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Uli Hoeneß und Karl-Heinz Rummenigge debattierten gestenreich auf der Ehrentribüne. Statt das nächste Torfest ihres Herzensclubs zu bejubeln, ärgerten sich die einstigen Bayern-Bosse über die erste Niederlage der bald 100 Tage langen Amtszeit von Julian Nagelsmann. Der Trainer selbst setzte am Montag auf ein Sportprogramm zur Frustbewältigung.

"Da komme ich dann auf hoffentlich ganz gute Ideen, die das wieder in die richtige Richtung lenken", sagte der 34-Jährige, der nach der Pleite gegen Eintracht Frankfurt aber schon einige Ansatzpunkte sah. "Wir hatten sehr vieles selber in der Hand und demnach kann man auch viele Lehren daraus ziehen."

Aufarbeitung zu dritt

Nur ein Rumpfteam um Kingsley Coman, Marc Roca & Co. hatte Nagelsmann am Tag nach dem 1:2 bei der Einheit an der Säbener Straße zur Verfügung. Bis zur umfassenden Aufarbeitung muss der Münchner Coach wegen der Länderspielreisen seiner Stars also bis kurz vor dem Spitzenspiel beim punktgleichen Verfolger Bayer Leverkusen warten.

Eigentlich würde er am liebsten sofort die Analyse machen, "weil es immer gut ist, das zeitnah zu erledigen, wenn das in den Köpfen noch präsent ist", sagte Nagelsmann am Sonntagabend. "Aber wir haben drei Spieler hier, der Rest ist verstreut bei den Nationalmannschaften."

Vor den Augen von Bundestrainer Hansi Flick scheiterten die Bayern um Torschütze Leon Goretzka in der Allianz Arena nicht nur am herausragenden Gäste-Keeper Kevin Trapp, sondern auch an eigener Abschlussschwäche und eklatanten Abwehrfehlern. "Wir waren sowohl vorne als auch hinten nicht effektiv", haderte Thomas Müller über den vier Tage nach dem 5:0 gegen Dynamo Kiew gestoppten Bayern-Express. "Wenn wir das 2:1 machen, dann kann es auch 3:1 ausgehen oder 4:1. Dann stehen wir wieder hier und singen Super-Bayern. Und so ist es nichts mit Super-Bayern."

Davon war vor allem der 42,5 Millionen Euro teure Neuzugang Dayot Upamecano weit entfernt. Bei den Gegentoren durch Martin Hinteregger und Filip Kostic unterliefen ihm Fehler. "Die ganze Kette war nicht so griffig in den Aktionen", sagte Nagelsmann und nahm seinen früheren Leipziger Spieler in Schutz. "Upa hat viele gute Spiele gemacht, jetzt mal ein etwas schwächeres. Das passiert."

Es schmerzt immer

Nach dem 1:1 zum Saisonstart bei Borussia Mönchengladbach bedeutete die erste Bundesliga-Heimpleite der Münchner seit fast zwei Jahren auch den ersten richtigen Dämpfer unter Nagelsmann. "Niederlagen schmerzen immer. Zum einen, weil es die erste war und zum anderen, war sie total vermeidbar", sagte der Neu-Trainer nach zuvor neun Pflichtspielsiegen am Stück.

"Wir sind immer noch Tabellenführer. Das ist wichtig", sagte Sportvorstand Hasan Salihamidzic. Allerdings sind die Münchner nach dem 4:0 von Leverkusen in Bielefeld nur noch aufgrund des besseren Torverhältnisses vorne, was die Spannung für das Spitzenspiel am 17. Oktober im Rheinland erhöht. "Wir sind gerade am Anfang, haben ein neues Trainerteam und eine sehr gute Phase gehabt", sagte Salihamidzic. "Die Entwicklung dauert an und wir werden noch besser."

Ansatzpunkte dafür lieferte der anfänglich sehr schwungvolle und insgesamt überlegene Auftritt gegen die Hessen. Nagelsmann vermisste allerdings die "maximale Schärfe". Sogar Weltfußballer Robert Lewandowski ließ diesmal Top-Chancen aus, etwa, als er aus wenigen Metern Trapp per Kopf nicht überwinden konnte. "Wir hatten viele Chancen. Aus der Niederlage kann man viel lernen für die Zukunft", sagte Lewandowski.