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Im Internet kursiert die Behauptung, dass beim Tragen von Schutzmasken zur Eindämmung der Corona-Pandemie eine Kohlendioxid-Vergiftung droht. Als Beleg wird ein Arbeitsschutz-Poster einer Gaserzeugerfirma verbreitet, auf dem vor den Gefahren von CO2 in geschlossenen Räumen gewarnt wird. Unter einer Alltagsmaske seien schon Werte gemessen worden, die den Firmenangaben zufolge gefährlich sein können, heißt es im Text dazu.

BEWERTUNG: Der Bezug zur Gefahr von CO2-Vergiftungen in geschlossenen Räumen ist irreführend. Denn bei einer Alltagsmaske handelt es sich nicht um einen solchen Raum. Die Luft unter einer Mund-Nasen-Bedeckung macht vielmehr nur einen Bruchteil der Luft aus, die man einatmet.

FAKTEN: In dem Beitrag im Internet wird das Risiko von CO2-Vergiftungen in geschlossenen Räumen mit dem Tragen von Alltagsmasken in Bezug gesetzt. Das lässt sich aber nicht vergleichen. Denn solche Corona-Schutzmasken schließen nicht luftdicht ab.

Außerdem atmet man deutlich mehr Luft ein als nur die unter dem Mund-Nasen-Schutz. Ein gesunder Erwachsener habe im Ruhezustand ein Atemzugvolumen, das von knapp 500 Millilitern bis zu knapp unter einem Liter reicht, erklärt Michael Achenbach, Mediziner und Sprecher des Berufsverbandes der Kinder- und Jugendärzte (BVKJ). Bei Belastung sei dies ohne weiteres auf mehrere Liter steigerbar. Die Luft unter der Maske mache dagegen deutlich weniger als 50 Milliliter aus.

Zudem handele es sich dabei nicht um ein reines Totraumvolumen. Damit wird die Menge an Luft bezeichnet, die nicht ausgetauscht wird. Denn die Luft unter einer Alltagsmaske vermischt sich mit der Luft von außen.

Irreführende Messungen

Es ist zwar richtig, dass Werte ab zehn Prozent CO2 in der Umgebungsluft tödlich sein können, wie es in dem Beitrag und in den Warnhinweisen der Gaserzeugerfirma heißt. Und im Internet werden Videos verbreitet, in denen CO2-Messgeräte bei der Analyse der Luft unter der Maske überhöhte Werte anzeigen.

Solche Messungen sind aber irreführend, da die benutzten Geräte oft nicht für den Zweck gedacht sind, die Atemluft zu analysieren, wie Professor Uwe Pliquett vom Institut für Bioprozess- und Analysenmesstechnik in Heilbad Heiligenstadt erklärt. Dies kann für CO2-Messgeräte unter anderem deshalb schwierig sein, weil hohe und niedrige Werte beim Aus- und Einatmen schnell wechseln.

Selbst wenn man von erhöhten CO2-Werten unter der Maske durch die verbliebene ausgeatmete Luft ausgeht, relativiert sich dies beim Blick auf die gesamte Atemluft, erklärt Pliquett. "Dann liegt der mittlere CO2-Wert der Einatemluft bei etwa 0,1 bis 0,2 Prozent, je nachdem, wie viel CO2 in der Umgebungsluft ist." Das entspricht den Werten, die laut dem Umweltbundesamt noch unterhalb eines kritischen Niveaus liegen.

Das Tragen einer Mund-Nasen-Bedeckung ist Experten zufolge für gesunde Menschen grundsätzlich unbedenklich. So geht die Deutsche Atemwegsliga davon aus, dass bei einem einfachen chirurgischen Mundschutz oder einer selbst hergestellten Mund-Nasen-Bedeckung ein Anstieg des Kohlendioxids unwahrscheinlich sei - weil diese Masken nicht völlig dicht seien.

Lediglich bei Patienten mit chronischer Atemschwäche könnten der Kohlendioxidanteil und die "Atemarbeit" ansteigen, "so dass die Bedeckung von Mund und Nase als unangenehm oder bedrohlich und subjektiv als Atemnot empfunden wird". Auch bei professionellen Masken (FFP2, FFP3) seien bedrohliche Anstiege des CO2-Gehalts im Blut wegen Masken "unwahrscheinlich".