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Hoffnungsträger Alexander Zverev hat in Wimbledon gleich zum Auftakt gepatzt und das deutsche Erstrunden-Debakel beim berühmtesten Tennis-Turnier der Welt komplettiert. Der 22-jährige Hamburger unterlag am Montag überraschend dem tschechischen Qualifikanten Jiri Vesely und reihte sich damit in die Niederlagen-Serie ein. An einem frustrierenden deutschen Tennis-Tag auf der altehrwürdigen Anlage im Südwesten Londons schied auch der Weltranglisten-Fünfte nach einem 6:4, 3:6, 2:6, 5:7 aus.

Um 17.43 Uhr Ortszeit stand damit fest, dass kein einziger der sieben deutschen Starter - fünf Herren und zwei Damen - am Eröffnungstag die zweite Runde erreichte. Philipp Kohlschreiber blieb dabei gegen den serbischen Titelverteidiger Novak Djokovic ohne Chance. Das anfangs 14 Spieler umfassende Aufgebot des Deutschen Tennis Bunds reduzierte sich bereits nach dem ersten Tag um die Hälfte.

Auch für Zverev ist das berühmteste Tennis-Turnier damit vorbei, bevor es richtig angefangen hat. Nach dem ersten Matchball für den Vorjahres-Achtelfinalisten war sein Aus besiegelt - die Niederlage fügte sich in ein Auf und Ab in einer bislang durchwachsenen Saison der deutschen Nummer eins ein.

Schwierige Erstrundenpartie

Zverev hatte sich auf eine schwierige Erstrundenpartie eingestellt und der Weltranglisten-108. Vesely bestätigte schnell seine Einschätzung. Zunächst lief zwar alles wie gewünscht für den 1,98 Meter großen Schlaks aus Hamburg mit Wohnsitz in Monte Carlo. Die Nummer sechs der Setzliste schlug stark auf und sicherte sich mit dem ersten Break der Partie den ersten Satzgewinn.

Beobachtet von seinem Trainer Ivan Lendl verlor der 22-Jährige jedoch mit dem Aufschlagverlust im zweiten Satz seine Linie. Nach dem Satzausgleich fing Zverev an, mit dem Schiedsrichter zu diskutieren und gab prompt schon wieder seinen Aufschlag ab. Drei Chancen, wieder auf 3:4 heranzukommen ließ der deutsche Hoffnungsträger aus und musste wenig später bei Satzrückstand mit der Situation klar kommen, dass jede weiter Schwächephase das frühe Aus bedeuten würde.

Noch nie war Zverev bei seinen vier Wimbledon-Teilnahmen zuvor in der ersten Runde ausgeschieden, diesmal hatte ihm Davis-Cup-Teamchef Michael Kohlmann sogar den erstmaligen Sprung ins Halbfinale zugetraut. Zverev schien seine erste mittelgroße Ergebniskrise zum Ende der Sandplatz-Saison abgeschüttelt zu haben, seine Knieblessur vom Turnier im westfälischen Halle hatte er nach eigenen Worten rechtzeitig zum Höhepunkt der Rasensaison auskuriert.

Kein Weg zum Break

Schon oft hatte Zverev seine kämpferische Stärke bewiesen und drohende Niederlagen noch abgewendet. Gegen den konstant spielenden Linkshänder Vesely fand er aber im vierten Satz keinen Weg zu einem Break. Das erste Erstrunden-Scheitern bei einem der vier wichtigsten Turniere seit mehr als zwei Jahren ist zweifelsohne ein herber Rückschlag in Zverevs ambitioniertem Karriereplan.

Schon zuvor war der Eröffnungstag auf der berühmten Tennis-Anlage ernüchternd verlaufen. Kohlschreiber musste sich dem serbischen Weltranglisten-Ersten Djokovic 3:6, 5:7, 3:6 geschlagen geben. Der Augsburger zeigte zwar eine couragierte Leistung, blieb aber letztendlich chancenlos. Auch für Mona Barthel, Anna-Lena Friedsam, Peter Gojowczyk, Cedrik-Marcel Stebe und Mischa Zverev war das besondere Wimbledon-Gefühl schnell wieder Geschichte. Außer Zverev gelang es keinem, einen Satz für sich zu entscheiden.

Die deutschen Hoffnungen ruhen nun noch mehr auf Angelique Kerber. Die Titelverteidigerin greift wie sechs weitere deutsche Teilnehmer am Dienstag erstmals in das Spielgeschehen ein. Gegen die Schwäbin Tatjana Maria steht auch die Kielerin vor einer kniffligen Aufgabe.