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Sturmtief "Sabine" hat in weiten Teilen Deutschlands den Verkehr durcheinandergebracht und bereits am Sonntagabend erste Schäden verursacht. Für die meisten Regionen rief der Deutsche Wetterdienst (DWD) die zweithöchste Unwetterwarnstufe aus, für manche Gegenden in Baden-Württemberg und Bayern sogar die höchste. Die stärksten Böen wurden mit einer Kaltfront erwartet, die am Abend - zusammen mit einzelnen Gewittern - zuerst den Nordwesten und bis Montagmorgen dann auch den Süden Deutschlands erreichen sollte.

Die Deutsche Bahn entschloss sich, den Fernverkehr bundesweit einzustellen - nach und nach sollten alle Züge ihre Fahrt an größeren Bahnhöfen beenden. Auf den Straßen kam es wegen umgestürzter Bäume ebenfalls zu Behinderungen, und auch der Flugverkehr war stark beeinträchtigt. Vielerorts hatten Feuerwehrleute alle Hände voll zu tun, um Schäden zu beseitigen.

An vielen Schulen fällt der Unterricht aus

Am Montag fällt an vielen deutschen Schulen der Unterricht aus, etwa in etlichen Großstädten Nordrhein-Westfalens sowie in Teilen von Bayern, Hessen, Niedersachsen und Bremen. In Baden-Württemberg können Eltern ihre Kinder vom Unterricht befreien lassen, falls es Gefahren auf dem Schulweg gibt.

Der DWD verzeichnete bereits am frühen Abend im Westen und Nordwesten schwere Sturmböen mit Windgeschwindigkeiten von 90 bis 100 km/h, vereinzelt sogar orkanartige Böen von 100 bis 115 km/h, wie die Meteorologen auf Twitter schrieben. Bei 90 bis 100 km/h bricht der Wind Bäume, größere Schäden an Häusern sind möglich. Das Sturmtief sollte die ganze Nacht von Norden nach Süden durch das Land ziehen.

Störungen im Zugverkehr den ganzen Montag

"Sabine" ist laut DWD ein Winterorkan, wie er etwa alle 2 Jahre vorkommt. So stark wie "Kyrill" (2007) oder "Lothar" (1999) werde "Sabine" nicht.

Die Deutsche Bahn hatte schon vorsorglich den Ausfall zahlreicher Zugverbindungen angekündigt. Reisenden wurde geraten, ihre Verbindung vor Fahrtantritt in der Reiseauskunft auf bahn.de oder in der App DB Navigator zu prüfen. Die wichtigen Hauptstrecken seien bis Sonntagnachmittag noch frei gewesen, teilte das Unternehmen mit. Im Nachmittag kündigte die Bahn dann die bundesweite Einstellung des Fernverkehrs an. Auch der Regionalverkehr war betroffen, etwa im bevölkerungsreichsten Bundesland Nordrhein-Westfalen. Auch andere Bahnunternehmen wie Metronom in Norddeutschland stellten Verbindungen ein.

Für Montagmorgen könne "bundesweit im Regional- und Fernverkehr keine zuverlässige Betriebsaufnahme" gewährleistet werden, kündigte die Bahn an. "Erst nach Sichtung der Schäden im Rahmen von Erkundungsfahrten und erforderlichen Reparaturarbeiten werden die Strecken sukzessive wieder freigegeben. Es ist leider schon jetzt absehbar, dass die Störungen den ganzen Tag über andauern werden."

IC fährt in umgestürzten Baum

Gestrandete Bahnreisende sollen im Rahmen ihrer Fahrgastrechte Hotelgutscheine und Taxigutscheine erhalten. In vielen größeren Bahnhöfen wurden nach Angaben des Unternehmens sogenannte Übernachtungszüge bereitgestellt. Bundesweit seien mehrere Tausend Bahnmitarbeiter zusätzlich im Einsatz, sagte Konzernsprecher Achim Stauß im Berliner Hauptbahnhof.

Im Emsland fuhr ein Intercity-Zug in einen umgestürzten Baum und steckte zeitweise auf offener Strecke fest. In dem IC von Amsterdam nach Berlin saßen etwa 300 Reisende. In Hamburg prallte eine oberirdisch fahrende U-Bahn gegen einen aufs Gleis gestürzten Baum und verkeilte sich. Nach ersten Angaben der Hamburger Hochbahn wurde niemand verletzt. Umgestürzte Bäume auch auf vielen Straßen: Die Autobahn 45 bei Hagen am Rand des Ruhrgebiets wurde in Fahrtrichtung Frankfurt voll gesperrt - voraussichtlich bis Montagmittag.

Etliche Flughäfen - darunter große wie Frankfurt/Main, München und Düsseldorf - strichen Starts und Landungen. Auch am Montag ist mit Annullierungen zu rechnen. Auch am Amsterdamer Flughafen Schiphol fielen Flüge aus. An den Küsten wurden viele Fährverbindungen eingestellt.

Einige Zeitungen liefern Montagmorgen nicht aus

Auch Fußballspiele wurden gestrichen, darunter das von Fans sehnlich erwartete rheinische Bundesliga-Derby Mönchengladbach gegen Köln. Im westfälischen Halle wurde ein Konzert der Schlagersängerin Andrea Berg abgesagt.

In Schleswig-Holstein und Mecklenburg-Vorpommern kam es in einigen Haushalten zu Stromausfällen. In Köln wurde der Bereich um den Dom weiträumig abgesperrt - um niemanden in die Gefahr von Steinschlägen zu bringen. Die Klassik Stiftung Weimar warnte vor dem Besuch ihrer historischen Park- und Gartenanlagen. Es bestehe die Gefahr, dass Äste von teils mehr als 200 Jahre alten Bäume abbrechen oder Bäume umstürzen. In Paderborn verletzte ein herabstürzender Ast nach Polizei-Angaben einen 16-Jährigen. In Mecklenburg-Vorpommern berichtete die Polizei von umgestürzten Dixi-Klos.

Mehrere Zeitungen in Deutschland entschieden sich wegen der Sturmgefahren, ihren Abonnenten ihre Montagsausgaben als E-Paper zur Verfügung zu stellen. "Die Gesundheit unserer Zusteller geht vor", erklärte etwa die "Augsburger Allgemeine". Wegen der unsicheren Wetterlage könne man nicht sicherstellen, dass die Zustellung am Montag problemlos funktioniere.

Eiffelturm in Paris gesperrt

In Großbritannien und Irland, wo "Sabine" den Namen "Ciara" trägt, kam es zu erheblichen Schäden. Hier wurden Windgeschwindigkeiten von bis zu 150 Kilometern pro Stunde gemessen. Mehrere Flüsse traten wegen der starken Regenfälle über die Ufer. Umgestürzte Bäume blockierten Straßen und Schienen. Zahlreiche Zugverbindungen und Flüge wurden gestrichen. Der Hafen von Dover stellte den Fährbetrieb ein. Zehntausende Haushalte in Großbritannien und Irland hatten vorübergehend keinen Strom. Die Queen verzichtete auf ihren Gottesdienstbesuch, um Schaulustige nicht zu gefährden.

Auch in anderen europäischen Ländern gab es Vorkehrungen. Der französische Wetterdienst rief Dutzende Départements zu erhöhter Alarmbereitschaft auf. An der nordwestlichen Küste Frankreichs wurde vor Überschwemmungen gewarnt. In Paris wurde der Eiffelturm gesperrt. In Belgien kam es zu Verkehrsbehinderungen durch auf Bäume gestürzte Straßen. Der niederländische Wetterdienst forderte Autofahrer auf, nicht mit Anhängern und Wohnwagen zu fahren.

Zunächst war der Sturm auch noch Spaß: Winddicht eingepackt stemmten sich in St. Peter-Ording an der Nordsee (Schleswig-Holstein) zahlreiche Eltern mit ihren Kindern sowie Hundehalter mit ihren Vierbeinern gegen die Böen. Auch Kite-Surfer nutzten den heftigen Wind.