- Bildquelle: Henning Kaiser/dpa © Henning Kaiser/dpa

In einer außergewöhnlichen Aktion hat der Privatsender ProSieben am Mittwochabend sein Programm freigeräumt, um aus dem Alltag von überlasteten Pflegekräften in Deutschland zu berichten. Unter dem Motto "Nicht selbstverständlich" kamen zahlreiche Frauen und Männer aus Krankenhäusern und Altenheimen zu Wort, die auf die Probleme in der Pflege hinwiesen.

Auf Probleme in der Pflege hingewiesen

Die Entertainer Joko Winterscheidt und Klaas Heufer-Umlauf hatten wieder freie Sendezeit erspielt und nutzen sie diesmal, um auf den Pflegenotstand hinzuweisen.

Um 20.15 Uhr begann eine Sendung bei dem für Unterhaltung berühmten Privatsender, die weit länger dauerte als die üblichen 15 Minuten - bis in den frühen Donnerstag hinein.

Optisch begleiteten die Zuschauerinnen und Zuschauer per kleiner Kamera eine Schicht der Gesundheits- und Krankenpflegerin Meike Ista im Knochenmark- und Transplantationszentrum der Uniklinik Münster (dokumentiert als vom 18. März 2021).

Vor allem zu Beginn der Sendung wurden Stimmen und Köpfe anderer Pflegekräfte wie etwa Alexander Jorde aus Hildesheim oder Franziska Böhler aus Frankfurt/Main eingespielt, die auf die Not in deutschen Krankenhäusern hinwiesen. Sie machten vor allem die hohe Belastung und schlechte Bezahlung deutlich. Seit Jahrzehnten versäumten es Politik und Gesellschaft, faire Bezahlung und machbare Arbeitsmengen zu organisieren.

Manchmal nur 2 Pfleger für 35 Bedürftige

Der Kölner Krankenpfleger Dustin Struwe sagte, es sei traurig, dass eine Pandemie wie Corona nötig gewesen sei, um die schlimme Situation der Pflege in Deutschland zu verdeutlichen. Die Bottroper Altenpflegerin Flora Reiling sagte zum Beispiel, es sei schlimm, dass manchmal nur zwei Pflegende für 35 Pflegebedürftige zuständig seien.

Der Bielefelder Intensivpfleger Ralf Berning wies auf die andauernde Überlastung hin. Er kenne Leute, die 23 Tage am Stück arbeiteten, das sei "völlig unmenschlich". Er sei lange Soldat gewesen und ginge lieber wieder nach Afghanistan als noch einmal so etwas Schlimmes zu erleben wie während der zweiten Corona-Welle im Herbst.

Der Düsseldorfer Krankenpfleger Metin Dogru sagte, er liebe seinen Beruf, aber viele gäben auch auf, weil es zu anstrengend sei.

Die beiden Entertainer Joko Winterscheidt (42) und Klaas Heufer-Umlauf (37) behandeln in ihrer Sendung "Joko & Klaas Live" immer wieder gesellschaftlich relevante Themen.

Die freie Sendezeit hatten sich die Moderatoren in der am Dienstag ausgestrahlten Show "Joko & Klaas gegen ProSieben" erspielt, in der sie in mehreren Wettkämpfen gegen ihren Arbeitgeber antreten.

Novum für "Joko & Klaas

Erstmals in der besonderen Geschichte von "Joko & Klaas Live" seit 2019 hatten die Entertainer diesmal ProSieben gebeten, mehr Sendezeit als die sonst übliche Viertelstunde zugestanden zu bekommen.

"Sowas stellt nämlich in so'nem Sender ein bisschen was auf den Kopf und widerspricht genau genommen jeder Regel des Fernsehens", leitete Klaas die auf viele Stunden angelegte Pflegenotstand-Sondersendung ein. Joko ergänzte: "Ein Thema, das uns alle betrifft, mitten aus dem Leben, und dennoch zu oft ganz am Rand der allgemeinen Wahrnehmung. Viele Themen im Leben bekommen erst dann den Stellenwert, den sie verdient haben, wenn man die Gelegenheit bekommt, sich in ein Leben hineinzuversetzen, das nicht zwangsläufig das eigene ist."

Joko und Klaas dankten dem Sender in Unterföhring bei München. "Wir freuen uns sehr, dass sie diese - für einen Fernsehsender sehr ungewöhnliche - Idee mit uns umsetzen wollen", hatten beide schon am Nachmittag mitgeteilt. ProSieben-Chef Daniel Rosemann hatte erklärt: "Joko und Klaas haben wirklich eine besondere Idee für eine außergewöhnliche Aktion. Diese Idee will ProSieben unterstützen."