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Die "Rote Liste" der Tiere: Diese Tierarten sind vom Aussterben bedroht 

Die "Rote Liste" der Weltnaturschutzunion (IUCN) erfasst aktuell 32.441 bedrohte Tier- und Pflanzenarten weltweit – ein trauriger Rekord. Glattwale, Feldhamster, Lemuren und viele andere Spezies sind vom Aussterben bedroht. Derzeit findet das größte Artensterben seit dem Ende der Dinosaurier statt. Woran liegt das? Intensive Landwirtschaft, Klimawandel, Umweltverschmutzung, Überfischung der Meere und Trophäenjagd gefährden die Biodiversität unserer Erde. Viele Tiere und Pflanzen benötigen dringend Schutz.

Was ist die "Rote Liste"?

Die "Rote Liste" macht auf bedrohte Arten aufmerksam und trägt so zu ihrer Rettung bei. Die "Rote Liste" ist ein fester Begriff. Aber wer steckt eigentlich dahinter? Das größte Naturschutzbündnis der Welt: die IUCN. Die Abkürzung steht für "International Union for Conservation of Nature" (dt. Internationale Union zum Schutz der Natur).

1948 verbündeten sich aus 160 Ländern über 1.000 Mitglieder zu einer weltumspannenden Partnerschaft. Diese Mitglieder sind Staaten, staatliche Stellen und Nicht-Regierungs-Organisationen (NGO). Ihr Ziel: Die Unversehrtheit und Vielfalt der Natur schützen.1964 erstellte die IUCN die "Rote Liste" der bedrohten Tier-, Pilz- und Pflanzenarten ein. DIE IUCN hat ihren Sitz in Gland in der Schweiz.

Sie wuchs zur weltweit wichtigsten Daten- und Informationsquelle bezüglich bedrohter Arten heran. Die Liste selbst legt keine Regeln und Gesetze fest. Aber: Auf der Basis der wissenschaftlichen Fachdaten der "Roten Liste" diskutieren Experten auf Artenschutz-Kongressen darüber, welche Arten schutzbedürftig sind und welche (staatlichen) Maßnahmen wichtig sind. Die Listen fungieren wie Warnblinker, die auf Handlungsbedarf aufmerksam machen. Die Daten nutzen beispielsweise staatliche Behörden, Zoos, Wissenschaftler, Medien und NGOs.

Über 17.000 Wissenschaftler weltweit sammeln Daten für die Rote Liste. Sie arbeiten in verschiedenen Kommissionen etwa zu Artenschutz, Meeresschutz, zur Entwicklung von Ökosystemen und zu Schutzmaßnahmen.

Die "Rote Liste" der IUCN ist nicht die einzige Liste der bedrohten Arten. Es gibt auch nationale rote Listen. In Deutschland koordiniert das Rote-Liste-Zentrum im Auftrag des Bundesamts für Naturschutz (BfN) alle nationalen Listen der bedrohten Tier-, Pilz- und Pflanzenarten. Es vernetzt über 550 Autoren von roten Listen.

Warum gibt es so viele verschiedene rote Listen? Flora und Fauna sind komplex. Daher gibt es Expertengremien, die jeweils ihre Spezialgebiete beleuchten. Es gibt also auch rote Listen der Säugetiere, der Vögel, der Heuschrecken und viele mehr.

Gefährdungskategorien der roten Liste 

Die roten Listen haben unterschiedliche Gefährdungskategorien. Die IUCN unterteilt in folgende zehn Stufen (absteigend von der höchsten Gefährdungsstufe):

  • EX = Extinct – Ausgestorben
  • EW = Extinct in the Wild – In freier Wildbahn ausgestorben
  • CR = Critically Endangered – Vom Aussterben bedroht
  • EN = Endangered – Stark gefährdet
  • VU = Vulnerable – Gefährdet
  • NT = Near Threatened – Gering gefährdet, Vorwarnliste
  • LC = Least Concern – Nicht gefährdet
  • DD = Data Deficient – Keine ausreichenden Daten
  • NE = Not Evaluated – Nicht bewertet

In Deutschland hingegen gibt es nur acht Kategorien:

  • 0 = Ausgestorben oder Verschollen
  • 1 = Vom Aussterben bedroht
  • 2 = Stark gefährdet
  • 3 = Gefährdet
  • G = Gefährdung unbekannten Ausmaßes
  • R = Extrem selten (Arten, die sehr lokal oder extrem selten vorkommen)
  • V = Vorwarnliste, Art ist merklich zurückgegangen, aber noch nicht gefährdet
  • D = Daten unzureichend

Bereiche der roten Liste

Die "Rote Liste" der IUCN bildet Tiere, Pilze und Pflanzen ab. Sie wird regelmäßig aktualisiert. Derzeit erfasst sie 128.918 Spezies, davon gelten 35.765 als vom Aussterben bedroht. So ist die Verteilung:

  • 40 Prozent der Amphibien wie wie Frösche, Kröten und Salamander sind vom Aussterben bedroht
  • 34 Prozent der Nadelbäume wie Zedern, Zypressen und Tannen
  • 33 Prozent aller Hai- und Rochenarten
  • 33 Prozent aller Riff-Korallen
  • 28 Prozent aller Krebstiere/Schalentiere
  • 26 Prozent aller Säugetiere

Warum sind manche Tierarten vom Aussterben bedroht?

Mit Zählungen, Kamerafallen und anhand von Kotproben schätzen Experten, wie viele Tiere einer Art es noch gibt. In Sibirien etwa streiften tausende Freiwillige auf Spurensuche gleichzeitig durch den Schnee im Winter, um den seltenen Amur-Tiger zu zählen. Das Beispiel zeigt: Seltene Tiere zu zählen, ist aufwändig und gar nicht so einfach. Ob eine Art als "vom Aussterben bedroht" gilt, entscheidet aber nicht die Anzahl der verbliebenen Exemplare einer Spezies allein. Die Experten berücksichtigen auch verfügbaren Lebensraum, die Fortpflanzungsrate und die Entwicklung der Population. Mögliche Ursachen für schwindende Tierarten und Ökosysteme sind:

  • Steigende Temperaturen: Der Klimawandel verkleinert Lebensräume. In Deutschland bedroht er viele Fisch- und Krebsarten, die in kalten Gewässern leben. Den Eisbären schmilzt in den Polarregionen ihr Lebensraum unter den Tatzen weg.
  • Waldvernichtung: Durch Rodungen und Brände schwinden ganze Ökosysteme. In Australien und Brasilien starben 2019/2020 massenhaft Tiere durch Waldbrände.
  • Fischerei: Grundschleppnetze durchpflügen den Meeresboden und schädigen ihn. In Netzen landen auch gefährdete Arten als Beifang. Vögel, Wale und Delfine können sich darin verfangen.
  • Jagd: Für Delikatessen, vermeintliche Heilmittel und Trophäen sterben zahlreiche Wildtiere. 
  • Industrielle Landwirtschaft: Monotone Landschaften bieten keine vielfältigen Lebensräume. DIE IUCN warnt: Der Feldhamster wird in den nächsten 30 Jahren aussterben, wenn sich nichts ändert. Er gilt als Stellvertreter für viele weitere Tierarten. Unter dem Einsatz von Pestiziden leiden viele Insektenarten. Das Bienensterben ist seit ein paar Jahren ein großes Thema in der Öffentlichkeit.
  • Umweltverschmutzung: In den Meeren etwa schwimmt tonnenweise Plastik und landet in den Bäuchen von Seevögeln und Walen.

Eine Auswahl an schutzbedürftigen Tieren, für die sich der Natur- und Tierschutzbund WWF besonders einsetzt:

  • In Europa: Braunbären, Wölfe, Luchse, Wisente und Adler.
  • In Asien: Tiger, Asiatische Elefanten, Orang-Utans, Asiatische Nashörner, Große Pandas, Rote Pandas, Leoparden und Schneeleoparden, Nasenaffen, Saiga-Antilopen
  • In Afrika: Elefanten, Gorillas, Löwen, Nashörner, Bonobos, Geparde, Schimpansen

Wie viele Tierarten sterben pro Jahr?

Unsere Erde ist lebendig. Knapp zwei Million Arten von Lebewesen sind dokumentiert, das ist schätzungsweise nur ein Zehntel der Gesamtanzahl. Doch 20.000 bis 50.000 Arten verschwinden pro Jahr. Laut Naturschutzbund (NABU) sterben pro Tag 150 Arten. Der WWF warnt vor dem größten Artensterben seit Ende der Dinosaurierzeit. Es ist das sechste große Sterben in der Geschichte der Erde. Doch eines ist anders als zuvor: An vielen Ursachen ist der Mensch beteiligt. Wir beschleunigen das Artensterben. Es soll 100 bis 1.000 Mal schneller voranschreiten als es für diese Zeit vermutlich normal wäre.

Was ist das bedrohteste Tier der Welt?

Lost before found: Australische Forscher beschrieben erst im Januar 2019 eine neue Hai-Art, den Carcharhinus obsolerus. Als Grundlage dienten drei Exemplare aus dem Pazifik bei Borneo, Vietnam und Thailand. Doch der Hai könnte bereits ausgerottet sein, bevor er richtig erkundet wurde. Die IUCN stufte ihn als "vom Aussterben bedroht" ein. Damit ist diese Art keine Ausnahme. Haie sind stark bedroht. Dabei gehören sie zu den ältesten Wirbeltieren überhaupt.

Haie werden erst spät geschlechtsreif, werfen nur wenig Jungtiere pro Tragzeit und bekommen auch nicht jedes Jahr Nachwuchs – und trotzdem schwimmen sie bereits seit Millionen von Jahren durch die Ozeane.

Der Mensch ist ihre größte Bedrohung: Die Tiere landen als Beifang in Fischernetzen. Sie werden wegen ihrer Flossen gejagt, die als Delikatessen gelten – und wegen ihres Knorpels, der als angebliches Gesundheitsprodukt beworben wird. In Costa Rica etwa schneiden Fischer Haien die Flossen ab und werfen sie bei lebendigem Leib zurück ins Meer, wo sie qualvoll verenden.

Durch Info-Quellen wie die "Rote Liste" gibt es immer mehr Schutzmaßnahmen für Haie, beispielsweise:

  • Restriktionen der Fischerei
  • Kontrolle des Marktes von Haifisch-Flossen und anderen Produkten vom Hai
  • Öffentlichkeitsarbeit sensibilisiert Menschen dafür, keine Haiprodukte zu kaufen. 
  • Einrichtung von Meeresschutzgebieten

Letzte Rettung für bestimmte Arten: Rote Liste

Goldene Löwenäffchen schwingen sich wieder im brasilianischen Regenwald von Ast zu Ast. Die süßen Krallenaffen mit Goldschopf sind nur rund 30 Zentimeter groß, leben streng monogam – und wären beinahe ausgestorben. Jetzt leben wieder rund 1.000 Tiere. Zur Rettung der Art trug die "Rote Liste" erheblich bei. Die IUCN setzte die Tiere auf den Status "vom Aussterben bedroht."

Die Äffchen leben nur in Brasilien. Zahlreiche Tiere starben aufgrund von Brandrodungen. Der Status "vom Aussterben bedroht" sollte ihre letzte Rettung sein. Seit 1984 gibt es Zucht, Auswilderungs- und Wiederansiedlungsprojekte – etwa im Nationalpark Poco das Antas nahe Rio. Viele Zootiere sicherten in den Zuchtprogrammen die Rettung der Bestände. Anfangs starben viele Tiere in der Freiheit. Doch die Verantwortlichen häuften Wissen zur Ernährung und Auswilderung an. Die Geschichte zeigt: Um eine Art zu retten, ist oft ein langer Atem nötig.

Auch die Bestände der Berggorillas erholten sich. Durch ihren Schutzstatus auf der "Roten Liste" wurden Jagdverbote und Wilderei kontrolliert und der Lebensraum der Tiere geschützt. Die Population wächst, gilt aber weiterhin als gefährdet.

Feldhase, Iltis & Co.: Gefährdete und bedrohte Tierarten in Deutschland

Deutschland ist laut Bundesamt für Naturschutz mit etwa 48.000 Tierarten ein eher artenarmes Land. Das liege unter anderem an der geografischen Lage. Die größte Artenvielfalt hierzulande gibt es bei Insekten (mehr als 33.500). 104 Säugetier-, 197 Fisch- und 328 Vogelarten sind beschrieben.

Viele Tiere sind auch hierzulande laut Rote-Liste-Zentrum vom Aussterben bedroht. Früher gab es Millionen Feldhamster – in 30 Jahren drohen die Tiere von der Erde zu verschwinden, sofern sich nichts ändert. Der Feldhase ist ebenso einer der Verlierer: Er ist mittlerweile als gefährdet eingestuft.

Die Lage in Deutschland sieht wie folgt aus – bestandsgefährdet oder bereits ausgestorben sind:

  • 34 Prozent der Wirbeltiere
  • 34 Prozent der wirbellosen Tiere
  • 31 Prozent der Pflanzen
  • 20 Prozent der Pilze und Flechten

Gefährdete und bedrohte Tierarten: So kannst Du zum Schutz beitragen!

Artenschutz beginnt im Alltag: Den ersten Schritt hast du gerade getan, indem du dich über das Thema informierst. Indem du achtsam mit der Umwelt umgehst, tust du auch etwas für die Tiere – denn du schützt ihren Lebensraum. Hier ein paar Tipps:

  1. Reduziere deinen Plastikverbrauch.
  2. Konsumiere nachhaltige Produkte, meide Produkte aus Palmöl.
  3. Schränke deinen Plastik- und Papierverbrauch ein.
  4. Verzichte auf Produkte aus Tropenholz.
  5. Kaufe im Urlaub keine Souvenirs, die von geschützten Pflanzen und Tiere stammen.

Du willst noch viel aktiver werden? Hier gibt's Inspiration:

  • Starte eine Spendenaktion für ein Projekt zum Schutz bedrohter Tierarten. Statt Geburtstags-Geschenk kannst du dir beispielsweise Spenden von deinen Freunden wünschen.
  • Beteilige dich an Petitionen rund um den Naturschutz.
  • Organisiere eine Plastik-Sammelaktion. In Schweden wurde "Plogging" zum Hype: Während des Joggens sammeln Menschen Müll.
  • Stelle ein Insektenhotel, Vogelhaus oder eine Igeltränke in deinem Garten auf. Zahlreiche DIY-Bauanleitungen gibt es im Netz.
  • Engagiere dich in einer Pflege- und Auffangstation für verletzte Tiere.
  • Der NABU organisiert regelmäßig Vogelzählungen, an denen sich jeder beteiligen kann. Im Januar rief der Naturschutzbund etwa dazu auf, eine Stunde lang im Garten am Vogelhäuschen die Wintervögel zu zählen.
  • Hilf einer Kröte über die Straße: Naturschützer engagieren sich bei den Laichwanderungen der Tiere, stellen Schutznetze auf und tragen Kröten, Frösche und Co. Über die Straße, damit sie nicht platt gefahren werden.

(Quellen: WWF, Das Rote-Liste-Zentrum, NABU - Naturschutzbund Deutschland e.V., IUCN - International Union for Conservation of Nature, PLOS One, Bundesamt für Naturschutz)