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Alice Cooper hat im Moment mehr Zeit als ihm lieb ist. «Ich bin natürlich daran gewöhnt, mindestens sieben, acht Monate auf Tour zu sein. Ich vermisse den Rhythmus der Straße», sagt der 73-jährige Schockrocker («Poison») vor der Veröffentlichung seines neues Albums «Detroit Stories» an diesem Freitag (26. Februar). Er habe zwar jetzt viel mehr Zeit für seine vier Enkel - aber vier Stunden am Tag vor dem Fernseher zu sitzen, das sei trotzdem schwierig. Im Interview der Deutschen Presse-Agentur spricht er nicht nur über das Rockstar-Leben im Corona-Lockdown, sondern auch über die Zukunft der Rockmusik.

Frage: Warum wollten Sie Ihrer Geburtsstadt ein ganzes Album widmen?

Antwort: Wir wollten ein hartes, gitarrengetriebenes Album machen. Wir arbeiten gerne mit Themen und Konzepten und haben darum entschieden: Lasst uns in die Heimat des Hard Rock gehen. San Francisco hatte Grateful Dead, Detroit hatte Iggy und Alice Cooper - all diese Hard-Rock-Bands. Also sind wir nach Detroit gegangen und haben das Album dort nur mit Musikern aus Detroit aufgenommen.

Frage: Fühlt sich Detroit heute für Sie noch wie Zuhause an?

Antwort: Es hat sich sehr verändert. Detroit war eine sehr dunkle Stadt, eine Drogen-Hauptstadt. Heute ist es eine kosmopolitische Stadt und sicher. Aber diese Hard-Rock-Sache hat dort überlebt. Sie mögen keinen Soft-Rock in Detroit, sie wollen ihren Rock. Es ist keine sonderlich kultivierte Stadt, eine Auto-Industrie-Stadt. Die Leute arbeiten dort an lauten Maschinen und sie wollen, dass ihre Musik auch laut ist.

Frage: Ihr Album klingt etwas altmodisch - im besten Sinne. Aber hat Rock-Musik auch eine Zukunft?

Antwort: Die einzige Musik, die seit den 60er Jahren bis heute überlebt hat, ist Rock-Musik. Es gab Punk, Emo, Grunge und die Bands, die heute noch die Konzerthallen regieren, sind Aerosmith, Guns n' Roses, die Rolling Stones und wir. Und sie spielen alle Rock-Musik.

Frage: Aber glauben Sie auch, dass es eine junge Generation Rockstars geben wird?

Antwort: Eine junge Band sollte sich das schon genau anschauen: Wenn Ihr im Musikgeschäft überleben wollt, dann folgt keinem Trend, sondern spielt einfach Rockmusik. Rockmusik hat damit angefangen, Außenseiter-Musik zu sein und das ist sie heute wieder. Wenn man sich Leute wie Beyoncé anschaut, ist das ja fast eine Las-Vegas-Show, viel zu Showbiz-mäßig. Rockbands von heute sind wieder Außenseiter, Geächtete (original: Outlaws). Ich denke, genau so sollten sie auch sein. Diese jungen Leute sollten wirklich etwas Gefährliches ausprobieren, also ich würde etwas Gefährliches spielen wollen, wenn ich an ihrer Stelle wäre.

Frage: Halten Sie denn Ihr neues Album für gefährlich?

Antwort: Unsere Band war mal sehr gefährlich, aber ich weiß, dass ich heute niemanden mehr schocken kann. Die Leute erwarten diese Art Show von mir, aber die Zeiten, in denen wir leben, sind schockierender als alles, was ich jemals tun könnte. Damals war es leicht, Eltern damit, auf der Bühne Köpfe abzuschlagen, dazu zu bringen, mich zu hassen. Ich lebe nicht in einem dunklen Schloss, aber die Leute haben das tatsächlich geglaubt, weil sie daran glauben wollten, dass es die Figur wirklich gibt - wie sie das später auch bei Marilyn Manson glauben wollten. Heute wollen sie auf der Bühne einfach nur die Guillotine sehen.

Frage: Wie erleben Sie die Corona-Krise?

Antwort: Ich habe ein Jahr frei und sehr viel mehr Zeit mit meinen vier Enkelkindern. Sie leben alle in Arizona und ich sehe sie ständig. Aber ich bin natürlich daran gewöhnt, mindestens sieben, acht Monate auf Tour zu sein. Ich vermisse den Rhythmus der Straße. Davon muss man erstmal runterkommen - wie von einer Droge. Es ist ein bisschen schwierig, vier Stunden am Tag vor dem Fernseher zu sitzen. Aber jetzt fangen alle an, Termine für Ende August zu machen. Das will ich auch - auch mit den Hollywood Vampires, meiner anderen Band. Mit den Impfungen gibt es da vielleicht eine Chance. Und wenn es die gibt, werde ich auf zwei Tourneen sein - als Alice Cooper und mit den Vampires. Alice spricht ja nicht mit dem Publikum und kommuniziert nicht mit den Zuschauern. Aber bei den Vampires kann ich mit dem Publikum sprechen.

Frage: Nennt Sie eigentlich irgendjemand Vincent?

Antwort: Die einzigen, die mich jemals Vincent genannt haben, waren meine Mutter und Keith Richards. Ich weiß nicht, warum, aber er nennt mich immer Vincent oder Vince. Alle anderen nennen mich meistens Coop.

ZUR PERSON: Alice Cooper (73) heißt mit bürgerlichem Namen Vincent Damon Furnier und wurde als Schockrocker bekannt. Seine blutigen Bühnenshows, bei denen eine Guillotine eine wichtige Rolle spielt, sind legendär. Am Freitag bringt Cooper sein neues Album heraus. Er hat es seiner Geburtsstadt Detroit gewidmet und «Detroit Stories» genannt.