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KNUTSCH MICH! WARUM DIE EVOLUTION DAS KÜSSEN ERFUNDEN HAT

Rund 90 Prozent aller Menschen auf der Erde küssen. Doch was bewegt uns dazu, im Lauf unseres Lebens durchschnittlich 100.000 Mal die Lippen eines anderen zu liebkosen? Sigmund Freund, der Begründer der Psychoanalyse, stellte folgende Vermutung auf: Das genüssliche und befriedigende Saugen an der mütterlichen Brust löst zeitlebens ein Verlangen nach Küssen aus.

Eine andere Theorie lautet: Zu Urzeiten kauten Mütter ihren Kindern das Essen vor und flößten es ihnen mit gespitzten Lippen ein. Später gingen sie dazu über, die Kleinen durch Küssen zu beruhigen und ihnen Geborgenheit zu vermitteln – die Vorstufe des partnerschaftlichen Kusses. So oder so, feststeht, dass der Kuss überall auf der Welt ein Zeichen von Verbundenheit und Liebe ist. 

Und von oben kann es übrigens ganz schnell nach "unten" gehen. Beim Küssen senden Tausende Nervenzellen Botschaften ans Gehirn. Das neuronale Signalgewitter sorgt nicht nur für ein sinnliches Erlebnis, sondern auch dafür, dass ein erregender Hormon-Cocktail durch unsere Blutbahnen fließt. Man küsst, man streichelt, man … und landet eventuell im Schlafzimmer.

Welche Sinne noch bei Liebe und Partnerwahl eine Rolle spielen, liest du hier.

 

EIN WAHRES LIPPENBEKENNTNIS: AUS EINEM KUSS LÄSST SICH EINIGES HERAUSSCHMECKEN

Mit Nahrungsmitteln kennt sich unser Geschmackssinn bestens aus: Ob süß oder salzig, sauer oder bitter – er weiß sofort, was wir uns auf der Zunge zergehen lassen. Und er bewahrt uns davor, Unreifes, Verdorbenes oder Giftiges zu uns zu nehmen.

Und jetzt stell dir anstelle eines Tortenstücks bitte mal ein weibliches/männliches Schnittchen vor, das du küsst. Auch in dem Fall "sagt" der Geschmackssinn: lecker oder lieber nicht. Frosch oder Prinz:essin, die Wahrheit liegt in der biochemischen Zusammensetzung des Speichels.

Ähnlich wie unsere Nase können auch Zunge und Gaumen herausfiltern, mit wem wir es zu tun haben. "Beim Küssen werden über den Speichel Botenstoffe ausgetauscht, die etwas über den Charakter des Partners aussagen", erklärt die US-Anthropologin Helen Fisher. "Diese hormonellen Charakteristika haben Einfluss auf die Partnerwahl und auch auf das Verhalten in der Partnerschaft."

Unterschieden werden vier Charaktere:

  • Dopamin/Norepinephrin-Typ ("Entdecker"): neugierig, risikofreudig, abenteuerlustig, kreativ, optimistisch
  • Serotonin-Typ ("Gründer"): ausgeglichen, traditionell, bodenständig, methodisch, besonnen
  • Testosteron-Typ ("Wegbereiter"): analytisch, durchsetzungsfähig, pragmatisch, mutig, hilfsbereit
  • Östrogen/Oxytocin-Typ ("Diplomat"): fürsorglich, emotional, offen, intuitiv, vertrauensvoll

"Gleich und gleich gesellt sich gern" oder "Gegensätze ziehen sich an" – welche Paarungsdevise gilt? Eine Studie der Forscherin mit 40.000 Proband:innen kam zu diesem Ergebnis: Dopamin- und Serotonin-Typen bevorzugen ihresgleichen, Testosteron- und Östrogen-Typen reizt das Gegensätzliche.

 

UPS, DAS IST JA ANDERS… WAS FRAUEN UND MÄNNER MIT EINEN KUSS VERBINDEN

Kuss versus Sex. In dieser Hinsicht herrscht bei ihr und ihm Einigkeit: Küsse sind wichtiger als Sex. Aus der Oxford-Studie geht ebenfalls hervor, dass die Zufriedenheit eines Pärchens proportional dazu steht, wie oft sie sich küssen – wie oft sie miteinander schlafen, ist diesbezüglich nicht relevant. Offene Augen beim Küssen sind tabu, Blümchen- oder Goldfisch-Küsse mag niemand.  

Nun zu den Unterschieden: Für Frauen ist Küssen ein emotionaler Akt. Ihnen geht es darum, die gemeinsame Gefühlswelt zu vertiefen und dadurch die Beziehung zu festigen. Später dient das Küssen auch dazu, die Intimität aufrechtzuerhalten und den "Liebesstatus" abzuklären.

Männer dagegen knüpfen an den Lippenkontakt meist ein konkretes Ziel: den Orgasmus. Ein Zungenkuss ist für sie so etwas wie eine Zwischenstation auf dem Weg ins Bett. Wohl auch deshalb, weil ihr Speichel Testosteron enthält. Passiert das Sexualhormon die weiblichen Schleimhäute im Mund und wandert ins Blut, kommt sie schneller in Stimmung.  

BUSSI HIER, BUSSI DA: 5 FAKTEN ÜBERS KÜSSEN 

  1. In den 1980er-Jahren dauerte ein Durchschnittskuss 5,5 Sekunden, heute nehmen wir uns dafür gute 12 Sekunden Zeit.
  2. Wenn wir küssen, bewegen wir je nach Kuss-Art 38 bis 60 Muskeln.
  3. Menschen, die sich morgens mit einem Kuss von ihren Liebsten verabschieden, sind beruflich erfolgreicher und bauen weniger Unfälle.
  4. Bei einem Zungenkuss werden im Schnitt 60 Milligramm Wasser, 0,7 Milligramm Eiweiß, 0,7 Milligramm Fett und 0,4 Milligramm Salz ausgetauscht.
  5. Küssen kann man studieren: Die wissenschaftliche Erforschung des Kusses nennt sich Philematologie.

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