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Wer Donald Trumps Widerstand gegen die Schutzmaske verstehen will, muss in seinem Twitter-Feed einen Monat zurückgehen. Da teilte der US-Präsident ein Foto von Ex-Vizepräsident Joe Biden - mit Sonnenbrille und schwarzem Mund-Nasen-Schutz. Das Foto ist überschrieben mit den Worten: "Das könnte helfen zu erklären, warum Trump in der Öffentlichkeit keine Maske tragen will." Biden will Trump bei der Wahl im November seinen Platz im Weißen Haus streitig machen - und auf dem Weg dorthin lässt Trump keine Gelegenheit aus, sich über seinen Kontrahenten lustig zu machen. Auch in Sachen Maske setzt er auf Abgrenzung. "Es ist, als wäre sein ganzes Gesicht bedeckt. Es ist, als hätte er einen Rucksack über sein Gesicht gestülpt", sagte Trump kürzlich in einem Interview.

Es gibt wenig, worüber die politischen Lager in den USA nicht streiten - die Maske ist ein weiterer Beweis dafür. Der Mund-Nasen-Schutz, der zu Beginn der Pandemie als verzichtbar galt, aber mittlerweile auch in den USA zum Schutz anderer empfohlen wird, ist zu einem weiteren Sinnbild für die Spaltung in Amerika und ein Politikum geworden. Das Tragen oder Nicht-Tragen einer Maske sorgt seit Wochen für Gesprächsstoff - und mal wieder steht Trump dabei im Mittelpunkt.

Keine landesweite Maskenpflicht

In den USA gibt es keine landesweite Maskenpflicht. Die US-Gesundheitsbehörde CDC empfiehlt aber seit Anfang April, dass im Kampf gegen das Coronavirus auch gesunde Menschen ohne Symptome Stoffmasken in der Öffentlichkeit tragen sollten. Das gilt vor allem dort, wo es schwierig ist, genügend Abstand zu anderen Menschen zu halten. Angesichts von Rekordwerten bei den täglichen Neuinfektionen in mehreren Bundesstaaten werden die Appelle an die Bürger dieser Tage wieder lauter. In Städten wie der Hauptstadt Washington kommt man weder in den Supermarkt noch in den Friseursalon, ohne den Mund und die Nase zu bedecken.

Trump hatte im April umgehend klargemacht, sich entschieden zu haben, selbst keine Maske aufzusetzen. Vor jeder Reise, die Trump mittlerweile wieder macht, wird gemutmaßt, ob er dieses Mal doch eine trägt - oder gar dazu gezwungen wird. Trump spielt das Spiel mit: Bei einem Fabrik-Besuch im US-Bundesstaat Michigan im Mai sagte Trump, er habe bei einem Teil des Fabrikrundgangs eine Maske getragen, "aber ich wollte der Presse nicht die Freude machen, das zu sehen". Ein Foto von dem raren Moment konnte Trump nicht verhindern. Wenige Wochen zuvor hatte sein Vize Mike Pence Kritik auf sich gezogen, als er bei einem Klinikbesuch als einziger ohne Maske auftrat und damit eine entsprechende Vorschrift des Krankenhauses missachtete.

"Es ist eine persönliche Entscheidung", befand Trumps Sprecherin Kayleigh McEnany kürzlich. Auch sie trage keine Maske - schließlich werde sie regelmäßig auf das Virus getestet. Dieses Privileg hat nicht jeder - und in der ohnehin erbittert geführten Diskussion über den richtigen Umgang mit der Krise hat die Haltung des Weißen Hauses Signalwirkung, wie in den vergangenen Tagen deutlich wurde. Bei Trumps ersten Wahlkampfauftritten seit der Unterbrechung wegen der Corona-Krise in Oklahoma und Arizona zeigten sich nur die wenigsten Anhänger mit Masken - und das, obwohl sie sich in geschlossenen Räumen versammelten, dicht an dicht.

Immer wieder sorgt Trump für Irritationen, wenn er Reporter auffordert, beim Stellen einer Frage doch bitte die Maske abzunehmen. Er hält es sogar für möglich, dass Menschen mit den Masken ihre Missbilligung für ihn zum Ausdruck bringen. "Es könnte sein, ja. Es könnte sein", sagte Trump auf eine entsprechende Frage in einem Interview mit dem "Wall Street Journal".

"Er ist ein Dummkopf, ein absoluter Dummkopf"

Die Ablehnung der Maske ist für Trumps Gegner Ausdruck davon, dass Trump die Tragweite des Coronavirus noch immer herunterspielt - trotz der mehr als 125 000 Toten, die die USA im Zusammenhang mit der Erkrankung Covid-19 zu beklagen haben. "Er ist ein Dummkopf, ein absoluter Dummkopf", sagte Biden zu Trumps Spott in einem CNN-Interview. Jeder führende Mediziner der Welt sage, dass man Masken tragen solle. Für ihn stehe das Tragen einer Maske nicht für Stärke oder Schwäche, sondern für "Führerschaft".

Trump sei kein gutes Vorbild, indem er es nicht für nötig halte, eine Schutzmaske anzulegen, sagte die Sprecherin des Repräsentantenhauses, die Demokratin Nancy Pelosi. "Nicht, um sich selbst zu beschützen, wenn er sich unverwundbar fühlt, sondern um andere zu beschützen. Deswegen tragen wir Masken." Pelosi wurde in der Krise längst zur Stilikone erklärt. Sie hat ihren Mund-Nasen-Schutz stets auf ihr Outfit abgestimmt: Zum gelben Kleid und gelber Kette wählt sie Gelb-Weiß gepunktet, zum blauen Top und weißen Blazer eine blaue, zum pinken Hosenanzug eine mit Kirschen bedruckte Maske.

Und die USA wären nicht die USA, wenn es nicht längst Umfragen zu der Frage gäbe, ob die politische Gesinnung eine Rolle bei der Akzeptanz der Maske spielt. Schon im April fand das Meinungsforschungsinstitut Gallup heraus, dass deutlich mehr Menschen, die sich als Republikaner bezeichnen oder der Partei nahe stehen, angaben, nie eine Maske in der Öffentlichkeit zu tragen (46 Prozent). Ihnen gegenüber stehen 83 Prozent der Demokraten und demokratisch gesinnten Befragten, die angaben, immer oder manchmal eine Maske außerhalb des Hauses zu tragen.

Eine neue YouGov-Umfrage im Auftrag von Yahoo ergab, dass die meisten Demokraten (86 Prozent) eine Maskenpflicht unterstützen, während die meisten Republikaner (54 Prozent) diese ablehnen. Unter den Trump-Wählern habe sich ein noch eindeutigeres Bild der Ablehnung gezeigt.