Ratgeber

Karfreitagsratschen statt Glocken

Karfreitagsratschen: Lärmender Brauch zu Ostern

Religiöse Feiertage sind gerade in ländlichen Regionen eng mit regionalem Brauchtum verbunden. Dazu gehören auch die Karfreitagsratschen. Was sich hinter dem Begriff verbirgt und wozu das Instrument genutzt wird, erfahren Sie im SAT.1 Ratgeber.

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Karfreitag verstummen die Kirchenglocken. Bis Ostersonntag kommen die Karfreitagsratschen zum Einsatz. © Tatlin-Pixabay

Was sind Karfreitagsratschen?

Karfreitagsratschen sind spezielle Geräuschinstrumente aus Holz, die einen ratschenden oder klappernden Klang von sich geben. Das Geräusch, das beim Gebrauch der Karfreitagsratschen erklingt, ist durchdringend und laut. Das muss es auch sein, denn alle Gläubige sollen es hören. Aber wieso? Das hat religiöse Gründe. Der Karfreitag wird auch als „stiller Freitag“ bezeichnet. Im Gedenken an den Leidensweg Christi verstummen die Kirchenglocken bis zum Ostersonntag. Übrigens wird den Kindern in vielen Ortschaften erzählt, dass die Glocken nach Rom fliegen, um die Beichte abzulegen. Erst am Ostersonntag kehren die Glocken und damit auch das Glockengeläut zurück.

Doch wie sollte die Bevölkerung in der verbleibenden Zeit auf die Messe aufmerksam gemacht werden? Zu diesem Zweck wurden die Karfreitagsratschen eingeführt. Ministranten und andere Kinder zogen durch den Ort und machten bis zum Ostersonntag durch das Geklapper auf den Kirchgang aufmerksam. Der Brauch ist vor allem in katholischen Gemeinden üblich.

Verse zu Ostern

Mehrmals am Tag drehen die Kinder ihre Runden und rufen mit den Karfreitagsratschen zum Angelusgebet. Das findet um 6, 12 und 18 Uhr statt. Begleitet wird das Geklapper von unterschiedlichen Sprechversen, die im Rhythmus der Klappern aufgesagt werden. Diese sind regional sehr unterschiedlich. Einer der Sprüche lautet zum Beispiel: „Wir ratschen, wir ratschen den englischen Gruß, den jeder katholische Christ beten muss.“ Mit dem „englischen Gruß“ ist hier eigentlich ein Engelsgruß gemeint. Für den christlichen Dienst der Kleinen wurde dann am Ostersamstag mit diesem Spruch der Lohn eingefordert: „Wir haben geklappert fürs Heilige Grab und bitten um eine milde Gab‘.“

Aufbau der klappernden Ratschen

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Zum Kirchgang werden die Gläubigen Ostern mit den Karfreitagsratschen gerufen. © Tpsdave-Pixabay

Auch wenn Sie Karfreitagsratschen inzwischen auch kaufen können, werden sie traditionell selbst angefertigt. Ministranten des Ortes bauen meist schon viele Wochen vor Ostern an den Geräuschinstrumenten. Der Bauplan für das lärmende Gerät wird von Generation zu Generation überliefert. Handwerker der Region können bei der Herstellung hilfreich zur Seite stehen. Es gibt verschiedene Bauarten, die sich von der Handhabung und dem Geräusch her unterscheiden. So kann der Lärm durch eine Kurbel ausgelöst werden, die die Holzleisten anheben und zurückschnellen lässt. Aber auch ein kleiner Hammer, der auf Holz schlägt, und viele andere Vorrichtungen können das klappernde Geräusch hervorrufen.  

Fazit: Karfreitagsratschen gehören zum religiösen Kulturgut katholischer Gemeinden. Mit den lärmenden Holzkästen werden Gläubige zum Gebet gerufen, wenn die Glocken von Karfreitag bis Ostersonntag schweigen.

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