Jeder kennt das Gefühl, es einem anderen mal so richtig heimzahlen zu wollen. Doch in unserer westlichen Gesellschaft wird Rache als unedel und niedrig angesehen. Und trotzdem begegnet man ihr überall: in den kleinen Reibereien, die der Alltag so mit sich bringt, aus Eifersucht oder durch Trennungsschmerz, im Arbeitsleben, in der Politik.

Der Rachegedanke existiert seit Menschengedenken. Das Rachemotiv spielt eine zentrale Rolle in unzähligen Werken der Weltliteratur, im Theater, im Film. Lebensformen-Autorin Eva Arnold trifft Menschen, die sich intensiv mit dem Thema Rache auseinandersetzen, selbst Rache geübt oder erlebt haben. Im antiken Griechenland gab es die heilige Pflicht zur Rache erklärt Prof. Dr. Martin Zimmermann, Inhaber des Lehrstuhls für Alte Geschichte an der LMU. Diese Pflicht wurde vererbt und wer die geforderte Rachehandlung nicht ausführte, verlor sein Gesicht.

Woher das tief verwurzelte Vergeltungsbedürfnis der Menschen kommt und in welcher Art und Weise der Staat diesem Verlangen der Gesellschaft Rechnung tragen muss, erläutert Prof. Dr. Tonio Walter, Inhaber des Lehrstuhls für Strafrecht, Strafprozessrecht, Wirtschaftsstrafrecht und Europäisches Strafrecht der Universität Regensburg und Richter am Oberlandesgericht Nürnberg. Rache folgt fast immer dem Gefühl von erlittenem Unrecht. Wer sich von einer anderen Person unfair behandelt fühlt, möchte sich dafür rächen. Dr. phil. Bärbel Wardetzki, Diplom-Psychologin, gibt einen Einblick in die Dynamik von Rache und Drama.

Der Regisseur Abdullah Kenan Karaca hat am Münchner Volkstheater eine der berühmtesten antiken Rachegeschichten auf die Bühne gebracht. Die großartige Inszenierung der „Medea“ von Euripides zeigt eine mit sich und ihrem Schicksal ringende Frau, die aus Rache ihre beiden Kinder tötet.

Ein Film von Eva Arnold
Redaktion: Heike Springer

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