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#Miese Grundbedingungen

Anke H. war auf der Reise im ICE. Der Komfort glich einem Desaster – die Klimaanlage war bei 40 Grad Außentemperatur ausgefallen, die kühlen Getränke im Bistro ausverkauft, die Sitzplatzreservierung entfallen. Doch dafür habe sie „immerzu Verständnis”. Aufgrund der Verspätung des Zuges machte sie sich auf den Weg in die S-Bahn, wo ihre Geduld jedoch ein Ende hatte.

#„Einmal die Fahrkarten, bitte!”

Aufgrund der Umstrukturierung fuhr Anke H. mit zwei gültigen Tickets: Dem DB-City-Fahrticket und ihrem übertragbaren Monatsticket. Ihr Fahrschein wurde ordnungsgemäß abgestempelt, doch ihr Blick richtete sich auf eine offenbar mittellose Frau ohne Fahrschein. Sie bot ihr das übertragbare Ticket an. Doch der Kontrolleur wollte diese mitmenschliche Geste nicht akzeptieren.

#Mitgefühl

„Die Frau, die ein paar Sitze weiter saß und kein Ticket vorweisen konnte, sah sehr erschöpft aus... vielleicht lag es an den Temperaturen, vielleicht am Grexit... wahrscheinlich aber an dem Umstand, dass sie nachts in der Stadt unterwegs war, um die 5 neben ihr stehenden Plastiktüten mit Pfandflaschen zu füllen und davon ihren Lebensunterhalt zu bestreiten”, schrieb Anke auf Facebook, um ihrem Ärger Ausdruck zu verleihen.

#Eine hohe Strafe

60 Euro Strafe fürs Schwarzfahren verhängte der Schaffner – vermutlich das Sechsfache dessen, was die Dame auf den Straßen gesammelt hatte. Doch warum? Zwei Menschen, zwei gültige Fahrscheine – da sollte es eigentlich kein Problem geben. Die Antwort der Bahn ist fast noch erschütternder. Sie entschuldigen sich für den Vorfall, betonen jedoch: „Allerdings werden solche Leute es dann grundsätzlich immer wieder versuchen. Wenn man immer ein Auge zudrückt oder immer jemand da ist, der in dieser Situation helfen möchte, so wie Sie, wäre ja grundsätzlich gar kein Ticketkauf notwendig.”

#Hohe Resonanz

Der Brief von Anke H. und die Antwort der Deutschen Bahn haben eine echte Welle der Entrüstung losgetreten. Schon über 65.000 Likes für ihren Einsatz für die Menschlichkeit und Nächstenliebe. Bleibt zu hoffen, dass es solche Szenarien in Zukunft nicht mehr geben wird.

Angeber-Fact: 60 Euro für einmal Schwarzfahren. Das klingt ganz schön viel. Das ist im internationalen Vergleich aber noch lange nicht auf Platz eins der Bußgeldhöhe. In Brüssel müssen ticketlose Fahrer bis zu 200 Euro abdrücken.

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