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Foodsharing & Co. - Diese Initiativen gegen Lebensmittelverschwendung solltest du kennen

Zwei volle Einkaufswagen Lebensmittel wirft jeder Verbraucher in Deutschland pro Jahr in den Müll. Vieles davon könnte noch gegessen werden. Denn oft landen Käse und Co. in der Tonne, weil sie abgelaufen sind. Eine unnötige Verschwendung! Denn: Die Produkte sind meist noch lange über das Mindesthaltbarkeitsdatum hinaus genießbar. Auch Brot landet häufig im Müll, weil es trocken wird. Du willst deine Lebensmittelverschwendung reduzieren? Wir zeigen dir, wie du zum Lebensmittelretter wirst und welche Initiativen, von Foodsharing mit dem Fairteiler-Konzept bis zu cleveren Apps, dich dabei unterstützen.

Warum Lebensmittel gerettet werden sollten!

Es gibt viele gute Gründe, warum du noch genießbare Lebensmittel retten solltest:

  1. Du sparst Geld – und zwar bis zu 75 Euro im Jahr. In Deutschland werden insgesamt Lebensmittel im Wert von bis zu 20 Milliarden Euro jährlich weggeworfen.
  2. Du schonst Ressourcen und verkleinerst deinen ökologischen Fußabdruck: Damit ein Apfel in deinem Einkaufskorb landet, wurden rund 70 Liter Wasser verbraucht. Würdest du den Apfel wegwerfen, wäre das Wasser unnötig geflossen.
  3. Du sparst Ackerfläche: Rund ein Drittel der Landfläche weltweit wird für die Landwirtschaft genutzt. Monokultur zerstört Lebensraum für Tiere, Pflanzen und Pilze und gefährdet die Biodiversität.
  4. Du sparst CO2: Lebensmitteltransporte belasten die Atmosphäre und das Klima. Sie sollten nicht unnötig getätigt werden. 

Foodsharing als Lösung im Kampf gegen Lebensmittelverschwendung – Werden Sie Food-Saver!

Du weißt nicht, wohin mit ungewollten Lebensmitteln? Oder: Du möchtest dich als Lebensmittelretter engagieren? Infos bekommst du auf der Online-Plattform foodsharing.de. Dort kannst du dich kostenlos registrieren und Aktionen in deiner Nähe finden.

Die Initiative vernetzt Foodsaver und Foodsharer. Der Verein wurde 2012 in Berlin gegründet. Mittlerweile sind über 352.000 registrierte Nutzer aus vielen Ländern dabei. Das Ziel: Verpackungs-Wahnsinn stoppen und ungewollte Lebensmittel aus privaten Haushalten und Betrieben retten. Dafür haben Helfer in verschiedenen Städten bereits hunderte Regale und Kühlschränke aufgestellt, in die du übriggebliebene Lebensmittel bringen kannst – und entnehmen darfst. Besonders aktiv sind Menschen in Berlin, Hamburg und Köln.

So kannst du dich engagieren:

  • Essenskörbe packen: Biete deine überschüssigen Lebensmittel in der foodsharing-Community an.
  • Fairteiler auschecken: Fairteiler sind Regale und Kühlschränke auf frei zugänglichen Plätzen. Sie dienen als Umschlagplatz für Lebensmittel. Du darfst Essen kostenlos abgeben und mitnehmen. Wo die rund 900 Fairteiler stehen, zeigt eine Karte auf foodsharing.de
  • Sei als Foodsaver verantwortlich für die Abholungen bei einem teilnehmenden Betrieb. Bäckereien, Supermärkte, Restaurants und Wochenmärkte kooperieren mit der Initiative.
  • Beteilige dich an Festivals und Veranstaltungen der foodsharing-Community und kläre zum Thema Lebensmittelverschwendung auf.

Gemeinsam gegen Food Waste: Das Motto von "Too Good To Go"

"Too good to go" ist eine App für Reste-Essen, die Kunden und Gastronomen vernetzt. Bevor Restaurants, Supermärkte, Cafés und Bäckereien ihr übriggebliebenes Essen wegwerfen, bieten sie es über die App zu einem günstigen Preis an. Was du bekommst, weißt du vorher nicht. Du erhältst eine Überraschungstüte!

Auf dem Smartphone kannst du vorher auschecken, welche Restaurants in deiner Nähe mitmachen. Und: Ob an diesem Tag zu viel produziert wurde und wahrscheinlich unverkauft bleibt. Dann kaufst du per App eine Mahlzeit und holst diese als Take-away zu einer vereinbarten Zeit ab. Die Kosten für eine Mahlzeit liegen häufig zwischen drei und fünf Euro. Das Essen kostet nur etwa ein Drittel des Originalpreises. Die App selbst ist kostenlos. Sie finanziert sich über eine Provision für jede verkaufte Mahlzeit.

"Too good to go" ist ein dänisches Start-up, das 2016 gegründet wurde. CEO ist Mette Lykke. Die App gibt es in 15 Ländern: Deutschland, Dänemark, Großbritannien, Frankreich, Norwegen, die Niederlande, Belgien, die Schweiz, Schweden, Spanien, Italien, Polen, Portugal und Österreich und die USA sind dabei. Die Foodsharer haben es sich zur Aufgabe gemacht, eine globale Bewegung gegen Essensverschwendung aufzubauen.

In Deutschland kooperiert die App mit 5.000 Partnerbetrieben in 900 Städten. "Unserer Too Good To Go-Community haben sich circa 4,5 Millionen Menschen angeschlossen. Gemeinsam haben wir bereits sechs Millionen Mahlzeiten gerettet, weltweit sind es sogar rund 57 Millionen Mahlzeiten", sagt Pressesprecherin Johanna Paschek.

Als Alternativen für "Too good to go" gibt es etwa die Foodsave-Apps "Zu gut für die Tonne", "ResQ Club" und "UXA".

Zu gut für die Tonne! – Die Initiative des Bundesministeriums für Ernährung und Landwirtschaft

"Zu gut für die Tonne" ist eine Kampagne des Bundesministeriums für Landwirtschaft und Ernährung. Sie zeichnet Projekte gegen Lebensmittelverschwendung aus, gibt auf der Homepage Tipps für die Einkaufsplanung und Lebensmittellagerung – und bietet eine kostenlose Resteverwertungs-App mit über 750 Rezepten an. Sterneköche, Promis wie Sarah Wiener, Johann Lafer und Daniel Brühl sowie viele Hobbyköchen zeigen, was du aus Resten für leckere Gerichte zaubern kannst. Du kannst auch selbst Rezepte vorschlagen.

Gute Übersicht: Bei den kreativen "Beste Reste-Rezepten" kannst du filtern, welche Essensreste du noch in der Küche hast – und so ein passendes Rezept finden. Ein Beispiel: Gibst du als Zutat "Brot" ein und als weitere Zutat "Apfel", spuckt das System über zehn Rezepte aus. Wie wäre es mit einem Apfel-Zimt-Brotkuchen? Schmeckt super als Nachspeise.

"Wir retten Lebensmittel" – Die Tafel sorgt für Weiterverteilung

Für die Tafel Deutschland e.V. sammeln meist Ehrenamtliche bei Herstellern und im Handel überschüssige Lebensmittel ein und verteilen diese an Bedürftige. Die Tafeln finanzieren sich über Spendengelder. Eine Win-win-Situation: Sie retten einwandfreie Lebensmittel vor der Mülltonne und verteilen diese an Menschen, die von Armut bedroht sind. So schaffen die Tafeln einen sozialen Ausgleich und leisten zudem einen Beitrag für Nachhaltigkeit. Laut Tafel landet in Deutschland jede Minute eine volle LKW-Ladung genießbare Lebensmittel im Müll. Die Tafeln retten 265.000 Tonnen Lebensmittel pro Jahr, das entspricht rund 850 LKW-Ladungen. Ein großer Beitrag für die Nachhaltigkeitsziele der Agenda 2030 der Vereinten Nationen: Die Lebensmittelverschwendung soll bis 2030 halbiert werden.

Die Tafeln gehören zu den größten sozialen Bewegungen: Allein in Deutschland engagieren sich rund 60.000 Helfer in 952 Tafeln und unterstützen circa 1,65 Millionen Bedürftige. Dafür kaufen die Tafeln keine Lebensmittel ein – sondern setzen auf Lebensmittelspenden. Übrigens: Nur selten ist eine Tafel auch eine "Suppenküche". Die Helfer bereiten die Lebensmittel meist nicht zu, sondern reichen sie weiter. Ein Drittel der Tafel-Kunden sind übrigens Kinder und Jugendliche, 26 Prozent sind Senioren.

Und das sind die Top 3 der ausgegebenen Lebensmittel:

  1. Obst und Gemüse (37 Prozent)
  2. Backwaren (18 Prozent)
  3. Milchprodukte (14 Prozent)

Kooperation, die clever macht: Die Tafel ist genauso wie Slow Food Deutschland und das Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft an der Kampagne "Zu gut für die Tonne" beteiligt. Es gibt pro Jahr mehrere Aktionstage in verschiedenen Städten unter dem Motto "Wir retten Lebensmittel". Was dort passiert? Zum Beispiel ernten Helfer im Vorfeld auf Bauernhöfen Kartoffeln und Co. die einen Schönheitsfehler haben. Im Handel hätten sie keine Chance, verkauft zu werden. Aus diesen Lebensmitteln kochen die Helfer ein leckeres Menü für Jedermann. Das soll die Menschen sensibilisieren fürs Thema Lebensmittelverschwendung.