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75 Jahre nach Gründung der CDU sieht Parteichefin Annegret Kramp-Karrenbauer immer noch Defizite bei der Frauenförderung. Zwar sei die erste Kanzlerin in Deutschland und die erste Verteidigungsministerin eine Christdemokratin gewesen, gleichwohl räumte sie am Freitag im Fernsehsender Phoenix ein: "Ja, wir brauchen mehr Frauen in unserer Partei, daran arbeiten wir. Wir brauchen auch mehr in der Repräsentanz, in Ämtern und Mandaten. Das ist mir ein persönliches, wichtiges Thema." Daran arbeite derzeit auch die Satzungskommission der Partei, die sich auch mit Themen wie Quoten und Paritäten beschäftige.

Steinmeier lobt Politik

Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier bescheinigte der CDU, sie habe es immer wieder vermocht, ihre Überzeugungen behutsam zu modernisieren und Lösungen für neue Probleme zu entwickeln. Deutschland stehe heute vor der Aufgabe, die liberale Demokratie gegen Angriffe autoritärer Bewegungen zu stärken. "Es ist meine tiefe Überzeugung, dass wir dafür lebendige, bürgernahe und überzeugungsstarke demokratische Parteien brauchen", schrieb der Bundespräsident an Kramp-Karrenbauer anlässlich der Parteigründung vor 75 Jahren.

Die SPD-Spitze gratuliert der CDU ebenfalls - und machte dabei augenzwinkernd auf den Altersunterschied der schwarz-roten Koalitionspartner aufmerksam. "Für uns, die wir mit unseren 157 Jahren in allem Respekt "die alte Tante SPD" genannt werden, steckt eine 75-Jährige natürlich fast noch in der Pubertät", heißt es in einem Brief der SPD-Chefs Saskia Esken und Norbert Walter-Borjans an die CDU-Chefin, der der dpa vorlag. "Wir wünschen der CDU Deutschlands eine lange und prosperierende Zukunft, müssen aber einschränken: So alt wie wir werdet Ihr nie!"

Geburtstag 26. Juni 1945

Am 17. Juni 1945 wurde eine elfköpfige Kommission berufen, die ein Programm für eine zu gründende Partei erarbeiten sollte - die "Kölner Leitsätze". Am 26. Juni gab es dann den Berliner Gründungsaufruf, der zunächst regionale Parteigliederungen brachte. Am 20. Oktober 1950 kam es dann zum Gründungsparteitag der Bundes-CDU in Goslar.

Bundestagspräsident Wolfgang Schäuble rief die CDU im Inforadio vom rbb auf, sich mehr um das Thema Klimawandel zu kümmern. Im Übrigen sei eine Partei "nur dann zukunftsfähig, wenn sie nicht sagt, es steht schon immer in unserem Programm, sondern wenn sie sagt, so ist die Welt, heute im Jahr 2020, am 26. Juni, und darauf müssen wir Antworten suchen: Jetzt zum Beispiel unter den Bedingungen der Pandemie."

Die Lehren aus der Corona-Pandemie sollen laut CDU-Chefin auch Einfluss auf die künftige Ausrichtung ihrer Partei haben. "Wir lernen aus Corona, dass wir in manchen Dingen bei weitem nicht so gut aufgestellt waren, wie wir gedacht haben", sagte sie im ARD-"Morgenmagazin". Zugleich wies sie darauf hin, dass "manches in Deutschland auf einmal einfacher, schneller ging, etwa bei der Digitalisierung." All diese Erfahrungen werde die CDU in ganz konkrete Vorschläge umsetzen.

Derzeit konzentriere man sich vor allem auf das neue Grundsatzprogramm, das bis zum Parteitag im Dezember stehen soll. Die Kandidatenfrage dagegen interessiere im Moment in der Partei "wirklich niemanden". Die Christdemokraten wollen auf einem Parteitag Ende des Jahres die Nachfolge der scheidenden Parteichefin klären. Als aussichtsreiche Bewerber gelten NRW-Ministerpräsident Armin Laschet, der Wirtschaftspolitiker Friedrich Merz und der Außenpolitiker Norbert Röttgen. Anschließend soll mit der CSU über einen gemeinsamen Kanzlerkandidaten beraten werden.

Merz warb im "Spiegel" für eine Koalition mit den Grünen. "Ich traue mir zu, das Unionsprofil in einer Konstellation mit den Grünen klar erkennbar zu machen und dafür zu sorgen, dass wir nicht nur wirtschafts- und finanzpolitisch vernünftige Dinge beschließen, sondern auch in den gesellschaftspolitischen Fragen."

Laschet will als Parteichef das Wirtschaftsprofil der CDU wieder schärfen. "Wir brauchen jetzt vor allem ein Konzept, das die Wirtschaft des Landes stabilisiert und für neues Wachstum sorgt", sagte er dem RedaktionsNetzwerk Deutschland (RND, Freitag) auf die Frage, wie er die CDU als Chef neu aufstellen würde. Das Konjunkturprogramm sei da nur ein erster Schritt.

Gegenüber seinen Konkurrenten Merz und Röttgen zeichne ihn aus, dass er als Regierungschef im größten Bundesland jeden Tag konkret und praktisch Führungsstärke beweise, sagte Laschet. Auf die Frage, ob er als Wahlkämpfer bei der Bundestagswahl 2021 noch einmal auf Merkel hoffe, sagte er: "Angela Merkel ist Bundeskanzlerin und ihre Anerkennung steigt."

Die Partei steht 75 Jahre nach ihrer Gründung und mit dem Ende der Ära von Kanzlerin Angela Merkel, die die CDU von 2000 bis 2018 geführt hatte, vor einer Neuaufstellung. CDU-Generalsekretär Paul Ziemiak warnte seine Partei davor, jetzt in Macht- und Flügelkämpfe zu verfallen. Er sagte der Deutschen Presse-Agentur: "Gleich, wer neuer Vorsitzender wird, die Partei muss sich hinter ihm versammeln und zusammen an einem Strang ziehen." Die aktuellen Umfragewerte zeigten, dass der Wähler Geschlossenheit und Zusammenhalt honoriere.

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