Über 800 Steinfiguren, auch Moai genannt, zeugen auf der Osterinsel in Polynesien von einer untergegangenen Kultur. Seit Jahrhunderten versuchen Wissenschaftler dem Rätsel um die Steingiganten auf die Spur zu kommen. Was ist ihre Bedeutung, wie konnten sie gebaut werden und wieso stehen sie, wo sie stehen? 

Warum stehen die Statuen, wo sie stehen? 

Zumindest auf die letzte Frage haben US-Forscher der Binghampton University in New York nun eine Antwort gefunden. Sie untersuchten den Standort der als Ahu bekannten Megalith-Plattformen, auf denen sich viele der Statuen befinden. Parallel dazu schauten sie sich die Vorkommnisse von Ressourcen, wie Steinvorkommen oder Trinkwasser an. Dabei fanden sie heraus, dass die Steinfiguren nicht etwa in der Nähe von großen Steinvorräten gebaut wurden, von denen Werkzeuge und Baumaterial beschafft werden konnten, sondern in der Nähe zu frischem Trinkwasser. Das Ergebnis der Forscher ist eindeutig: "Jedes Mal, wenn wir große Mengen an Süßwasser fanden, sahen wir riesige Statuen", sagte Studienautor Prof. Carl Lipo, dessen Ergebnisse im "Journal PloS One" erschienen. 

Statuen waren in die Gemeinschaft integriert 

Die wichtigste Erkenntnis für die Forscher: Bei den Standorten der Moai handelt es sich nicht um mysteriöse Ritualorte, zu denen die Bewohner gepilgert sind. Die Monumente besitzen zwar eine Symbolik, waren aber in das Leben in der Gemeinschaft integriert. 

Die Figuren könnten möglicherweise eine Tradition des Teilens beschworen haben. Denn Trinkwasser war auf der Insel sehr knapp und konnte durch die Steinfiguren gekennzeichnet werden. Gemeinschaft und Kooperation waren auch beim Bau der Monumente besonders wichtig, erklärt Lipo: "Alles, was die Bewohner zusammenbrachte, machte sie stärker und ermöglichte ihnen das Überleben", erklärt er. "Ich denke, das ist das Geheimnis der Osterinsel." 

Wasserqualität bestimmt Größe der Monumente 

Die Forscher fanden übrigens keine Hinweise darauf, dass die Gemeinschaften der Inselbewohner wegen der knappen Wasservorräte Gewalt gegeneinander ausübten. Jedoch untersuchen sie, ob bestimmte Merkmale der Monumente, wie zum Beispiel ihre Größe, mit Qualität und Menge der Wasserressourcen am Standort zusammenhängen. So könnte eine Gemeinschaft möglicherweise einen Wettbewerbsvorteil gegenüber anderen Gruppen von Inselbewohnern zum Ausdruck bringen.