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Im Streit um den Verlauf der geplanten Stromtrasse Suedlink hat Hessens Wirtschaftsminister Tarek Al-Wazir (Grüne) die thüringische Landesregierung kritisiert. Der Vorschlag Thüringens zum Verlauf der Leitung, die Windenergie von Nord- nach Süddeutschland transportieren soll, sei nicht sachgerecht. "Man hebt ein einzelnes Kriterium hervor und ignoriert dabei viele andere", sagte Al-Wazir der Deutschen Presse-Agentur in Fulda.

Die Trasse solle natürlich möglichst geradlinig verlaufen, befand auch Al-Wazir, "aber fachlich noch wichtiger sind Fragen der Umweltverträglichkeit und - gerade bei einem Erdkabel - der Geologie." Hessen, betonte der Minister, werde im weiteren Verfahren sehr aufmerksam darauf achten, dass der von Thüringen besonders betonte Aspekt der Geradlinigkeit nicht überbewertet werde.

Die Thüringer Landesregierung hatte kürzlich für den Leitungsverlauf einen Korridor durch Nord- und Osthessen vorgeschlagen. Infrastrukturministerin Birgit Keller (Linke) sagte, eine Route durch Thüringen widerspreche dem geforderten Gebot der Geradlinigkeit. Demnach solle sie sich möglichst ohne Umwege an der Luftlinie orientieren. Daher müsse der Wege westlich durch Hessen verlaufen.

Bundesnetzagentur muss entscheiden

Der Netzbetreiber Tennet favorisiert indes einen Korridor durch Thüringen. Das stößt bei den Anrainerkommunen in Süd- und Westthüringen auf heftige Gegenwehr. Mit dem Vorschlag zum Verlauf weiter westlich trifft Thüringen wiederum bei hessischen Kommunen auf Widerstand. Der Fuldaer Landrat Bernd Woide (CDU) etwa sagte: "Die Planung der Thüringer ist nicht fachlich und an der Sache orientiert, sondern politisch. Erfurt will sich die Trasse vom Hals halten." Auch Al-Wazir betonte: "Das Sankt-Florians-Prinzip hilft am Ende niemandem weiter."

Die Entscheidung über einen 500 bis 1.000 Meter breiten Korridor für die Leitungen trifft letztlich die Bundesnetzagentur. Nach deren Angaben spielen bei der Bewertung zum geeignetsten Verlauf viele Faktoren eine Rolle: Neben der Geradlinigkeit geht es auch um die Raum- und Umweltverträglichkeit. Siedlungen und Bebauungen können ebenso dagegen sprechen wie der Arten- und Naturschutz.

Energiewende ja, bitte! - aber keine Leitungen vor der Haustüre

Mit Blick auf die Kriterien zur Trassen-Suche betonte Al-Wazir: "Die Länge einer Leitung sagt allein nichts darüber aus, welche Umweltbeeinträchtigungen sie verursacht und welche Konflikte beispielsweise mit Siedlungen oder Verkehrswegen bestehen." Deshalb hätten die Übertragungsnetzbetreiber das Kriterium Geradlinigkeit auch nicht besonders hervorgehoben, als sie ihre Korridorvorschläge erarbeiteten.

Die rund 700 Kilometer lange Suedlink-Trasse soll die "Hauptschlagader" der Energiewende werden und Windstrom von Nord- nach Süddeutschland transportieren. Dort werden bis 2022 die noch verbliebenen Kernkraftwerke endgültig vom Netz gehen. Die Suedlink-Leitungen verlaufen von Brunsbüttel in Schleswig-Holstein nach Großgartach bei Heilbronn in Baden-Württemberg sowie von Wilster in Schleswig-Holstein nach Grafenrheinfeld in Bayern. Die Inbetriebnahme von Suedlink ist ab dem Jahr 2025 vorgesehen.

Hinzu kommt eine mehr als 600 Kilometer lange Leitung im Westen, die Nordsee-Strom von Emden über Osterath in Nordrhein-Westfalen bis Philippsburg in Baden-Württemberg transportieren soll. Wo exakt die Trassen gebaut werden, wird zwar erst etwa 2020/21 feststehen. Aber das Ringen darum, möglichst wenig von den Auswirkungen der Energiewende betroffen zu sein, ist bereits voll entbrannt.