierung von Gewichtsproblemen unterstützen? (gesteigerte Motivation durch Gemeinschaft?)

"Wichtig ist es, die Gewichtsproblematik zu benennen und gemeinsam eine Diät oder Sport zu machen. Gemeinsam ist es innerhalb einer Familie leichter, da die 'Verführung' wegfällt."

Wie kann psychologisch geschultes Personal helfen?

"Psychologisch geschultes Personal wird die Ursache der Essstörung ermitteln, psychoedukativ einwirken und verhaltenstherapeutische Maßnahmen empfehlen, um langfristig eine Stabilisierung herbeizuführen."

Was raten Sie Familien, in denen alle Familienmitglieder übergewichtig sind?

"Offene Sprache. Sachliche und konstruktive Veränderungsschritte."

Gibt es neben ärztlichem Rat noch andere Möglichkeiten, um jemanden auf eine notwendige Gewichtsabnahme aufmerksam zu machen?

"Menschen mit einer Essstörung und Übergewicht kennen ihr Problem. Wichtig ist nicht das Belehren über die Folgen, sondern ideale Möglichkeit, um der Essstörung zu begegnen. Das Angebot kann von allen Seiten (Arbeitgeber, Familie, Freunde, Vereine und Institutionen) kommen. Es ist wichtig, dass offen über das Thema gesprochen wird, um Ausgrenzung zu reduzieren und Menschen mit Übergewicht in die Gesellschaft zurückzuholen."

Unter dieser Nummer findest du Hilfe bei der Deutschen Depressionshilfe, wenn du oder jemand, den du kennst, an Depressionen leidet:

Info-Telefon Depression

0800 / 33 44 533

Mo, Di, Do: 13:00 – 17:00 Uhr
Mi, Fr: 08:30 – 12:30 Uhr

 "The Biggest Loser – Family Power Couples" siehst du am 30. August um 20:15 Uhr in SAT.1 und auf Joyn.