Unforgettable

Teil 2 des sat1.de - Interviews mit Poppy Montgomery

Süchtig nach Reality-TV (2)

Ein schöner dramaturgischer Kniff bei „Unforgettable“ ist, dass Carries Nicht-vergessen-können das allmähliche Vergessen ihrer Mutter gegenübersteht; wie würden Sie tatsächlich damit umgehen?

Das ist nur sehr schwer vorauszusagen. Aber ich weiß, dass mich die bloße Vorstellung, dass meine Mutter mich vielleicht irgendwann nicht mehr erkennen könnte, sehr ängstigt. Schrecklich muss es auch für die Menschen selbst sein, die an Alzheimer erkranken, wenn sie in den wenigen klaren Momenten erkennen, was mit ihnen geschieht. Die Szene mit meiner Serien-Mutter hat mich beim Dreh jedenfalls sehr stark bewegt.

Auch die Zusammenarbeit mit Dylan Walsh scheint ein Vergnügen zu sein...

Wir verstehen uns wunderbar, Dylan ist ein echter Schatz! Ich habe die Autoren gebeten, so viele schöne Liebesszenen wie eben möglich in die Show zu schreiben

© Sony Pictures Television Inc. All Rights Reserved.

(lacht). Allerdings denke ich, dass die Beziehung zwischen Al und Carrie ein ziemliches Auf und Ab bleibt, denn ihre Liebe ist eine ziemlich explosive Angelegenheit. Carrie ist eine sehr starke Persönlichkeit, die viel fordert. Al dagegen ist ein Typ, der immer versucht sich an die Regeln zu halten. Da bleiben Konflikte kaum aus.

In der Pilotfolge sieht man Sie bei einer solchen Liebesszene nur spärlich von einem Bettlaken bekleidet; das ist für eine US-Produktion durchaus ungewöhnlich...

Da haben Sie völlig Recht. Aber Niels, der Regie geführt hat, wollte das unbedingt so. In den USA gibt es drei No Gos beim Dreh: keine Nippel, keine Schamhaare und keine Vagina dürfen zu sehen sein. Solange man sich daran hält, kommt man auch mit solchen Szenen durch. Und Niels hat das wirklich sehr einfühlsam inszeniert.

Trotzdem sehr mutig von Ihnen...

Als Australierin habe ich mit Nacktheit kein Problem. Jeder Strand in Australien ist ein „Oben-ohne“-Strand. Ich bin halbnackt herum gelaufen, bis ich etwa 15 Jahre alt war (lacht). 

Dann reden wir doch mal über Ihre Kindheit: Sie und Ihre Schwestern sind nach Blumen benannt, ihr Bruder heißt Jethro Tull; klingt nach Flower Power?

Ich glaube, dass meine Eltern vor allem cool sein wollten (lacht). Sie waren sehr junge Eltern und wohl auch deshalb sehr liberal. Meine Mutter war zwar sicher kein echter Hippie, aber sie hat sich damals wohl für ein Flower Power-Mädchen gehalten. Heute ist sie eine sehr toughe, sehr britisch erscheinende Frau, während mein Vater durch und durch Australier ist. 

Auch Sie selbst sollen sehr früh Ihren eigenen Kopf durchgesetzt haben...

Das stimmt. Ich habe die Schule mit 18 geschmissen und bin auf eigene Faust in die USA gegangen...

Stimmt es, dass man Sie in den Jahren zuvor von nahezu jeder Schule im Großraum Sydney geworfen hat?

Ja (lacht)! Ich hätte wirklich einen Laden für Schuluniformen eröffnen können, so viele hatte ich von diesen Dingern. Ich habe eigentlich gar nichts Schlimmes gemacht, aber ich hatte immer meine eigene Meinung und meinen eigenen Kopf. Das hat damals nicht jedem Lehrer gefallen (lacht). 

Sie sind nicht die einzige Australierin, die es nach Hollywood gezogen hat; denkt man an Kollegen wie Russell Crowe, Hugh Jackman, Cate Blanchett, Nicole Kidman, Chris Hemsworth oder auch Anthony LaPaglia, dann scheint Australien längst die Kontrolle über die Traumfabrik übernommen zu haben...

Da sind noch viel mehr von uns, Rose Byrne von „Damages“ etwa, oder Sam Worthington. Manchmal denke ich fast, dass irgendetwas im australischen Trinkwasser sein muss, dass ein Land mit so geringer Bevölkerungszahl so viele Schauspieler hervorbringt.Wir sind einfach überall (lacht)!

„Damages“ ist ein gutes Stichwort: Diese Serie, wie z.B. auch „The Wire“ oder „Boardwalk Empire“,zeigt, dass in Hollywood TV-Produktionen längst dichtere Geschichten erzählen und glaubwürdigere Charaktere vorstellen, als das in den meisten Kinofilmen der Fall ist; was ist passiert mit dem großen Hollywood-Kino?

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Poppy Montgomery © HRC/ WENN.com

Epische, breit erzählte Geschichten wie „Vom Winde verweht“ oder auch „Der englische Patient“ gibt es im US-Kino tatsächlich kaum noch. Kinofilme dauern heute in der Regel nur noch 90 Minuten, da ist echtes Story-Telling kaum noch möglich. Nur das Fernsehen versteht es noch dichte Stoffe zu erzählen. Dazu kommt, dass Fernsehen dank Flatscreen und Surround-Sound heute ein ganz anderes Seh-Erlebnis bietet als das noch vor 15, 20 Jahren der Fall war. 

Was sind Ihre Faves?

Ich finde „Damages“ ganz hervorragend, oder auch „Boardwalk Empire“ und „24“. Und ich habe eine echte Schwäche für Reality Shows. Ich bin geradezu süchtig nach „The Real Housewives of Beverly Hills“ und bin jetzt schon gespannt auf „The Real Housewives of Miami“, das bald anläuft. Diese Hausfrauen sind einfach mein ‚guilty pleasure’.

Das Interview führte Andreas Kötter

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