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Der russische Präsident Wladimir Putin hat im Streit mit der Ukraine um die Vergabe von Staatsbürgerschaften versöhnliche Töne angeschlagen. Am besten sei es, wenn Ukrainer und Russen eine gemeinsame Staatsbürgerschaft hätten, sagte er am Montag in Moskau russischen Journalisten. «Wenn sie die Staatsbürgerschaft den Russen in der Ukraine geben und wir den Ukrainern in Russland, dann kommen wir ziemlich schnell zu einem gemeinsamen Nenner und dem gesuchten Ergebnis. Wir werden die gemeinsame Staatsbürgerschaft haben», sagte Putin bei einem Empfang mit Sekt für die «Helden der Arbeit».

«Wir haben viel gemeinsam. Wenn wir eine Staatsbürgerschaft haben, profitieren die Russen und die Ukrainer davon nur», sagte Putin. Dann würden beide Länder stärker und erfolgreicher. Russen und Ukrainer seien ein Volk mit jeweils eigenen kulturellen und sprachlichen Besonderheiten, meinte Putin.

Der Kremlchef reagierte damit auf Aussagen des künftigen ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj vom Wochenende, wonach er unzufriedene Russen einbürgern wolle. Wahrscheinlich sei er jemand, mit dem eine Einigung möglich sei, meinte Putin mit Blick auf Selenskyjs bei Facebook veröffentlichte Aussagen. Der Komiker Selenskyj hatte Putin auch Gesprächsbereitschaft signalisiert.

In einem Schlagabtausch warb Selenskyj dafür, dass die Ukraine im Gegensatz zu Russland demokratisch sei und freiheitsliebenden Bürgern des Nachbarlandes eine neue Heimat bieten könne. Auch den Ball nahm Putin nun auf und erinnerte an Bürger wie den früheren georgischen Präsidenten Michail Saakaschwili, dem die ukrainische Staatsbürgerschaft zu Unrecht entzogen worden sei. Es sei wichtig, über Freiheiten zu sprechen, meinte Putin. Er verabschiedete sich von den Journalisten auf Ukrainisch mit: «Do pobatschennja» (auf Deutsch: «Auf Wiedersehen!»)

Umstrittene Ausgabe der Pässe an ukrainische Staatsbürger

In der vergangenen Woche hatte Putin per Dekret geregelt, dass ukrainische Bürger in der umkämpften Ostukraine - in Teilen der Gebiete Luhansk und Donezk - leichter russische Pässe bekommen sollen. Die Ukraine und der Westen protestierten dagegen.

Die russischen Behörden begannen am Montag mit der umstrittenen Ausgabe der Pässe an ukrainische Staatsbürger. In Nowoschachtinsk im Gebiet Rostow öffnete das erste Zentrum für die Ausgabe russischer Pässe an Bürger der selbst ernannten Luhansker Volksrepublik im Testbetrieb. Zunächst erhielten Funktionäre des Gebiets die russischen Pässe, sagte Kirill Alsinow vom Migrationsdienst des Innenministeriums der Agentur Interfax zufolge. Eine Pflicht, auf die ukrainische Staatsbürgerschaft zu verzichten, gebe es nicht.

Der Präsident hatte dies als humanitäre Aktion für die Menschen im Kriegsgebiet bezeichnet. Dort kämpfen aus Russland unterstützte Separatisten gegen ukrainische Regierungstruppen. Russland will sich die Einbürgerungsaktion einen Milliardenbetrag kosten lassen. Offiziell gratuliert hat Moskau dem Wahlsieger in Kiew bisher nicht - anders als Brüssel, Berlin und Washington. Selenskyj wartet weiter auf das amtliche Endergebnis der Wahl vom 21. April. Er hatte nach vorläufigen Zahlen mit 73 Prozent der Stimmen gegen Amtsinhaber Petro Poroschenko gewonnen.