Warum mögen Kinder kein Gemüse?

Dazu gibt es verschiedene Theorien.

-          Forscher behaupten, dass die Geschmacksnerven von Babys und Kleinkindern ausschließlich auf süße Nahrung ausgerichtet sind, wenn nicht sogar genetisch auf diese festgelegt sind. Süßes signalisiert ungefährliche Kohlenhydrate

-          Die zweite Meinung geht von einem „Sicherheitsgeschmack der Evolution“ aus. Ein Urinstinkt, der verhindern soll, dass sich Kinder an grüner und scheinbar unreifer Nahrung vergiften

-          Eine weitere These stützt sich darauf, dass Kinder über mehr Geschmacksnerven verfügen, deshalb bestimmte Bitterstoffe in Gemüse stärker schmecken und deshalb ablehnen

Warum brauchen Kinder Gemüse?

-          Groß und stark werden: Für ihr Wachstum benötigen die Kleinen viele Nährstoffe. Gemüse bietet davon reichlich an.

-          Energie für Bewegung: Gemüse und generell eine gesunde Ernährung bieten dem Kind die Energie für Bewegung, Spiele und Lebendigkeit

-          Stressempfinden: Nicht nur Übergewicht, sondern auch mangelhafte Ernährung verschlechtern den Umgang der Kinder mit Stresssituationen

-          Teufelskreis: Daraus kann ein Teufelskreis entstehen. Frustessen als Ventil gibt es auch schon im Kindesalter

Mögliche Mangelerscheinungen ohne Gemüse

Die Unterversorgung kann sich am ganzen Körper bemerkbar machen. Je nachdem, welches Vitamin fehlt, seien Müdigkeit, Depressionen, Durchfall, Nasenbluten, hoher Bluthochdruck, Haarausfall oder trockene Augen kurz genannt. wie 2016 sorgte der Fall eines jungen Australiers für Aufsehen, der fast erblindet wäre, weil er seit seinem fünften Jahr nur Hühnchen, Brot, Kartoffeln und Cola zu sich nahm – kein Gemüse. Die Folge war ein außergewöhnlich hoher Vitamin-A-Mangel, der glücklicherweise noch rechtzeitig von einer Ärztin diagnostiziert werden konnte.

Wie viel Gemüse und Obst pro Tag ist wichtig

Als einfache Faustformel empfiehlt die Stiftung Kindergesundheit über den Tag verteilt fünf Kinderhände voll Gemüse und Obst. Das Verhältnis von Gemüse zu Obst sollte als Orientierungswert 2:1 betragen. Im Vergleich dazu ist bei Fleisch bei dicken Stücken ein Handteller voll ausreichend, bei dünnen Scheiben eine Handfläche voll.

Nur Obst, kein Gemüse?

Hier scheiden sich die Geister. Obst macht genauso wie Gemüse den Großteil einer abwechslungsreichen Ernährung aus. Das gilt auch für die Kleinen. Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung hat ihre Empfehlungen für Grünzeug im September aber dahingehend überarbeitet, als dass sie statt fünf Portionen Obst und Gemüse am Tag zu zwei Portionen Obst und drei Portionen Gemüse rät. Das liegt am Fruchtzucker, der lange nicht als so gefährlich galt wie der übliche Industriezucker. Dem sind sich Experten nun nicht mehr sicher. Auch die Stiftung Kindergesundheit des Klinikums der Uni München wägt ab: „Nur Obst und kein Gemüse ist nicht wünschenswert, da es ungünstig für die Nährstoffversorgung des Körpers ist. Bei kompletter Restriktion fehlen dem Körper auf Dauer bestimmte Nährstoffe, was zu einer Mangelernährung führt.“ Andere Meinungen, wie die von Dr. med. Birgit Hildebrandt vom Helios Prevention Center, bleiben bei der Empfehlung „5 am Tag“, d.h. fünf Portionen Obst oder Gemüse pro Tag. Maximal 25 Gramm Fruchtzucker pro Mahlzeit und maximal 80 Gramm täglich gelten als unbedenklich.

Saft als gleichwertiger Ersatz?

Durch die Verarbeitung der gekauften Säfte geht ein Teil der natürlichen Nährstoffe verloren, weshalb sie nicht als gleichwertig angesehen werden können. Allerdings werden Säfte dafür auch durch zusätzliche Vitamine und Mineralstoffe angereichert, wie etwa mit Kalzium. Das kann von Vorteil für die Gesundheit sein. Entscheidend ist bei gekauften Säften der Faktor Zucker. Beim Kauf sollte darauf geachtet werden, dass neben dem enthaltenen Fruchtzucker (Fructose) kein zusätzlicher Zucker mehr zugefügt wurde. Die Säfte enthalten zudem nicht mehr so viele Ballaststoffe wie das ursprüngliche Obst. Das Verhältnis Ballaststoffe / Zucker ist somit bei den Säften im Vergleich zu Obst schlechter. Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung rät kurzum: Ein Glas Fruchtsaft (150 bis 200 Milliliter) kann am Tag eine der empfohlenen fünf Portionen Obst und Gemüse ersetzen. Für absolute Verweigerer von Grünzeug also eine Alternative. Noch besser ist es, sein eigenes Obst zuhause im Ganzen zu pürieren. Dann bleiben die meisten Vitamine und Ballaststoffe erhalten. Trotzdem sättigen ganze Früchte dauerhafter, weil der Körper Flüssiges schneller verdaut. Pürieren, nicht pressen! Beim Pressen gehen Nährstoffe verloren; übrig bleibt größtenteils Wasser und Zucker.

Vitaminpräparate statt Gemüse und Obst

Die Meinung dazu ist eindeutig: Finger weg von den Präparaten. Stiftung Warentest warnt vor den Vitaminpräparaten, denn sie sind oft drastisch überdosiert. Die Folgen einer Überdosierung an Vitaminen (=Hypervitaminose) sind nicht eindeutig geklärt. Als typische Symptome gelten Müdigkeit, Übel- und Appetitlosigkeit, Haarausfall, Magen-Darm-Beschwerden und Muskelschwäche. Die Mittel sollten nur nach ärztlicher Abklärung verordnet und eingenommen werden. Viele Präparate enthalten zudem Süßstoffe, die das Geschmacksempfinden der Kinder weiter schädigen und keine Ballaststoffe. Auch bei dem Gemüse abgeneigten Kindern ist das langfristige Ziel, sie an Gemüse zu gewöhnen. Neben Vitaminen enthält Gemüse nämlich auch sekundäre Pflanzenstoffe, die den Stoffwechsel fördern sollen.

Das Kind an das Gemüse gewöhnen

-          (Tipps in der MAZ: 1. Gemüse mit Musik 2.  Lustige Namen für Gemüse 3. Lustige Formen)

-          Tipps für Studio:

  1. 1.       Gemüse verstecken: Verstecken Sie das Gemüse vor dem Essen und spielen Sie dann Suchen mit den Kindern.Bereiten Sie das gefundene Gemüse gemeinsam zu.
  2. 2.       Gemüseparty: Führen Sie die Kinder mit Gemüsepartys an das Grünzeug heran – Verkleiden, Spiele, passender Musik und bunt angerichtetes Gemüse.

-          Fangen spielen: Der Fänger rennt dem zu Fangenden hinterher, der ein Gemüse bei sich trägt. Der Fänger muss ihn erwischen und dann das Gemüse essen, dann hat er gewonnen.

-          Geschmack erraten: Das Kind bekommt die Augen verbunden und muss kleine Stücke des Gemüses erraten, das es im Mund hat.

  1. 3.       Eiscreme aus Gemüse: Machen Sie doch einfach mal Eiscreme aus Gemüse. Wer keine hat, kann auch erstmal Gemüse pürieren und unter die Lieblingseissorte des Kindes heben und nochmal kühlen lassen. Wer eine besitzt (Eismaschinen gibt es schon ab 40€) kann so gut wie jedes Gemüse zu Eis verarbeiten. Z.B.:

-          Grünes Erbseneis:

Die Erbsen in kochendem Salzwasser 8 Minuten garen und sofort in Eiswasser abschrecken, damit sie ihre Farbe behalten. Im Mixer pürieren und das Püree durch ein Sieb streichen. Kaltstellen. Milch und Sahne aufkochen und vom Herd ziehen. Die Eier mit dem Zucker cremig rühren, bis der Zucker sich gelöst hat. Nach und nach unter stetem Rühren die heiße Sahnemilch einrühren. Über dem heißen Wasserbad die Mischung weiterschlagen, bis die dickcremig ist. Im kalten Wasserbad kalt rühren. Das Erbsenpüree in die erkaltete Creme rühren. In der Eismaschine gefrieren lassen.

Der richtige Umgang:

-          Lieber roh als gekocht: Für gewöhnlich ziehen Kinder rohes Gemüse dem Gekochten wegen seiner Konsistenz vor. Ein passender Dip dazu und Kinder greifen viel lieber zum gesunden Snack.

-          Beteiligen: Wenn die Kinder das eigene Essen mit eingekauft und gekocht haben, geben sie ihm wahrscheinlicher eine Chance. Lassen Sie Kinder das Essen riechen, fühlen und erleben

-          Künstliche Verknappung: Seien Sie ein gutes Vorbild, essen Sie selbst viel Gemüse. Wenn das Kind sich sträubt, bleiben Sie gelassen und fragen Sie, ob Sie die Portion stattessen essen dürfen. Dieser Trick funktioniert besonders bei Kleinkindern

-          Mit Gemüse darf man spielen: Um einer Abneigung gegenüber dem Gemüse vorzubeugen, darf das Kind – ausnahmsweise – mit dem Essen spielen, selbst, wenn sie das Gemüse dann nicht essen

-          Nicht zwingen: Keinen Streit oder Diskussionen anfangen. Oft verstehen Kinder nicht, warum Gemüse gesund und notwendig ist. Binden Sie gesunde Ernährung gelassen und vielmehr als selbstverständlich ein. „Iss, das ist doch gesund!“ bewirkt manchmal eher das Gegenteil. Kinder sollen verstehen: Gemüse schmeckt! Vermieden werden sollten außerdem Sätze wie „Du/mein Kind mag einfach kein Gemüse!“ in Anwesenheit des Kindes

-          Geduld: Neues ist für Kinder eine tolle Sache – auch, wenn sie Gemüse nicht sofort essen. Manchmal dauert es eine Viertelstunde, bis Kinder schließlich Essen probieren. Also Geduld!

-          Früh übt sich: Studien haben ergeben, dass Kinder Nahrung, die ihnen im Mutterleib schon zugeführt wurde, leichter akzeptieren. Nehmen Sie also in der Schwangerschaft schon viel Gemüse zu sich!

-          Mehrmals servieren: Auch, wenn das Kind zum wiederholten Male das Gemüse ablehnt – servieren Sie es immer wieder

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